Künzelsauer Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg verzeichnet Rekordjahr 2023
Der Künzelsauer Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg ist 2023 abermals um nahezu zehn Prozent gewachsen und hat seinen Umsatz damit innerhalb von zwei Jahren um ein Drittel erhöht.

Ziehl-Abegg, nach eigenen Angaben global führender Hersteller von Elektromotoren und Ventilatoren, hat das Geschäftsjahr 2023 als das erfolgreichste Jahr seiner Firmengeschichte abgeschlossen. Im vergangenen Jahr hat der Künzelsauer Ventilatorenhersteller 955 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet. Das entspricht einem Wachstum von 9,5 Prozent. Firmenchef Marc Wucherer stellt sich und seine Belegschaft allerdings darauf ein, dass es kurzfristig „nicht noch so einen Schub“ geben wird. Die Gründe lägen überwiegend nicht in der Verantwortung des Unternehmens.
„Die Wärmepumpe ist nicht mein Freund“, sagt Wucherer knapp. Ziehl-Abegg hatte gehofft, vom Boom der umweltfreundlichen Heizung zu profitieren. Doch das sei eine sehr unerfreuliche Erfahrung gewesen. Künstlich sei da ein Markt geschaffen worden. „Wir haben den Versprechen geglaubt. Wir haben investiert, unsere Kunden haben investiert. Dann ist alles zusammengebrochen.“ Jetzt suche man nach anderen Applikationen für die Ventilatoren. Doch das sei nicht so einfach. Immerhin: Das Wachstum wurde durch den Rückschlag zwar gebremst, aber nicht gestoppt.
Ziehl-Abegg: Neue Werke auf der ganzen Welt
Nachhaltigkeit bleibt ein Thema für das Unternehmen, das 30.000 Artikel im Sortiment hat und in mehr als 100 Länder verkauft. In Vietnam wurden gerade 30 Millionen Euro in eine neue Fabrik investiert, in Indien geschieht das gleiche. In Polen und den USA stehen bereits neue Werke. Mit den neuen Produktionsstätten verbunden ist eine neue Aufteilung in vier Weltregionen. Das soll zu kürzeren Transportwegen beitragen. Insgesamt produziert Ziehl-Abegg an 17 Orten weltweit.
Klima-Strategie Allein mit der 100-Millionen-Investition in den USA, wo man jetzt für den dortigen Markt produziert, würden 60 000 Tonnen CO2 vermieden. „Das entspricht dem CO2-Fußabdruck von 36.000 Vier-Personen-Haushalten, jedes Jahr“, rechnet Wucherer vor. Und dazu komme die Energieeffizienz der Ventilatoren, von der die Kunden profitieren. Bis 2030 will Ziehl-Abegg emissionsneutral und vollständig transparent in Bezug auf die Umweltauswirkungen sein. So sieht es die Unternehmensstrategie vor.
Ziehl-Abbeg: „Durchwachsener“ Geschäftsverlauf im laufenden Jahr
Im laufenden Jahr sehe der Geschäftsverlauf bisher sehr „durchwachsen“ aus, wie Wucherer erläutert. Schneller und effizienter soll das Unternehmen werden. Der 54-Jährige, der vor anderthalb Jahren als CEO auf Peter Fenkl folgte, ist dabei, die Kosten zu drücken und zugleich die Organisation fit für die Größenordnung zu machen, in der Ziehl-Abegg nun unterwegs ist. 45 Millionen Euro fehlen noch zur Umsatzmilliarde. Ob diese Marke in diesem oder im nächsten Jahr überschritten werden kann, sei noch offen. „Wir fahren derzeit auf Sicht.“
Neuerungen gibt es auch auf der Hannover Messe im April. Dort soll erstmals nicht das Produkt – also Ventilator oder Motor – im Mittelpunkt stehen, sondern die „Lösung“. So interpretiert Ziehl-Abegg-Sprecher Rainer Grill beispielsweise das „Gaming-Angebot“: Besucher können beim Online-Spiel Rocket League antreten. „Für solche E-Sports-Veranstaltungen braucht es Rechenzentren und damit sehr viele Ventilatoren.“ Aufmerksamkeit ist ihm damit sicher, nachdem der Kommunikationschef und ein kleines Team seit Jahren auch auf TikTok außergewöhnlich erfolgreich unterwegs sind. Zudem läuft derzeit die Ausschreibung für den KI-Kommunikationspreis, organisiert und unterstützt von Ziehl-Abegg
Darauf angesprochen, welches Gefühl er derzeit für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung habe, sagt Wucherer lapidar: „Aus Berlin spür ich gar nichts.“ Ansonsten hoffe er mit dem Maschinenbauerverband VDMA auf das zweite Halbjahr und auf Impulse aus dem Ausland. „Ich bin immer noch positiv gestimmt, obwohl ich Deutscher bin.“
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