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Würth-Roboter spielen Tetris für Fortgeschrittene

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Für den Künzelsauer Schraubenhändler geht es nicht nur im neuen Logistikzentrum auf mehreren Ebenen um Effizienz und Nachhaltigkeit. Manchmal spielt Geschwindigkeit gar nicht die entscheidende Rolle. Und jetzt lässt eine Maschine auch noch die Luft aus den Paketen.

 Foto: Scanner GmbH

Das Spiel aus den 80er Jahren begeisterte eine ganze Generation: Bei Tetris fallen Kisten in sieben verschiedenen Formen von oben herab und müssen möglichst platzsparend positioniert werden.

So ähnlich läuft künftig auch die Beladung der Paletten bei Würth. "Nur, dass die Kisten nicht nur sieben Formen haben, sondern unzählige", sagt Thomas Wahl, Logistik-Geschäftsführer der Adolf Würth GmbH & Co. KG (AWKG).

Leerräume werden eliminiert

Bisher ist dieses Beladen noch relativ simpel, da die Kisten Höhen haben, die zueinander passen. Das hat allerdings zur Folge, dass viel Füllmaterial die Leerräume in den Kartons stopfen muss. In wenigen Wochen werden diese Kartons kaum noch Leerraum haben, sondern vollautomatisch an den vier Kanten eingeschnitten, die Überstände dann gefalzt und zum Deckel umgeklappt.

"Wir haben in unseren Vetriebszentren ein Programm integriert, mit dem unsere Palettierroboter diese Kartons optimal anordnen", erzählt Wahl. Die fertig beladene Palette muss oben eben sein, damit die Ware unbeschädigt beim Empfänger ankommt. "Das ist dann schon Tetris für Fortgeschrittene."

Weniger Material, weniger Müll

Der Geschäftsführer Logistik bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG, Thomas Wahl, vor einem der Vertriebszentren in Künzelsau-Gaisbach
Der Geschäftsführer Logistik bei der Adolf Würth GmbH & Co. KG, Thomas Wahl, vor einem der Vertriebszentren in Künzelsau-Gaisbach  Foto: Christian Gleichauf

Es ist eine von vielen Neuerungen, die in der Logistik Material, Wege, Geld sparen. 20 Prozent weniger Raum sollen die Pakete künftig im Schnitt in Anspruch nehmen. Eine beachtenswerte Menge, wenn man bedenkt, dass 42.000 Pakete täglich Gaisbach verlassen. "Das wirkt sich auch auf die CO2 -Bilanz aus", sagt Wahl.

In der Vergangenheit wurde bereits der PU-Schaum durch Luftpolsterfolie ersetzt. Aus 40 000 Kubikmeter Verpackungsmüll pro Tonne wurden dadurch 4600 Kubikmeter pro Tonne. "Das war schon eine massive Reduktion", sagt der 52-Jährige.

Von Kaufland zu Würth

Der gebürtige Kaiserslauterer kam 2012 von der Schwarz-Gruppe zu Würth, war früher unter anderem für das Kaufland-Logistikzentrum Möckmühl verantwortlich. Noch vor seinem Arbeitsbeginn in Künzelsau-Gaisbach durfte er damals beim Spatenstich für das neue Vertriebszentrum West dabei sein. "Das ist eines der modernsten Läger Europas. Damit wurde die neue Logistik-Strategie bei Würth eingeläutet", erklärt Wahl. In diesem Zentrum wird der E-Commerce abgewickelt - der wächst so schnell, dass die nächste Erweiterung absehbar ist.

Manchmal geht es nicht um Geschwindigkeit

 Foto: Photographer: Scanner GmbH

Damit ist Würth in der Lage, auf nahezu jedes Bedürfnis seiner Kunden zu reagieren. Wenn es schnell gehen muss, können Handwerker den Würth-Sofort-Service nutzen. Innerhalb von drei Stunden sind die meisten Produkte dann vor Ort. Daneben gibt es die Niederlassungen, die einen Teil des Sortiments vorhalten. Andere bestellen im Online-Shop und bekommen in der Regel am nächsten Tag ihr Paket geliefert.

Doch häufig sei diese Geschwindigkeit gar nicht notwendig und auch gar nicht gewünscht, wie Wahl erläutert. Aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten sei sie ohnehin nicht in jedem Falle sinnvoll. "Vielen unserer Kunden ist es tatsächlich auch wichtiger, dass sie nicht viele einzelne Pakete bekommen, sondern planbar eine komplette Sammellieferung." Denn auch dort sei der Verpackungsmüll nicht gern gesehen.

Aus den Vertriebs- und Logistikzentren der AWKG in Künzelsau-Gaisbach und Waldenburg wird vor allem der deutsche Markt beliefert. 20 Prozent gehen allerdings auch ins Ausland, sowohl in die Niederlassungen als auch zu Endkunden der Tochtergesellschaften. Nur am Heimatstandort wird das komplette Sortiment vorgehalten. Logistik wird in der Würth-Gruppe ganzheitlich betrachtet. Entsprechend ist AWKG-Geschäftsführer Thomas Wahl auch Geschäftsbereichsleiter für Logistik und Qualität in der Gruppe.

 


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Liefertag spart Wege

Das neue Logistik-Zentrum an der A6 in Waldenburg spielt nun eine entscheidende Rolle. Heute ersetze der 73-Millionen-Euro-Neubau acht Läger im Umkreis von 100 Kilometern. So ist es möglich, dass Pakete aus Gaisbach mit den sperrigen Artikeln in Waldenburg auf eine Palette gepackt werden. Dazu hat Würth den sogenannten Liefertag eingeführt.

Jetzt können die Kunden ihre Aufträge sammeln und erhalten dann planbar an einem bestimmten Tag ihre Ware. "Wir haben das natürlich betriebswirtschaftlich durchgerechnet. Aber die Bedeutung für unsere Kunden haben wir ursprünglich gar nicht so gesehen", gibt Thomas Wahl zu, fügt aber gleich an: "Die Logistik muss eben immer einen Schritt vorausdenken."

 

 
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