Würth Elektronik geht zum Wachsen nach München
WE Eisos wird am Ende mehr als 100 Millionen Euro für ein Innovationszentrum in der bayerischen Landeshauptstadt investieren. Reinhold Würth gibt neue Zielmarken für die Tochterfirma aus.

Im tiefen Keller des repräsentativen Neubaus befindet sich die Folterkammer. Die mit elektronischen Bauteilen bestückten Leiterplatten werden hier gerüttelt, erhitzt, abgekühlt, mit hochfrequenten Wellen bestrahlt. Und am Ende soll alles noch funktionieren. Die Mitarbeiter sind hier mit den unterschiedlichsten Neuentwicklungen aus dem Hause Würth Elektronik beschäftigt. Am Montag wurde das Gebäude im Beisein der Familie Würth und vieler Festgäste eingeweiht.
Aus einer fixen Idee wurde eine Ertragsperle
Reinhold Würth würdigte in seinem Rückblick die Initiative seines langjährigen Vertrauten Rolf Bauer. "Ohne dich gäbe es dieses Gebäude hier nicht." Bauer und Würth hatten in den 80er Jahren die Idee, neben dem Schraubenhandel eine Elektronik-Sparte aufzubauen.
Die Leiterplatten waren anfangs kein einfaches Geschäft. Heute zählt die Gruppe, die aus drei Geschäftsbereichen besteht, zu den Ertragsperlen des Konzerns. Der Umsatz wuchs zuletzt von 820 Millionen Euro im Jahr 2020 auf mehr als 1,3 Milliarden 2022.
Reinhold Würth bleibt hungrig
Für den 87-jährigen Eigentümer noch immer nicht genug. "Ich stelle mir visionär vor, dass Sie eine Verfünffachung, eine Verzehnfachung des jetzigen Umsatzes durchaus erreichen können", rief er dem versammelten Management zu.
Dazu beitragen soll nun das neue Hightech Innovation Center, kurz HIC, das im westlichen Münchner Stadtteil Freiham gebaut wurde. Es war schon vor fünf Jahren von einem "mittleren dreistelligen Millionenbetrag" die Rede. Das war offenbar eine Falschmeldung. Wie hoch die Investitionssumme nun ist, verrät das Unternehmen offiziell nicht. Hinter vorgehaltener Hand ist von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag die Rede.
"Wann investiert man in eine eigene Immobilie?", fragte der bayerische Finanzminister Albert Füracker und gab gleich die Antwort: "Wenn man an die Zukunft glaubt, wenn man von der Zukunft überzeugt ist." Insofern ist Würth auf jeden Fall nach München gekommen, um zu bleiben.
2011 bezog Würth Elektronik Eisos das erste Domizil in der Stadt. Von 2013 bis 2022 war das Unternehmen dann in Garching mit zuletzt 85 Mitarbeitern vertreten. Nachdem es dort zu eng geworden war, erfolgte nun also der Wechsel nach Freiham, wo 250 Mitarbeiter Platz finden - im ersten Teil des geplanten Gesamtkomplexes.
Der nächste Bauabschnitt ist schon geplant

Die spiegelbildlich gestaltete Erweiterung ist bereits geplant, das angrenzende Grundstück dafür gekauft. 2026 soll der Spatenstich sein, zwei Jahre später wäre dann wohl auch dieser Abschnitt fertig und wird weiteren 250 Mitarbeitern Platz bieten. Hier ist abermals von einer mittleren zweistelligen Millionen-Investition auszugehen. Am Ende dürften es also mehr als 100 Millionen sein, die am Standort gesetzt werden.
Gemessen an den Vorstellungen eines Reinhold Würth dürfte damit aber noch längst nicht Schluss sein. Finanzminister Füracker, der in Vertretung von Ministerpräsident Markus Söder zur Einweihung gekommen war, versprach vorsorglich: "Wir haben noch viel Platz." Sollte München "voll" sein, dann gebe es noch andere Standorte. Seine zurückhaltende Werbebotschaft: "Wir Bayern sind eigentlich ganz nett." Lob gab es für die humorvolle Rede von Würth-Konzernchef Robert Friedmann: "Ich habe schon viele Minister kennengelernt, aber noch nie einen Finanzminister, der so ein guter Verkäufer ist."
Die Bayern können mit etwas punkten, das Hohenlohe (noch) nicht zu bieten hat: Fachkräfte. Das Umfeld von Start-ups, Hightech-Firmen und Universitäten wie der TUM lockt Spezialisten aus aller Welt an. Kein Wunder also, dass die momentan 160 Spezialisten im neuen HIC aus 29 verschiedenen Ländern kommen. Sie arbeiten an Chip-Architekturen, Halbleiter-Transformatoren, Übertragungstechnik in allen Größen und nach allen Standards.
New Work hält auch hier Einzug
Den Mitarbeitern wird dazu ein modernes Umfeld geboten. New Work ist auch hier das Schlagwort: Zusammenarbeit soll ermöglicht werden, auch der ungezwungene Austausch, und ebenso die ruhige Ecke, in der man sich konzentrieren kann. Damit muss sich Würth-Elektronik auch nicht hinter den großen Tech-Unternehmen verstecken.
Das findet im Übrigen auch Ministerpräsident Söder. In seiner Grußbotschaft erklärt er stolz: "Die großen Player kommen zu uns: Apple, Google, Microsoft - und Würth." Das sei die "Champions League der Digitalisierung der Zukunft".
Eisos, CBT und ICS
Das Hightech Innovation Center (HIC) in München gehört zu Würth Elektronik Eisos, der Bauelemente-Sparte der Würth-Elektronik-Gruppe (WE). Die gliedert sich in drei Geschäftsbereiche. Der größte ist Eisos in Waldenburg mit 6530 Mitarbeitern. Daneben gibt es noch in Niedernhall die CBT, kurz für "Circuit Board Technology" oder Leiterplattentechnik mit 1120 Mitarbeitern. Es ist die Keimzelle der Würth Elektronik. Der dritte Geschäftsbereich ist ICS, "Intelligent Power and Control Systems". Diese kleinste Einheit aus Niedernhall-Waldzimmern mit 540 Mitarbeitern beliefert vor allem die Automobilindustrie mit Spezial-Komponenten.




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