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Wie sich regionale Unternehmen auf der Hannover Messe präsentieren: Grün, blau oder schwarz - auf jeden Fall nachhaltig

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Bei fast allen Unternehmen auf der Industrieschau geht es darum, bei den großen Zukunftsthemen zu punkten. Beim Rundgang über die Hannover-Messe zeigen die regionalen Unternehmen ihre Innovationskraft.

Am Stand von Prezero: Von außen ein schwarzer Block mit dem Hashtag Circular Economy, innen die Auflösung: Green Future. Julia Bechtel hat das Konzept mit erarbeitet.
Am Stand von Prezero: Von außen ein schwarzer Block mit dem Hashtag Circular Economy, innen die Auflösung: Green Future. Julia Bechtel hat das Konzept mit erarbeitet.  Foto: Gleichauf, Christian

Hier müsste es doch sein. Auf der Suche nach dem Stand von Prezero, dem schnell wachsenden Entsorgungsunternehmen der Schwarz-Gruppe, steht man plötzlich vor einer schwarzen Wand. "Hashtag Blackbox Circular Economy" steht da in großen Lettern. Langsam dämmert"s. "Ja", freut sich wenig später Julia Bechtel über das Aha-Erlebnis, "das war die Idee." Sie hat das Konzept für den Stand auf der Hannover-Messe mit erarbeitet.


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Prezero will Neugier wecken

Erstmals ist Prezero hier vertreten und will - zwischen all den Maschinenbauern und anderen Unternehmen aus der klassischen Industrie - die Neugier wecken. "Was wir machen, ist doch für jedes Unternehmen interessant", sagt Bechtel. "Denn jeder kann sich mit uns auf den Weg zu Zero Waste machen", also hin zu "null Abfall". So wie zuletzt die TSG Hoffenheim mit ihrer Prezero-Arena. "Die haben jetzt eine Wiedervertungsquote beim Abfall von 87 Prozent erreicht." Dafür wurden statt der einfachen Abfalleimer Trenn-Inseln aufgestellt, Mitarbeiter geschult und Besucher sensibilisiert. Gar kein Abfall, das räumt Bechtel ein, sei allerdings noch nicht erreichbar.

Jeder braucht ein Vorzeigeprodukt

Die Neckarsulmer bieten ein Nachhaltigkeitsthema, das offenbar perfekt zu dieser Hannover-Messe passt. Fast jedes Unternehmen braucht hier die Vorzeigeprojekte und -produkte, die illustrieren, dass man sich auch über das Morgen Gedanken macht. Bei Ziehl-Abegg aus Künzelsau ist es der Solar Ice Maker, der auf Initiative der Entwicklungshilfegesellschaft GIZ entwickelt wurde und vom indonesischen Unternehmen Airef gebaut wird. Davon profitieren sollen die Fischer in dem asiatischen Inselstaat, die häufig ohne Elektrizität in ihren Dörfern leben. Besonders gut passt es da, dass Indonesien in diesem Jahr Partnerland der Hannover-Messe ist.

 

 


 

Kontakte zu Interessenten aus dem Kongo

Die Solar Ice Maker sind keine Umsatzbringer. Nur ein einziger, zugegebenermaßen großer Ventilator sitzt oben auf dem Kühlgerät, das mehrere Kühltruhen auf niedriger Temperatur halten kann. Aber sie zeigen, was möglich ist mit guten Ideen und der richtigen Technik. "Gestern war ein Besucher aus dem Kongo am Stand, der großen Bedarf für die Lösung sieht", erzählt Ziehl-Abegg-Sprecher Rainer Grill. Der Mann treffe sich nun mit dem Hersteller Airef - "die beiden hätten ohne die Hannover Messe wohl nicht zueinander gefunden".

Riesige Unterschiede bei Ventilatoren für Wärmepumpen

Ansonsten zeigt Ziehl-Abegg beispielsweise Ventilatoren für Wärmepumpen-Anwendungen. Auf Effizienz komme es dabei an, schließlich verursacht ein Ventilator 90 Prozent seines CO2-Fußabdrucks im Betrieb. Aber auch auf die Lautstärke ist für Kunden entscheidend. "Da gibt es riesige Unterschiede", sagt Vorstandschef Marc Wucherer, "und Lärmbelastung ist auch Umweltbelastung." Insgesamt scheint es eines der Produkte zu sein, die die Welt etwas grüner machen könnten. "Blauer", korrigiert Wucherer, "wir wollen die Welt blau machen." Die Farbenlehre bei den Hohenloher Unternehmen ist traditionell strikt. Die weithin sichtbare Messewand, auf der auch das Schwesterunternehmen Ziehl Industrie-Elektronik von Gesellschafter Dennis Ziehl seinen Platz hat, leuchtet in kräftigem blau.

Bosch möchte mit Wasserstoff durchstarten

Eines der großen grünen Themen auf der Messe in diesem Jahr ist Wasserstoff. Der Automobilzulieferer Bosch will damit auch im stationären Bereich durchstarten und hat passend dazu einen mächtigen sogenannten Stack für Elektrolyseure in der Ausstellung, mit dem etwa die überschüssige Energie eines Windrads in Wasserstoff verwandelt werden kann. 450 Kilogramm pro Tag könnten so gespeichert werden und bei Bedarf in einer Brennstoffzelle - auch die baut Bosch in allen Größen - wieder in elektrische Energie umgewandelt werden.

Bürkert will neue Kunden im Automobilbereich gewinnen

Vom Trend zur Brennstoffzelle erhoffen sich auch andere Unternehmen einiges. Etwa der Ventil- und Regeltechnikspezialist Bürkert aus Ingelfingen. Der Vertriebsverantwortliche für die Wasserstoff-Anwendungen, Dominik Fröhlich, kann am Stand zeigen, wo die Bürkert-Komponenten zum Einsatz kommen können. "Im Tank steht der Wasserstoff unter hohem Druck, am Stack der Brennstoffzelle darf er nur mit geringem Druck ankommen, da braucht es beispielsweise so ein Regelventil." Bürkert will damit auch im Automobilbereich neue Kunden finden, Gabelstapler etwa seien ein Produkt, das in anderen Ländern schon vielfach mit Wasserstoff fährt.

Wasserstoff als Zukunftsmarkt für Afriso

Den besonderen Anforderungen beim Umgang mit Wasserstoff stellt sich auch das Mess- und Regeltechnikunternehmen Afriso aus Güglingen. Es sei ein Markt mit Perspektiven, der zugegebenermaßen aber noch keine große Rolle für den Umsatz spielt. Den hat Afriso in elf Jahren allerdings auf knapp 250 Millionen Euro verdoppelt. Das grüne Thema Wasserstoff spielt dabei noch eine untergeordnete Rolle, erklärt Marketingleiter Frank Altmann, "aber es ist eben ein Zukunftsmarkt".

Was ein Messestand kostet

Ziehl-Abegg-Vorstandschef Marc Wucherer (links) und Gesellschafter Dennis Ziehl am Stand von Ziehl-Abegg und Ziehl Industrie-Elektronik.
Fotos: Christian Gleichauf
Ziehl-Abegg-Vorstandschef Marc Wucherer (links) und Gesellschafter Dennis Ziehl am Stand von Ziehl-Abegg und Ziehl Industrie-Elektronik. Fotos: Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Erstmals seit zwölf Jahren ist Afriso aus Güglingen wieder auf der Hannover-Messe - und sehr zufrieden mit den ersten zwei Tagen. Der finanzielle Aufwand war überschaubar. Afriso kommt mit gut 50 000 Euro inklusive Hotelkosten hin. Für größere Stände geht es schnell in die Hunderttausende. Ziehl-Abegg etwa gibt 330 000 bis 350 000 Euro aus. "Es ist vor allem Imagepflege", sagt Ziehl-Abegg-Chef Marc Wucherer. "Aber die Hannover-Messe bleibt eben das Schaufenster der deutschen Industrie."

Tiktok funktioniert für Ziehl-Abegg bestens

Gesellschafter Dennis Ziehl findet es schade, dass kaum noch eine Delegation aus der Region den Weg nach Hannover auf sich nimmt. Ziehl-Abegg nutzt die Messe auch, um die von Kommunikationschef Rainer Grill aufgebaute Tiktok-Gefolgschaft mit einzubeziehen. Gemeinsam mit Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut gab es am Dienstag eine Live-Veranstaltung, die über die Social-Media-App Tiktok übertragen wurde. Mehr als 8000 Nutzer schalteten in die Übertragung ein. 


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