Vier-Tage-Woche treibt die Arbeitgeber um
Der neue Hauptgeschäftsführer des Verbands Südwestmetall, Oliver Barta, beim Antrittsbesuch in Heilbronn.

Die Industrieunternehmen in Baden-Württemberg befinden sich vor riesigen Herausforderungen, sagt Oliver Barta. Der 55-Jährige ist seit wenigen Wochen Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Mit Freude sei er dennoch aus Frankfurt nach Stuttgart gekommen. "Der Südwesten ist schließlich maßgebend für die gesamte deutsche Wirtschaft."
Digitalisierungsbedarf gibt es in Deutschland überall
Einige der Probleme und Chancen, vor denen die Metall- und Elektroindustrie steht, sind auch andernorts zu beobachten. So hat allein die Ummeldung eines Fahrzeugs von Barta bei seinem Umzug nach Stuttgart drei Stunden in der Zulassungsstelle gekostet. Ein Indiz, dass sich der Arbeitskräftemangel überall bemerkbar macht und die Digitalisierung noch ausbaufähig ist. "Ich habe aber gehört, dass es in Heilbronn schon online möglich ist", erzählt er.
Was die fehlenden Arbeitskräfte angeht, erzählt der gerade wiedergewählte Bezirksvorsitzende Hans-Jörg Vollert aus eigener Erfahrung: "Auf Stellen, auf die früher 70 Bewerbungen hereinkamen, kommen nun 20." Und manche Position könne überhaupt nicht mehr mit einer geeigneten Person besetzt werden.
Der demographische Wandel schlage nun voll durch. "Wenn wir jetzt noch die Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich einführen, dann wird die Arbeit nicht mehr gemacht", so der Weinsberger. "Das kostet uns Wohlstand."
Produktivitätssteigerungen durch KI bereits eingepreist?
Die Tarifverhandlungen sind weit. Doch IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hat mit seinen Äußerungen zur Vier-Tage-Woche Unruhe gestiftet. Die Arbeitgeber sind nervös. Drei Prozent Produktivitätssteigerung seien notwendig, um den Status quo zu erhalten, erklärt Barta. "Weitere acht Prozent wären notwendig, um die Vier-Tage-Woche zu finanzieren", sagt er und fragt, wie das funktionieren soll.
Die Gewerkschaften hegen dabei große Hoffnung, was den Einsatz Künstlicher Intelligenz angeht. "Diese Entwicklung geht wahnsinnig schnell, und das ist auch gut so", sagt Barta. "Wenn wir innovationsfähig bleiben wollen, dann müssen wir die Chancen nutzen, die KI uns bietet." Die Unternehmen hätten das auch verstanden. "Wenn einige doch die Augen davor verschließen, dann muss man davon ausgehen, dass es sie irgendwann nicht mehr gibt", sagt Vollert.
"Es gibt eine gewisse Grundlethargie"
Zugleich hat der Unternehmer aber auch beobachtet, dass viele Nachwuchskräfte in der Corona-Zeit ihren Antrieb verloren haben. "Ja, es gibt noch einige, mit denen kann man etwas reißen", sagt Vollert. Aber es seien auf jeden Fall weniger geworden. Der Heilbronner Südwestmetall-Geschäftsführer Jörg Ernstberger sieht das ähnlich. "Es gibt eine gewisse Grundlethargie", fasst er eine Befragung von rund 90 Mitgliedsunternehmen zusammen.
"Verantwortung zu übernehmen ist offenbar nicht mehr so sexy." Ohne Zuwanderung von Fachkräften werde es schwierig, sind sich die Funktionäre sicher. "Da braucht es schnelle Abläufe, die auch für kleinere Unternehmen funktionieren", sagt Vollert. Er beschäftige derzeit vier Leute, die sich nur um die Bewältigung der von Brüssel und Berlin verursachten Bürokratie kümmerten.
Kurzfristig fordert der Verband zudem die Senkung der Energiepreise für die Wirtschaft. Die Zukunft des Standorts Deutschland werde ansonsten gefährdet, sagt Vollert. Denn die Branche muss sich schließlich auch noch um die Transformation in all ihren Facetten kümmern. Barta kündigt zudem an, dass sich auch der Verband werde transformieren müssen. Was genau er dabei vorhat? Er beließ es bei der Andeutung.
Oliver Barta
Der gebürtige Hesse ist seit März in der Geschäftsführung des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Seit April ist er als Nachfolger von Peer-Michael Dick Hauptgeschäftsführer des Verbands. Er war Personalverantwortlicher bei Bosch Thermotechnik in Wetzlar und in weiteren Funktionen bei Mannesmann-Rexroth. Zudem war er Verhandlungsführer für Hessenmetall bei den Tarifverhandlungen 2020 und er ist bei Gesamtmetall im tarifpolitischen Vorstand.
Vorstandswahlen
Die Mitgliederversammlung der Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken hat den Vorstand gewählt. Neuer und alter Vorsitzender ist Hans-Jörg Vollert (Vollert Anlagenbau, Weinsberg). Weitere Mitglieder sind Christine Grotz (Weber Hydraulik, Güglingen), Jürgen Gurt (Läpple, Heilbronn), Peter Sebastian Krause (Rheinmetall, Düsseldorf), Rolf Kummer (Franz Schneider Armaturen, Nordheim), Lukas Langer (Dieffenbacher, Eppingen), Detlef Mücke (Magna Spiegelsysteme, Assamstadt), Richard Ongherth (Kaco, Kirchardt), Carsten Strenger (Illig, Heilbronn), Christian Theiss (Nedschroef, Schrozberg), Stefanie Ulrich (Audi, Neckarsulm), Joachim Vianden (Eisenwerk Würth, Bad Friedrichshall).
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