Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Unternehmen in Sorge um Mitarbeiter und Partner

   | 
Lesezeit  3 Min
Erfolgreich kopiert!

Firmen mit Geschäftsbeziehungen in den Osten stehen überwiegend hilflos da. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges sind unklar. Die Solidarität mit den Ukrainern ist allerdings groß. Und Würth verkündet eine Großspende.

Der Maschinenbauer Illig hat keine eigenen Mitarbeiter in Russland. Doch über Partner hatten sie Projekte in Russland und der Ukraine betreut. Wie es weitergeht, ist auch hier offen.
Foto: Archiv
Der Maschinenbauer Illig hat keine eigenen Mitarbeiter in Russland. Doch über Partner hatten sie Projekte in Russland und der Ukraine betreut. Wie es weitergeht, ist auch hier offen. Foto: Archiv

Bei einer Umfrage zu den Auswirkungen des Krieges in der Ukraine betonen alle Unternehmen, mit welcher Sorge und Betroffenheit sie die Nachrichten zur Kenntnis nehmen. Bis abzusehen ist, wie genau die Sanktionen aussehen, haben viele den Handel mit Russland aber ausgesetzt.

Die Würth-Gruppe beschäftigt fast 900 Mitarbeiter in den zwei Ländern, 118 davon in der Ukraine. Primäres Ziel sei, die Mitarbeiter in der Ukraine zu unterstützen, wie Sprecherin Sigrid Schneider erklärt. "Unsere Hoffnung ist, dass der Krieg kurzfristig beendet werden kann." Die Solidarität innerhalb des Konzerns sei sehr groß, die Geschäftsführer der angrenzenden Länder geben unmittelbare Hilfestellungen. Lieferungen nach Russland und in die Ukraine seien bis auf Weiteres aber ausgesetzt. "Kollegen in der Ukraine als auch in Russland erhalten finanzielle Unterstützung."

Stanzformtechnik-Spezialist Marbach pflegt enge Kontakte zu Russland und der Ukraine

Schockiert zeigt man sich auch beim Heilbronner Unternehmen Marbach über Putins Überfall auf die Ukraine. "Da baut man sich über drei Jahrzehnte in diesen beiden Ländern einen Markt auf und dann drückt eine einzelne Person auf den Aus-Schalter", sagt Geschäftsführer Peter Marbach. Der Stanzformtechnik-Spezialist und Werkzeugbauer ist über den Franchise-Partner Raster Technology eng mit Russland verbunden, es gibt aktuell sieben Standorte. Auch mit der Ukraine pflegen die Heilbronner Geschäftsbeziehungen, außerdem haben viele Mitarbeiter in Heilbronn Familien und Verwandte in der Ukraine. "Nicht nur Business ist entstanden, auch Freundschaften", betont Marbach. Mit den russischen Partnern wurde bis zur Corona-Pandemie eine jährliche Paddeltour abwechselnd in Deutschland und in Russland veranstaltet, sogar eine Städtepartnerschaft Heilbronns mit Obninsk wurde diskutiert.

Gemü im Gewerbepark Hohenlohe: Viele Unternehmen hier haben Geschäfte mit Russland und der Ukraine gemacht. Vorerst ist fast alles gestoppt.
Gemü im Gewerbepark Hohenlohe: Viele Unternehmen hier haben Geschäfte mit Russland und der Ukraine gemacht. Vorerst ist fast alles gestoppt.  Foto: KD BUSCH D3S/2

Für Marbach hat der Krieg auch finanzielle Folgen durch Umsatzausfälle und offene Rechnungen. Auf der Beschaffungsseite sorgt sich der Geschäftsführer um die Versorgung mit dem benötigten Birkensperrholz, das zu mehr als 50 Prozent aus Russland kommt. "Unglaublich" findet es Peter Marbach, dass Deutschland weiter russisches Gas kauft. "Damit finanzieren wir ja diese militärische Aktion."

Der Heilbronner Maschinenbauer Illig ist mit einer Handelsvertretung in Moskau vertreten. "Wir halten den Kontakt zu unserer Handelsvertretung in Moskau", teilt ein Sprecher mit. Derzeit arbeiten dort fünf Beschäftigte, die nicht direkt bei Illig angestellt sind. Die Geschäftsbeziehungen der Heilbronner zur Ukraine werden bislang vom Moskauer Handelspartner betreut. "Im Moment haben wir keine aktuellen Projekte in der Ukraine", teilt der Illig-Sprecher mit.

 


Mehr zum Thema

In der Zentrale der Schwarz-Gruppe in Neckarsulm werden die Entwicklungen in der Ukraine aufmerksam verfolgt. Das Unternehmen versucht nach eigenen Angaben über seine Filialen und Logistikzentren in Grenznähe Hilfe zu leisten.
Foto: Mario Berger
Stimme+
Neckarsulm
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Keine Boykott-Aktionen von Schwarz-Gruppe


Der Ventilatorenhersteller EBM-Papst hat Lieferungen an Russland und die Ukraine bis auf Weiteres ausgesetzt. Die Tochtergesellschaft in der Ukraine sei aus Sicherheitsgründen geschlossen. "Wir beschäftigen in unserer ukrainischen Vertriebsgesellschaft in Kiew neun Mitarbeitende", teilt Sprecher Hauke Hannig mit. Teilweise seien sie außerhalb Kiews oder auf der Flucht. "Unsere Gedanken sind bei den Ihnen." In Russland beschäftigen die Mulfinger 54 Mitarbeiter.

Ziehl-Abegg aus Künzelsau unterhält ein Vertriebsbüro mit vier Mitarbeitern in der Ukraine. Alle vier Männer müssen damit rechnen, jetzt in den Krieg ziehen zu müssen, wie Unternehmenssprecher Rainer Grill berichtet. Die 30 Mitarbeiter der Niederlassung mit angeschlossener Produktion nahe Moskau arbeiten vorerst weiter.

Kärcher hat gerade erst in einen neuen Hauptsitz in Kiew für seine Vertriebsgesellschaft in der Ukraine investiert - immerhin sind dort 220 Mitarbeiter beschäftigt. Seit 2006 ist das Unternehmen dort mit einer Repräsentanz vertreten. Nun hat sich die Lage grundlegend geändert. "Wir arbeiten daran, das zu tun, was wir für die Kollegen tun können", teilt eine Unternehmenssprecherin mit. "Es geht ganz einfach darum, dass unsere Kollegen überleben." Details sollen aus Rücksicht auf die Lage vor Ort nicht genannt werden, heißt es weiter.

Viele weitere Unternehmen sind nur mit wenigen Mitarbeitern in den beiden Ländern vertreten. Der Ventilhersteller Bürkert etwa hat eine "kleine Niederlassung" in Russland und eine Repräsentanz der österreichischen Tochter in der Ukraine- "Angesichts der menschlichen Schicksale auf allen Seiten sind die wirtschaftlichen Einbußen, die wir bedingt durch die Situation möglichweise zu verzeichnen haben, zu vernachlässigen", erklärt Bürkert-Chef Heribert Rohrbeck.

Der Ventilhersteller Gemü verfügt in Russland über ein Vertriebsbüro. "Wir erwarten, dass die Sanktionen des Zahlungsverkehrs auch Auswirkungen auf unsere Vertriebsaktivitäten in Russland haben werden", erklärt Sprecher Norbert Neumann. Gemü habe aber keine Lieferanten in der Ukraine, der Russischen Föderation oder Weißrussland und bezieht auch kein Material aus diesen Ländern, so dass Lieferketten nicht beeinträchtigt seien.

 


Würth spendet eine Million Euro

"Die Situation in der Ukraine bewegt mich zutiefst", erklärte Reinhold Würth, der Vorsitzende des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe, am Dienstag. "Unsere Gedanken sind bei unseren Beschäftigten und deren Familien sowie allen Menschen, die sich vor dem Krieg in Sicherheit bringen." Zusammen mit der Beiratsvorsitzenden Bettina Würth sowie den Führungsgremien sei beschlossen worden, eine Million Euro zur schnellen Hilfe zur Verfügung zu stellen. Zudem sammelt das Unternehmen Sachspenden. 


Mehr zum Thema

In Frankfurt sind an einer Sammelstelle viele Sachspenden zusammengekommen. Wohlfahrtsverbände raten im Moment jedoch zu Geldspenden, da Hilfsgüter so gezielter besorgt werden können.
Foto: dpa
Stimme+
Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Welche Hilfe in der Ukraine jetzt wirklich gebraucht wird


Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben