Unilever-Betriebsrat und Gewerkschafter fordern Inflationsprämie bei Knorr
Mitarbeiter in Heilbronn sollen ebenso mit der steuerfreien Zahlung bedacht werden wie an anderen Standorten im Konzern. Doch der Verbrauchsgüter- und Nahrungsmittelriese verweist auf die Tarifverhandlungen im nächsten Jahr.

Vor einer konzernweiten Betriebsversammlung am Donnerstag (09.02.2023) fordert der Unilever-Betriebsrat gemeinsam mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) eine Inflationsausgleichsprämie für den Standort Heilbronn. Das Unternehmen sieht allerdings ausschließlich die Tarifpartner in der Pflicht, entsprechende Regelungen für den nächsten Tarifabschluss auszuhandeln.
Betriebsratschef: Tarifverhandlungen sind nicht jederzeit möglich, Preiserhöhungen schon
Schon im Oktober sei der Betriebsrat auf die Geschäftsführung zugegangen, erklärt Hermann Soggeberg, Vorsitzender des Konzernbetriebsrats, gegenüber der Heilbronner Stimme. Ohne Erfolg. Und das, obwohl das Unternehmen einen Gewinn von mehreren Milliarden Euro auch durch mehrfache Preiserhöhungen erwirtschaftet habe.
"Diese Preiserhöhungen lagen weltweit im dritten Quartal bei 12,5 Prozent", erklärt Soggeberg. "Die 750 Beschäftigten in Heilbronn müssen mit der daraus resultierenden Inflation zurechtkommen, können aber nicht jederzeit in neue Tarifverhandlungen einsteigen."
2021 hatte es in Heilbronn einen Tarifabschluss mit der NGG gegeben, "vor der Inflationskrise, vor einem anderen wirtschaftlichen Hintergrund", wie Soggeberg betont. Um die Belastungen abzufedern, könnten jetzt zumindest 1500 Euro bezahlt werden.
Die Prämie sei vom Gesetzgeber als zusätzlicher Ausgleich vorgesehen, das könne auch SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert erläutern, der zur Betriebsversammlung per Video zugeschaltet wird. Auch die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi unterstützt die Forderung und schickt ein Grußwort.
NGG-Vertreter: Andere Unternehmen gehen doch mit gutem Beispiel voran
An den Unilever-Standorten in Mannheim und Buxtehude gibt es die Prämie über den Tarifvertrag der IG BCE, an weiteren Standorten wird derzeit verhandelt. "Die Beschäftigten haben mit hohen Preisen zu kämpfen und fordern jetzt zu Recht Entlastung vom Weltkonzern", sagt auch der Geschäftsführer der NGG in Heilbronn, Burkhard Siebert.
Andere Unternehmen würden ihren Beschäftigten außerhalb von Tarifverhandlungen die Inflationsausgleichsprämie bezahlen. Unilever zeige "konsequent die kalte Schulter", so Soggeberg.
Unilever will nur Härtefälle abfedern
Unilever weist auf Nachfrage darauf hin, dass es eine Härtefallregelung gebe. Studierende und Auszubildende würden sogar ohne weiteren Nachweis mit dem nächsten Gehalt an allen Standorten, an denen es noch keine entsprechende Regelung im Tarifvertrag gibt - also auch in Heilbronn - eine Prämie von 500 Euro erhalten.
Ansonsten "obliegt es den Tarifvertragsparteien, die Verhandlungen zu den Tarifverträgen zu führen", teilt eine Sprecherin mit. "Wir gehen davon aus, dass bei den anstehenden Tarifverhandlungen die Inflationsausgleichsprämie Teil des Verhandlungsergebnisses sein wird." Verhandlungen für den Standort Hamburg und den Außendienst stehen im ersten Halbjahr 2023 an, im Sommer 2024 folgt dann Heilbronn. Die Prämie kann bis Ende 2024 steuerfrei ausbezahlt werden.
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