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TE Connectivity schließt seinen Standort in Hohenlohe

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Insgesamt mehr als 250 Mitarbeiter sind betroffen: Der Steckverbinderhersteller verlagert seine Produktion von Niedernhall und Niederwinkling nach Polen. Was ist der Grund?

Der Niedernhaller Standort von TE Connectivity, früher bekannt unter dem Namen Motec, im Gewerbepark Waldzimmern soll geschlossen werden.
Der Niedernhaller Standort von TE Connectivity, früher bekannt unter dem Namen Motec, im Gewerbepark Waldzimmern soll geschlossen werden.  Foto: Matthias Lauterer

Der Steckverbinder- und Sensorhersteller TE Connectivity kündigt mehr als 80 Mitarbeitern am Standort Niedernhall und verlagert zum kommenden Jahr die Produktion nach Polen. Im bayerischen Niederwinkling werden nach Informationen unserer Redaktion 180 Mitarbeiter entlassen. Das Unternehmen bestätigt die Verlagerungen, lässt allerdings auch viele Fragen unbeantwortet.

"Unsichere Aussichten" und "geringe Kundennachfrage"?

TE Connectivity, ein amerikanischer Konzern mit Sitz im schweizerischen Schaffhausen, begründet den Schritt gegenüber unserer Redaktion mit der "anhaltenden Volatilität des Industriemarktes, den unsicheren wirtschaftlichen Aussichten sowie der geringeren Kundennachfrage und den gestiegenen Preisen". Der Schritt sei "schweren Herzens" unternommen worden.

Aus der Belegschaft kommen andere Töne. Die Aussage, es gebe eine geringere Kundennachfrage, sei schlicht falsch, sagt eine Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, gegenüber unserer Redaktion. Das Produkt sei eine Lizenz zum Gelddrucken. "Es geht nur darum, es woanders billiger herstellen zu lassen."

 


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Standorte 2016 übernommen

Die TE-Standorte Niedernhall und Niederwinkling gehen zurück auf das 1996 von Wolfgang Pfeiffer in Niederwinkling gegründete Unternehmen Intercontec. 2000 wurde eine Montage unter dem Namen Motec in Niedernhall eröffnet. 2016 verkaufte die Eigentümerfamilie Pfeiffer beide Standorte an TE Connectivity. Das Geschäft in einem größeren Konzern global ausbauen zu können, erschien damals als gute Perspektive. Tatsächlich verdoppelte sich die Mitarbeiterzahl an beiden Standorten zwischenzeitlich.

Wie ein Mitarbeiter aus Niedernhall erzählt, kamen in den vergangenen zwei Jahren aber auch vermehrt Arbeiter aus Polen, die an den Maschinen eingelernt werden sollten. Inzwischen seien mehrere Maschinen nach Polen abtransportiert worden. Weitere würden folgen. Den Angaben zufolge habe der Betriebsrat in Niederwinkling bereits 2020 vor einer möglichen Verlagerung gewarnt.

 


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Kein Betriebsrat in Niedernhall

In Niederwinkling ist inzwischen auch die Lokalpolitik aktiv geworden, wie das "Straubinger Tagblatt" berichtet. Gemeinsam mit dem Betriebsrat, der Arbeitsagentur und der Geschäftsleitung von TE versuche Bürgermeister Ludwig Waas, "tragbare Lösungen" zu finden. Stand jetzt sollen 30 bis 40 Mitarbeiter bis auf weiteres beschäftigt bleiben. TE Connectivity beschäftigt in Deutschland rund 8000 Mitarbeiter.

So weit ist man in Niedernhall offenbar noch nicht. Für den Standort gibt es auch keinen Betriebsrat, mit dem die Geschäftsleitung einen Sozialplan abstimmen müsste. Die Höhe der Abfindungen, die für Niederwinkling ausgehandelt werden, gelten nicht automatisch auch für Niedernhall. Immerhin gibt es auch hier bereits Kontakte mit der Arbeitsagentur. Für viele Mitarbeiter sollte eine Vermittlung an andere Unternehmen in Hohenlohe, wo weitgehend Vollbeschäftigung herrscht, möglich sein.

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