TE Connectivity schließt Standorte in Niedernhall und Niederwinkling: Notwendigkeit oder Masche?
TE Connectivity verlagert die Standorte Niedernhall und Niederwinkling nach Bydgoszcz in Polen. Betriebsräte und Gewerkschafter vermuten, dass das Vorgehen Methode hat. Dafür gibt es einige Indizien.

Ist die Verlagerung der TE-Connectivity-Standorte Niedernhall und Niederwinkling nach Bydgoszcz in Polen "unvermeidlich", wie die Geschäftsleitung des Weltmarktführers mitteilt? Betriebsräte und Gewerkschafter sind anderer Meinung.

"Das war von vornherein geplant", sagt ein Betriebsrat der TE Connectivity Deutschland GmbH, "Unternehmen kaufen, Know-how rausziehen, weiterziehen." 2013 seien die "TE Allgemeinen Arbeitsbedingungen" festgeschrieben worden, ausgehandelt zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung.
Werke wie in Niedernhall waren von Beginn an Standorte zweiter Klasse
Aber keine einzige übernommene Firma sei seitdem in den Genuss dieser Vereinbarungen gekommen, auch nicht die Mitarbeiter der ehemaligen Intercontec in Niederwinkling und der Motec in Niedernhall.
Die Folge: Bei vergleichbarer Einstufung habe ein Mitarbeiter bei TE Connectivity Germany schon mal ein Viertel mehr verdient als bei Gesellschaften wie TE Connectivity Industrial in Niedernhall. So waren es von Beginn an Standorte zweiter Klasse.
Vorstöße der IG Metall blieben ohne Resonanz
Dagegen wehren wollte sich die Belegschaft nicht. Wie die Schwäbisch Haller IG-Metall-Gewerkschaftssekretärin Saskia Genthner erzählt, habe man zuletzt zwei Versuche unternommen, die Mitarbeiter zur Gründung eines Betriebsrats zu bewegen. Ohne Erfolg.
"Die Geschäftsleitung hat beteuert, dass es keine Verlagerung gebe", erzählt Genthner. Wenig später hätten die Beschäftigten dann die Kündigung erhalten. Ab diesem Zeitpunkt ist die Gründung dann nicht mehr möglich. Die Folge: Während der Betriebsrat in Niederwinkling mit der Geschäftsleitung die Höhe der Abfindungen verhandeln kann, haben die Mitarbeiter in Niedernhall überhaupt keinen gesetzlichen Anspruch darauf. Beide würden aber weit entfernt von den Sätzen sein, die in der "TE Allgemeine Arbeitsbedingungen" festgelegt worden waren, betont der Betriebsrat.
TE Connectivity: Mehrere Übernahmen nach ähnlichem Schema
Gewerkschaftssekretär Robert Scherer von der IG Metall Passau sagt, dem Gründer der Vorgängerfirma Intercontec, Wolfgang Pfeiffer, sei der Fortbestand des Unternehmens beim Verkauf an TE Connectivity außerordentlich wichtig gewesen. Was nun passiere, sei "richtig traurig". Und Intercontec sei nicht das einzige Unternehmen, das auf diese Weise "ausgesaugt" wurde, sagt der Deutschland-Betriebsrat von TE Connectivity, der anonym bleiben möchte.
Pretema in Pforzheim sei übernommen und irgendwann wieder abgestoßen worden, Krone in Berlin sei gekauft und irgendwann abgewickelt worden, Hirschmann in Neckartenzlingen geht nach wenigen Jahren an die chinesische USI-Gruppe. Es gebe weitere Beispiele. "Es geht um Kostenersparnis und Zentralisierung", sagt auch Gewerkschafter Scherer.
Motto von TE Connectivity lautet eigentlich: "Verbinden mit unseren Werten"
Der Niedernhaller Bürgermeister Achim Beck ist optimistisch, dass die Mitarbeiter wieder eine Beschäftigung in der Nachbarschaft finden. "Und wir glauben auch, dass aus der Immobilie was wird." Der Kontakt zu Geschäftsleitung und Belegschaft sei bei einem Unternehmen wie TE Connectivity nicht so leicht herzustellen. "Ich wurde informiert, aber zu den vorherigen Eigentümern, der Familie Pfeiffer, war der Kontakt enger."
In Niederwinkling will an diesem Mittwochabend die Politik noch einmal auf den Vorgang aufmerksam machen. Sogar der bayerische Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) erwäge einen Besuch, heißt es von Verantwortlichen. Sie können die Geschäftsleitung dann gegebenenfalls daran erinnern, wie der Manager-Leitfaden von TE Connectivity von 2015 überschrieben ist: "Verbinden mit unseren Werten".
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