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Sorgen in der regionalen Metall- und Elektroindustrie nehmen zu

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Die Geschäfte laufen aktuell noch gut, aber hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie Personalmangel trüben den Ausblick der Unternehmen. Kritik an Diskussion über Vier-Tage-Woche.

Die Unternehmen der regionalen Metall- und Elektroindustrie (M&E) stehen aktuell noch ordentlich da. Arbeitgebervertreter sorgen sich aber um die künftige Entwicklung.

Wie eine am Montag veröffentlichte Umfrage des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken ergab, rechnen 34 Prozent der Unternehmen im laufenden Jahr mit mehr Aufträgen als 2022. 27 Prozent der M&E-Unternehmen in der Region erwarten dagegen sinkende Orderzahlen, während 39 Prozent von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgehen. 34 Prozent der Firmen rechnen in diesem Jahr mit Produktionssteigerungen, 19 Prozent mit Rückgängen, während 47 Prozent keine Veränderungen erwarten.

Die Nachfrage geht global zurück

Bei der Ertragsentwicklung halten sich Optimisten und Pessimisten mit jeweils 28 Prozent die Waage - 44 Prozent erwarten unveränderte Erträge. "Hohe Energie- und Rohstoffpreise, wachsende Unsicherheit an den Märkten, steigende Zinsen sowie das durch den globalen Konjunkturrückgang gestörte Exportgeschäft wirken sich deutlich negativ auf die Nachfrage aus", sagt Hans-Jörg Vollert, Vorsitzender von Südwestmetall in der Region.

 


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Unternehmen werben sich gegenseitig Mitarbeiter ab

Als Wachstumsbremse erweist sich zunehmend auch der Mangel an Arbeitskräften. "Das ist das dominierende Thema", sagt Jörg Ernstberger, der regionale Geschäftsführer von Südwestmetall. In der Umfrage gaben 28 Prozent der M&E-Unternehmen an, in diesem Jahr Beschäftigung aufbauen zu wollen. Allerdings ist der Kampf um Mitarbeiter in der Region härter denn je. Ernstberger und auch Michael Unser von der IG Metall Heilbronn/Neckarsulm beobachten in jüngster Zeit häufiger, dass sich die Unternehmen gegenseitig Mitarbeiter abwerben. Dies könne nicht die Lösung des Arbeitskräfteproblems sein, sagt Ernstberger. "Auch wenn einzelne Betriebe da punkten können, wird der Bestand an Arbeitskräften insgesamt eben nicht größer." Er fordert bessere Bedingungen für die Rückkehr von Frauen in den Beruf und mehr qualifizierte Einwanderung.

Mehr Bock auf Arbeit findet Ernstberger richtig und wichtig

In diesem Zusammenhang kritisiert der Südwestmetall-Geschäftsführer die Debatte um die Vier-Tage-Woche. In den 1980er Jahren habe man die 35-Stunden-Woche eingeführt, weil es zu wenig Arbeit für zu viele Arbeitskräfte gegeben habe. "Heute müssten wir es genau andersherum machen, aber darüber wird nicht diskutiert", sagt Ernstberger. Er unterstützt den Ruf des BDA-Hauptgeschäftsführers Steffen Kampeter nach "mehr Bock auf Arbeit" und die Aussage von Andrea Nahles, Chefin der Bundesarbeitsagentur, dass Arbeit "kein Ponyhof" sei. "Arbeit heißt Arbeit, weil es keine Freizeit ist", findet Ernstberger.

 


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Für die Metaller bleibt Geld ein wichtiger Faktor

Gewerkschafter Michael Unser sieht Veränderungen vor allem bei jüngeren Menschen. "Unsere Betriebsräte und auch Personaler berichten, dass für Bewerber nach dem Entgelt inzwischen sofort das Thema Arbeitszeit zur Sprache kommt", sagt er. Spätestens seit den Erfahrungen mit Homeoffice in der Pandemie erwarteten Bewerber mehr Flexibilität von den Arbeitgebern. Das Thema Entlohnung bleibe aber zentral. "Erst einmal brauchen die Leute Einkommen, mit dem man auskommen kann", so Unser.

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