Wie das Mulfinger Unternehmen EBM-Papst die Sozialen Medien nutzt
Der persönliche Schnappschuss vom Chef: Klaus Geißdörfer und seine Mitarbeiter geben dem Unternehmen ein Gesicht und betreiben Imagepflege.

Es sieht alles ganz einfach aus: Wenn die Journalisten ihre Fragen gestellt haben und Klaus Geißdörfer die jüngsten Geschäftszahlen und Investitionsprogramme erläutert hat, dann bleibt noch das Lächeln. Für das Selfie mit Carina Rau für das Posting in den Sozialen Medien. Denn der EBM-Papst-Chef ist Corporate Influencer Nummer eins für das Unternehmen.
Vom Konsument zum Teilnehmer
"Bei den meisten Sozialen Medien bin ich nur Konsument", sagt Geißdörfer. Instagram habe er schon privat genutzt, um ein paar Bilder aus dem Urlaub mit Freunden zu teilen. Doch mit dem Start bei EBM-Papst änderte sich das. Da lief das Corporate Influencer Programm bereits, Carina Rau war ein gutes Jahr als Social-Media-Managerin aktiv. "Von ihr kam gleich zu Beginn der Impuls: Wie geben wir dem Unternehmen ein Gesicht?", erzählt Geíßdörfer. Und sie habe ihm klargemacht, dass er als CEO da eine wichtige Rolle spiele.
Persönliche Einblicke geben
Die hat der 48-Jährige angenommen. So wird inzwischen regelmäßig vor einer Auslandsreise besprochen, wo es Ansatzpunkte für einen Beitrag auf dem beruflichen Netzwerk LinkedIn geben könne. "Das Bild ist natürlich besonders wichtig", sagt Carina Rau. Es solle möglichst einen persönlichen Einblick geben, der über eine Pressemitteilung nie transportiert werden könne. "Dann funktioniert das sehr gut", sagt die 29-Jährige..
Ein wichtiger Punkt: Es gibt direkt Feedback zu jeder Geschichte. Und das sei oft auch wichtiger als die Reichweite, die sich bei einigen Beiträgen aber durchaus sehen lassen kann. Gleich das erste Posting, das Geißdörfer von seinem neuen Schreibtisch in Mulfingen machte, brachte mehr als 500 Reaktionen. Doch wenn Rau beispielsweise einen Aufruf für eine Werksstudentenstelle in der Unternehmenskommunikation verbreitet, dann zählt vor allem, dass daraus zwei erfolgreiche Bewerbungen resultierten.
Kundenkontakt und Imagebildung
Um das Thema "Corporate Influencer" kümmern sich inzwischen viele Unternehmen, Behörden und öffentliche Institutionen. Ziel ist natürlich ein engerer Kundenkontakt und aktive Imagebildung. Doch es gibt Fallstricke. Etwa, inwieweit jemand persönlich haftet, wenn er vom privaten Account aus postet. Juristisch ist hier vieles Neuland, und man bewegt sich meist auch in einer Grauzone, wenn das Unternehmen nicht alles konsequent geregelt hat.
Für Klaus Geißdörfer ist der Auftritt natürlich beruflich. Und Carina Rau hat zwar Zugang zu seinem Profil, um Hashtags zu optimieren, und natürlich auch, um im Fall des Falles - ein Shitstorm ist im Netz immer möglich - umgehend reagieren zu können. Bisher war das allerdings noch nicht notwendig.
Der Chef antwortet meistens persönlich
Geißdörfer legt zudem Wert darauf, persönlich hinter seinem Account zu stehen. Wenn der Vorsitzende der Geschäftsführung in einem Unternehmen mit mehr als 15 000 Mitarbeitern aber einen direkten, persönlichen Kontakt anbietet, dann wird das natürlich auch genutzt. Mancher spricht den Chef dann mit "Du" und "Klaus" an, wie es in den Sozialen Medien verbreitet ist. "Damit habe ich gar kein Problem. Ich habe von Anfang an gesagt, man kann mich mit Klaus oder mit Dr. Geißdörfer ansprechen, das geht alles. Ich will nur keinen generellen Duz-Zwang für das Unternehmen", sagt der Manager.
Von außen bekommt Klaus Geißdörfer pro Woche inzwischen 10 bis 20 Anfragen, die er in der Regel auch persönlich beantwortet, wie er versichert, oder zumindest an andere Stellen im Haus verweist. So manche Bewerbung war da natürlich auch schon dabei.
Jeder darf mitmachen
Unter allen Plattformen bespielt EBM-Papst das berufliche Netzwerk LinkedIn inzwischen besonders intensiv. Im Corporate Influencer Programm werden Mitarbeiter positioniert, 150 haben sich dafür angemeldet. Die Aktivitäten der Geschäftsführung und auch die anderer Mitarbeiter, sie laufen unter dem Hashtag Influfanser, tragen dabei zur Imagebildung bei. Daneben ist das Unternehmen auf eigenen Seiten insbesondere auf Instagram aktiv.
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