So wird das Audi-Werk durchdigitalisiert
Was hier funktioniert, funktioniert überall: Der Standort Neckarsulm soll Maßstäbe setzen beim Thema Industrie 4.0. Als angehende Smart Factory setzen die Spezialisten an vielen Stellen gleichzeitig an.

Es sind die ganz großen Schlagwörter unserer Zeit. Smart Factory. Industrie 4.0. Transformation. Vor dem geistigen Auge des Lesers sind diese Begriffe verbunden mit den Fabriken der Zukunft, wo Maschinen intelligent zusammenarbeiten, wo menschliche Hände nur noch virtuell zugreifen und das Produkt am Ende autonom davonsurrt. Teilweise ist das noch Zukunftsmusik. Doch autonome Fahrzeuge sind schon heute im Werk unterwegs, die Montage ist virtualisiert und Stück für Stück hält auch die Künstliche Intelligenz Einzug am Audi-Standort Neckarsulm.
Weil das Neckarsulmer Werk seit mehr als 100 Jahren immer wieder den Bedürfnissen angepasst wurde, ist es an Komplexität kaum zu überbieten. Einfache Lösungen sind hier häufig nicht ganz so schnell zu finden wie andernorts. Doch aus dem vermeintlichen Nachteil haben die traditionsverbundenen Audianer inzwischen einen Vorteil gemacht. Ihr Leitspruch: Was hier funktioniert, funktioniert überall. Damit haben sie auch die Führungsebene im Volkswagen-Konzern überzeugt.
Vor rund zwei Jahren haben sich IT, Produktion und Logistik auf den Weg gemacht, hier neue Standards zu setzen. Im Presswerk werden Bauteile optisch und per KI auf Risse und Anomalien hin untersucht - ein lernendes System. Der Corona-Lockdown im vergangenen Jahr wurde genutzt, um Produktionshallen dreidimensional zu erfassen. Die Produktion des neuen Flaggschiffs E-Tron GT wurde konsequent digital vorbereitet. Neue Prozesse werden über die Amazon-Cloud AWS und die Digitale Produktionsplattform DPP von VW universell verfügbar gemacht. SAP und seine Cloud S/4Hana sollen die Zusammenarbeit von Zulieferern in der Logistik verbessern. Hier spielt das Joint Venture von Audi und dem Beratungsunternehmen Capgemini XL2 in Heilbronn eine zentrale Rolle.
Dass der Audi-Standort Neckarsulm diese neue Funktion im Volkswagen-Konzern bekommen hat, hängt eng damit zusammen, dass sich auf dem Bildungscampus in Heilbronn zahlreiche Institutionen angesiedelt haben, welche die Digitalisierung auch aus wissenschaftlicher Sicht begleiten können. Allen voran die TUM, die Technische Universität München, wird das Audi-Werk als Reallabor für ihre Heilbronner Dependance nutzen können. Damit kann die Digitalisierung von Produktion und Logistik in der Automobilindustrie möglicherweise zum zweiten großen Forschungsschwerpunkt der TUM in Heilbronn neben den Familienunternehmen werden.
Dieser Text stammt aus der jüngsten Ausgabe der Wirtschaftsstimme. Sie widmet sich den Themen Digitalisierung sowie Wandel der Berufsbildung.



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