Unternehmer Reinhold Würth gibt tiefe Einblicke in sein Privatleben
Der Hohenloher Unternehmer verrät im Gespräch mit Jonas Weyrosta, wie er die Endlichkeit alles Irdischen vor Augen hat, was die Familie zusammenhält und wie die Kindheit vor rund 80 Jahren aussah.

Der Junge aus Künzelsau bekam von seiner Mutter auch mal eine an die Backen, wenn er sich in seinem Hohenloher Dialekt nicht korrekt ausdrückte. Es war in 1940er Jahren. Der Krieg und der Kampf ums Überleben verlangten den Menschen viel ab. In einem ruhigen, kurzweiligen Gespräch mit dem Stuttgarter Journalisten Jonas Weyrosta gibt der 88-jährige Reinhold Würth Einblicke in das, was ihn formte, woran er glaubt und was er für die Zukunft erwartet.
Kinderarbeit? Gab es nicht.
Es ist ein ruhiges Gespräch. Weyrosta schafft es, am Ball zu bleiben und trotzdem viele Themen anzusprechen. Reinhold Würth hat gerade sein 75. Arbeitsjahr begonnen. Wer zurück rechnet bemerkt, dass die Jugend nicht allzu lang unbeschwert blieb. Mit zehn Jahren sei er schon viel im Betrieb gewesen. "Den Begriff Kinderarbeit kannte man damals überhaupt nicht."
Der Einfluss seiner Mutter Alma ist dabei ein besonders wichtiges Thema an diesem Mittwochabend im Carmen-Würth-Forum. Sie sei die treibende Kraft gewesen, die ihren Mann Adolf drängte, sich selbstständig zu machen. "Insofern verdanken wir final die Existenz des heutigen Unternehmens meiner Mutter", sagt Reinhold Würth.
Reinhold Würth: Familientag einmal im Jahr ist Pflichttermin
Würth, der Familienmensch. Von Ausflügen mit seiner Frau Carmen erzählt er. Die Zeit mit seinen Enkeln bedeute ihm viel. Und es gibt auch ein paar Fixpunkte, etwa den Familientag einmal im Jahr. "Der ist Pflicht. Wer nicht kommt, der verliert gewisse Destinatärleistungen", erzählt der Unruheständler. Destinatärleistungen sind die Zuwendungen aus der Familienstiftung. Doch er nutze diese Möglichkeit nur moderat. Das werde eher beschmunzelt in der Familie, so Würth.
"Dürfen wir Sie uns als glücklichen Menschen vorstellen?", fragt Weyrosta. Es ist eine dieser Fragen, die Würth nicht so recht beantwortet, obwohl man auch nicht das Gefühl hat, dass er unglücklich ist. Er sei dankbar, sagt Würth. Und ihm tue nichts weh. Die Gesundheit mache mit.
Würth fürchtet den Einlassstopp für Reiche am Himmelstor nicht
Es sind andere Kategorien, die ihm wichtig sind, und auch darauf kommen die zwei noch zu sprechen. Mit Hinweis auf das Gleichnis vom Kamel und dem Nadelöhr fragt Weyrosta, ob Würth als reicher Mensch Angst vor einem "Einlassstopp" am Himmelstor habe. "Die Frage ist, was ist Reichtum?", antwortet Würth.
Diese negative Art des Reichtums könne man auch im Kopf haben, etwa die Arroganz. "Sie können sich selbst überhöhen." Er würde "das Geld mal beiseite lassen" und das Gleichnis so interpretieren, dass man durchs Nadelöhr schon durchpasst, wenn man bescheiden ist. Dass die Seele den irdischen Tod überlebt, darauf hofft der Unternehmer jedenfalls.
Was Reinhold Würth von den Klimaprotesten hält
Die aktuellen Streitthemen lässt Weyrosta nicht aus. Gefragt nach seiner Haltung zu den Protesten von jungen Klimaschützern sagt Würth: "Das kann ich schon verstehen." Weyrosta bleibt dran: "Der Protest hat sich auch schon gegen wohlhabende Menschen gerichtet. Wie würden Sie reagieren?" Für Reinhold Würth eine einfache Sache: "Ich würde mich nach Recht und Gesetz bewegen." So befindet er etwa, Sachbeschädigung bleibe Sachbeschädigung, punktum. Auch hier gelte: "Mit Maß und Ziel."
Letztlich aber, das hält auch Reinhold Würth fest, sei das Wachstum nicht unendlich. Dem Werden, dem Sein und dem Vergehen, dieser Logik unterliege alles auf der Welt. Große Dynastien und Weltreiche seien untergegangen. "Und so vertrete ich auch die These, dass auch mein Unternehmen nicht ewig leben wird." Doch eine Weile, da ist er zuversichtlich, werde es die Würth-Gruppe mit ihren mehr als 87 000 Mitarbeitern schon noch geben. Dafür seien die Weichen gestellt.
Buchtipp
Aus zahlreichen langen Gesprächen zwischen Journalist und Autor Jonas Weyrosta und dem Unternehmer Reinhold Würth entstand das Buch "Was die Welt zusammenhält" über Krieg und Frieden, Familie und Liebe sowie Glaube und Zweifel. Das Buch erschien im Frühjahr im Swiridoff Verlag und kostet 18 Euro.
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