Stimme+
Region
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Region Heilbronn will in die Wasserstoff-Bundesliga

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Das Land sucht eine neue Modellregion für grünen Wasserstoff. Das von der Dieter-Schwarz-Stiftung geförderte H2Innovationslabor will Wirtschaft und Wissenschaft zusammenbringen und sich um die Millionenförderung bewerben.

In Nordfriesland soll künftig mit Windkraft Wasserstoff für die Nutzung in Fahrzeugen und Betrieben hergestellt werden. Ähnlich könnte es in der Region Heilbronn laufen.  
Foto: dpa
In Nordfriesland soll künftig mit Windkraft Wasserstoff für die Nutzung in Fahrzeugen und Betrieben hergestellt werden. Ähnlich könnte es in der Region Heilbronn laufen. Foto: dpa  Foto: Carsten Rehder

Jetzt klotzt Baden-Württemberg beim Thema Wasserstoff. Ein zweistelliger Millionenbetrag – von mehr als 30 Millionen Euro war bereits die Rede – sind für den Aufbau einer Modellregion in Aussicht gestellt. Wer in den Genuss einer Förderung dieser Größenordnung kommt, wird bei dem Thema bundesweit mit an der Spitze stehen. Gut stehen die Chancen von Regionen wie Ulm, Mannheim, Karlsruhe oder Oberrhein. Gerade rechtzeitig kommt da die von der Dieter-Schwarz-Stiftung geförderte Wasserstoff-Initiative für den Raum Heilbronn.

Reallabor-Ansatz: Ideen sollen schnell umgesetzt werden

Die Idee für das H2Innovationslabor - so der etwas sperrige Name der neuen Initiative - ist älter als die Aussicht auf die Fördermillionen. Als sich vor einem Jahr Fraunhofer- und Steinbeis-Institut zur Technischen Universität München (TUM) auf dem Bildungscampus gesellten, da kam Bernd Bienzeisler, dem Leiter des Forschungs- und Innovationszentrums Kognitive Dienstleistungssysteme am Fraunhofer-Institut, der Gedanke, ein erstes gemeinsames Projekt zu Wasserstoff - chemisch H2 - anzustoßen. Der Namensbestandteil "Labor" rühre her vom Reallabor-Gedanken. "Es geht darum, Ideen jetzt auf die Straße zu bringen", sagt Bienzeisler.

Dazu sollen Wirtschaft und Wissenschaft vernetzt werden. Die Institute, Hochschule Heilbronn und TUM vertreten die Wissenschaft. Der Brückenschlag zur Wirtschaft soll mit Patrick Dufour, dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn (WFG) und Geschäftsführer des Technologie-Transfer-Zentrums Lampoldshausen, gelingen.

Digitalisierung ist das große Thema

Das DLR und die Zeag/HNVG sind mit ihrem Wasserstoff-Projekt H2orizon in Lampoldshausen bislang die zentralen Akteure, daneben gibt es noch zahlreiche kleinere und größere Firmen, die mit oder an Wasserstofftechnik arbeiten. Mit der Wasserstoffstrategie des Bundes ist die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit überregionaler Entscheider groß - bundesweit und auch in Baden-Württemberg. Hier gibt es bereits eine chemische Industrie, die mit grauem Wasserstoff arbeitet, es gibt zahllose Projekte vom Wasserstoff-Zug bis zur Produktion grünen Wasserstoffs am Rhein. Im Raum Heilbronn ist mit dem jüngsten Zuschlag für die Millionenförderung des Wasserstoff-Projekts beim DLR ein Coup gelungen, auf den man aufbauen will.


Mehr zum Thema

Die alte Tankstelle vor dem DLR-Forum ist außer Betrieb. Bald schon soll am Standort aber Wasserstoff gezapft werden können.  Foto: Gleichauf
Stimme+
Hardthausen
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

16 Millionen Euro für innovative Art der CO2-Vermeidung


Die Modellregion, die das Land nun ausrufen will, soll zeigen, dass grüner Wasserstoff wirtschaftlich genutzt werden kann. Mit der wissenschaftlichen Begleitung durch das H2Innovationslabor wird die Digitalisierung konsequent mitgedacht. "Wir sind ja keine Institute, die Grundlagenforschung im Bereich der Wasserstofftechnologie betreiben", so Bienzeisler, der besonderes Interesse an den Schnittstellen zwischen technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen hat. Die TUM kümmert sich um die Wirtschaftsinformatik bei dem Thema. Für die Hochschule Heilbronn sind Verkehrsbetriebswirtschaftsprofessor Tobias Bernecker und das Kompetenzzentrum Logwert mit dabei.

Wichtig sei jetzt, in der Region eine zentrale Anlaufstelle für den Wasserstoff zu schaffen, für Firmen und für andere Interessenten. Ein Ort, wo man sich austauschen kann. Das Projekt ist vorerst befristet bis Frühjahr 2021, die Finanzierung der Dieter-Schwarz-Stiftung deckt den Mehraufwand fürs Personal bei den Partnern. Bis dahin sollen aber auf jeden Fall einige Förderanträge gestellt werden.

Initiative könnte zum institutionalisierten Bündnis werden

Doch diese Zeit wird nicht ausreichen, davon sind die Verantwortlichen überzeugt. Vielleicht gehe die Initiative dann in einen Verein, einen Verbund oder ein irgendwie institutionalisiertes Bündnis über, hoffen die Wissenschaftler.

Die vier Institute arbeiteten schließlich erstmals in dieser Breite zusammen. Dass sie alle in Heilbronn auf dem Bildungscampus angesiedelt sind, sei unglaublich wertvoll, betont Felix Zimmermann vom Fraunhofer-Institut. "Wenn sich da irgendein Institut aus Stuttgart bei den Firmen hier melden würde, wäre kaum mit der gleichen Offenheit zu rechnen.

 

Hoffen auf Politik und Wirtschaft
Auf Audi hofft die Initiative H2Innovationslabor. "Ohne das Zugpferd wird es wohl nicht gehen", sagt Koordinator Bernd Bienzeisler. Zahlreiche Gespräche mit potenziellen Mitstreitern wurden in den vergangenen Wochen geführt. Hoffnung ruht auch auf Landrat Detlef Piepenburg, der seine Kontakte weiterhin nutzen könnte, um Fördermittel in die Region zu holen - zuletzt war er erfolgreich mit den 16 Millionen Euro des Wirtschaftsministeriums für das Projekt Zero Emission, mit dem das Testzentrum des DLR in Lampoldshausen bis 2025 weitgehend CO2-frei betrieben werden soll. Die Ausschreibung für die neue Modellregion läuft bis Ende dieses Jahres.

Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben