Nach Insolvenz: Erwin Paulus kann Millionen nicht an Investoren zurückzahlen
Der Unternehmer haftet privat für die Millionen, die für seine inzwischen insolvente Paulus Wohnbau GmbH über das Crowdfunding eingesammelt wurden – und kann sie nicht zurückzahlen.

Es ist eine Wendung, die manchen überraschen dürfte: Obwohl die Paulus Wohnbau eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ist, ist nun der ehemalige Gesellschafter Erwin Paulus auch privat mit finanziellen Forderungen in Millionenhöhe konfrontiert.
Die Investorenplattform Zinsbaustein.de verlangte im Auftrag ihrer Anleger über eine Gerichtsvollzieherin 2,5 Millionen Euro. Dieser Forderung zur Zahlung sei Paulus nicht nachgekommen, erklärt Zinsbaustein-Geschäftsführer Markus Kreuter. Nun ist das zuständige Gericht wieder am Zug.
Nach Insolvenz von Paulus Wohnbau: Unternehmer haftet persönlich
Der Unternehmer hat offenbar so sehr an den Erfolg seiner Bauprojekte geglaubt, dass er dafür ins Risiko gegangen ist und persönlich für die Darlehen der sogenannten Crowdinvesting-Anleger haftete. Für die Anlagesumme von fünf Millionen Euro gab er ein "notarielles, abstraktes Schuldanerkenntnis" ab.
Die Besonderheit: Diese Form der Verbindlichkeit bedarf – im Gegensatz beispielsweise zu einer Bürgschaft – keiner weiteren Aktivität zur Erlangung der Zahlungsaufforderung mehr. Fällt der eigentliche Schuldner aus, hier die Paulus Wohnbau GmbH, dann können die Gläubiger das Geld direkt beim Schuldner einfordern, der die Forderung besichert hat. In diesem Fall Erwin Paulus.
Es geht um mehr als sechs Millionen Euro
Diesen schnellen Weg wählte Zinsbaustein nun. Die ZBS Investment GmbH & Co. KG als die Sicherheitentreuhänderin für die Anleger wurde aktiv. Gemeinsam mit der Rechtsanwaltskanzlei GSK Stockmann in München machte sie die Forderungen geltend. "Wir sind da unseren Anlegern verpflichtet, und in deren Auftrag handeln wir", erläutert Kreuter. Eine vollständige Rückzahlung durch Paulus Wohnbau sei so gut wie ausgeschlossen gewesen.
Die 2,5 Millionen Euro sind im Übrigen nur ein Teil der Gesamtforderung, weil erst ein Teil der Anleger von einem vorzeitigen Kündigungsrecht Gebrauch gemacht hat. Inklusive der Zinsen müsste Paulus 6,2 Millionen Euro an die Anleger zurückbezahlen.
Anwalt Silcher: "Der Mann verliert wohl sein gesamtes Hab und Gut"
Die Forderung hat Erwin Paulus bis Ablauf der Frist nicht beglichen, wie auch sein Anwalt Erwin Silcher aus Heilbronn bestätigt. "Erwin Paulus hat nicht das Geld, um die sechs Millionen zurückzubezahlen." Silcher hat aus rechtlicher Sicht am Vorgehen von Zinsbaustein nichts zu beanstanden.
"Fraglich ist, ob man einen normalen Menschen so etwas unterschreiben lassen sollte", sagt Silcher. "Der Mann verliert jetzt wohl sein gesamtes Hab und Gut", sagt er über Erwin Paulus. Kreuter betont, Zinsbaustein habe auf die persönliche Haftung durch Erwin Paulus bei Abschluss des Vertrags gedrängt. "Wir möchten unsere Kunden bestmöglich gegen einen Zahlungsausfall schützen. Wie sich jetzt zeigt, war das sehr wichtig." Vorausgesehen habe Zinsbaustein die Schieflage von Paulus Wohnbau allerdings nicht. "Wir waren sehr überrascht, als wir davon erfahren haben."
Stillstand auf den Baustellen: Nächstes Jahr könnte es weitergehen
Auf den Baustellen steht weiterhin alles still. Ein Handwerker, der für mehrere Projekte beauftragt war, hat noch keine Signale von Banken oder Insolvenzverwalter vernommen. "Wir wissen nichts." Dem Vernehmen nach könnte aber Bewegung in die Projekte kommen, wenn es gelingt, die Paulus Wohnbau GmbH aus der Insolvenz herauszuholen und weiterzuführen. Im neuen Jahr könnte es so weit sein. Die Verhandlungen seien weit gediehen.
Erwin Paulus, der 50 Prozent an der Paulus Wohnbau hielt, ist mittlerweile nicht mehr Gesellschafter der GmbH. Nach der Insolvenz hat er seine Anteile an seine Tochter Meike abgetreten, wie aus einer Mitteilung im Handelsregister hervorgeht. Damit seien aber keine Vermögenswerte übertragen worden, erklärt Anwalt Silcher. "Es sollte nur die Handlungsfähigkeit unter den Gesellschaftern bewahrt werden. Die übertragenen Anteile sind in so einem Fall nichts wert."
Was es mit dem Crowdinvesting auf sich hat
Für mehrere Projekte hatte die Paulus Wohnbau in der Vergangenheit das sogenannte Crowdinvesting über die Plattform Zinsbaustein.de genutzt, um fehlendes Eigenkapital durch Geld von Privatanlegern zu ersetzen. Mehrfach ging das gut. Zur Finanzierung der Paulus Wohnbau gab es dann ein Crowdfunding über fünf Millionen Euro über drei Jahre, bei einer Verzinsung von sieben Prozent pro Jahr. So kommt die Forderung von mehr als sechs Millionen Euro zustande.
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