Paulus-Wohnbau aus Pleidelsheim wohl doch vor dem Ende
Amtsgericht Ludwigsburg beendet das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung und bestellt einen Insolvenzverwalter. Der wird sich jedes einzelne Projekt genau anschauen. Für die vielen Crowdfunding-Anleger gibt es wenig Hoffnung.

Die Paulus Wohnbau GmbH aus Pleidelsheim könnte jetzt doch vor dem Ende stehen. Dem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung standen offenbar mehrere Gläubiger kritisch gegenüber, sodass das Amtsgericht Ludwigsburg nun eine Überleitung in die Regelinsolvenz veranlasst hat. Vorläufiger Insolvenzverwalter ist Holger Leichtle von der Kanzlei Görg, der als Sachwalter zuvor den Betrieb und die bisherige Geschäftsführung überwacht hat.
Kunden hatten bei Paulus-Wohnbau Anzahlungen für ihre Bauprojekte geleistet
Ein Sprecher der Kanzlei Görg erklärt: Ziel des Insolvenzverwalters sei nun, die Interessen der Gläubiger so gut es geht zu schützen. Und Gläubiger gibt es viele. Zum einen sind in den 19 offenen Projekten des Bauträgers zahlreiche Banken und Handwerker finanziell betroffen. Zum anderen gibt es private Gläubiger in großer Zahl.
Kunden hatten Anzahlungen für ihre noch nicht fertiggestellten Wohnungen geleistet, in Einzelfällen möglicherweise auch über das vertraglich geforderte Maß hinaus. Außerdem hatte Paulus Wohnbau über die Crowdfundig-Plattform Zinsbaustein.de mehrere Millionen Euro eingesammelt. Kapital, das mit fünf bis sieben Prozent verzinst zurückgezahlt werden sollte.
Anleger müssen wohl 90 Prozent ihres Geldes abschreiben
Mehr als 1000 dieser Anleger müssen jetzt um ihr Geld zittern. Wie die "Stuttgarter Zeitung" kürzlich berichtete, ist davon auszugehen, dass etwa 90 Prozent dieses Geldes abgeschrieben werden muss - ein Wert nahe am Totalverlust, den der bisherige Geschäftsführer Erwin Paulus auch unserer Zeitung gegenüber als äußerst unwahrscheinlich bezeichnet hatte.
Vertrauensbonus als ehemaliger Bürgermeister
Erwin Paulus war bis 1998 Bürgermeister von Pleidelsheim und hatte damit einen großen Vertrauensbonus bei seinen Kunden, wie auch Zuschriften an unsere Zeitung dokumentieren.
Inwieweit er für die Pleite nun mit verantwortlich sein könnte, geht aus dem Statement des Insolvenzverwalters nicht hervor. Er nennt Materialengpässe und drastische Preissteigerungen als Hauptursachen für die Zahlungsunfähigkeit. Zudem hätten sich potenzielle Käufer angesichts der gestiegenen Zinsen zurückgehalten.
Trotzdem könnten Paulus-Projekte noch zu Ende gebracht werden. Rechtsanwalt Leichtle geht davon aus, "dass mehrere Bauprojekte wirtschaftlich rentabel sind und abgeschlossen werden können". Er werde jedes Projekt individuell anschauen und nach fairen Lösungen für alle Beteiligten suchen.
Damit ist offen, welche Projekte möglicherweise auch aufgegeben werden. Erwin Paulus hatte sich unserer Zeitung gegenüber kürzlich noch optimistisch gezeigt, dass die begonnenen Vorhaben im Heilbronner Raum gute Chancen haben.
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