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Mulfinger Ventilatorenbauer
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Nicht nur EBM-Papst wartet darauf: Wann läuft die Wärmepumpe wieder an?

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Klaus Geißdörfer, Chef des Mulfinger Ventilatorenherstellers, spricht über die Auswirkungen der Rezession und unklare politische Entscheidungen. Trotzdem investiert EBM-Papst kräftig weiter.

Es soll bald wieder rundlaufen: Mit Ventilatoren in allen Varianten verdient EBM-Papst sein Geld. Doch gerade die Zukunftsfelder Gebäudetechnik und Wärmepumpe machen derzeit Probleme.
Foto: dpa
Es soll bald wieder rundlaufen: Mit Ventilatoren in allen Varianten verdient EBM-Papst sein Geld. Doch gerade die Zukunftsfelder Gebäudetechnik und Wärmepumpe machen derzeit Probleme. Foto: dpa  Foto: Christoph Schmidt

Einmal im Monat spricht Klaus Geißdörfer mit seinen 140 wichtigsten Managern in aller Welt. An diesem Mittag hat der EBM-Papst-Chef wohl nicht viel Gutes zu verkünden. In Europa sehe es nicht gut aus, erzählt er kurz vor dem Termin im Gespräch mit unserer Redaktion. In China lässt das Geschäft nach. Wenigstens Asien und USA laufen. Investiert wird trotzdem. Aber er sagt auch: "Es ist keine gute Zeit."

Dabei hat sich EBM-Papst in den zwei Jahren unter seiner Führung konsequent auf die Zukunftsmärkte konzentriert, geht aus dem schlecht kalkulierbaren Geschäft mit Automotive raus. Doch jetzt? "Was wir sehen, ist eine große Unsicherheit in Deutschland, in Europa, durch die politischen Entscheidungen, die getroffen werden", sagt Geißdörfer.

Ventilatorenhersteller EBM Papst: Nachfrage nach Wärmepumpen schlagartig eingebrochen

EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer feiert nächste Woche seinen 50. 
Foto: EBM-Papst
EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer feiert nächste Woche seinen 50. Foto: EBM-Papst  Foto: CHRISTOF WOLF

Bestes Beispiel: die Wärmepumpe. Bis Juli konnte sich der Mulfinger Ventilatorenbauer kaum retten vor Aufträgen für die Lüfter in den Geräten. "Dann, schlagartig, kauft kaum noch jemand eine Wärmepumpe, weil die Förderung unklar ist und sie jetzt mit der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts erst recht infrage gestellt wird."

Bei den Gebläsen für Gasheizungen sieht es kaum anders aus. Nach der Energiekrise und infolge des Heizungsgesetzes brach die Nachfrage ein. Kurzarbeit am Standort Landshut ist die Folge. Auch die Heizungsbauer könnten momentan nicht einschätzen, wie sich Gas und Wärmepumpe weiter entwickeln. Es sehe aber so aus, als ob jetzt vorerst vor allem wieder Gas gefragt ist. Verrückte Welt.

 


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Die Digitalisierung bringt die größten Vorteile

In wenigen Tagen feiert Geißdörfer seinen 50. Geburtstag. Im Unternehmen gibt es - trotz vieler positiver Entwicklungen - mit Blick auf Europa nicht viel zu feiern. Schwierig geworden ist auch das Geschäft mit der Gebäudebelüftung. Mit dem Einbruch am Bau steht vor allem der sonst in diesem Bereich sehr starke deutsche Markt still. Bleibt nur der "Retrofit", also der Ersatz bestehender Komponenten oder Geräte, wie Geißdörfer betont, und die Digitalisierung.

"Kommen Sie mal mit", sagt der EBM-Papst-Chef und geht an seinen Schreibtisch. Auf dem Monitor ist ein sogenanntes Dashboard zu sehen: der Standort Mulfingen aus der Luft, und auf den Dächern die Lüftungsanlagen, deren aktuelle Leistung mit einem Klick abgerufen werden kann. "Wir haben gerade die fünf Jahre alten Lüfter ersetzt. Und nur durch die neue Technik sparen wir schon neun Prozent Strom ein." Dazu komme aber noch, dass es nun möglich ist, fehlerhafte Programmierungen zu erkennen, die unnötigen Stromverbrauch etwa am Wochenende verursachen. "So spart man dann unter dem Strich bis zu 25 Prozent - noch ohne KI, die kommt noch." Die Investition amortisiere sich innerhalb von drei Jahren.

 


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Gute Laune zu früher Stunde: Roland Schwab hat um 3.12 Uhr den Motor seines Busses gestartet. Bis 4.45 Uhr fährt er 15 Haltestellen an und setzt am Ende pünktlich die Mitarbeiter auf dem Gelände von EBM-Papst in Mulfingen ab. 
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Auf zur Frühschicht: Nächtliche Sternfahrt zu EBM-Papst


 

Investitionen bei EBM-Papst auf Rekordniveau – Singapur wird neue Asien-Zentrale

Apropos Investitionen. Investiert wird auch bei EBM-Papst weiter, sogar auf Rekordniveau – wenn auch nicht ganz so viel wie geplant. Sowohl in Deutschland, wo ein Großprojekt in Mulfingen gerade vor dem Abschluss steht, als auch in den USA und in Indien. Angesichts der unklaren Lage in China kommt Indien jetzt eine neue Rolle zu.

30 Millionen Euro werden dort für ein neues Werk investiert, das den asiatischen Markt versorgen soll. Nächstes Jahr wird mit dem Bau begonnen. In Singapur wird ein neues "Air Technology Hub" eröffnet, ein Lüftungstechnikzentrum. Der Standort fungiert künftig als Asien-Zentrale. In den USA soll das kürzlich in Betrieb genommene Werk in Telford noch einmal gespiegelt werden. Die Höhe der Investitionen steht noch nicht fest. 30 Millionen Euro kostete der vor einem Jahr eingeweihte erste Abschnitt. Immerhin: Das Geschäft mit Rechenzentren läuft. Einer der Lichtblicke derzeit.

Erst einmal durch die Saure-Gurken-Zeit

Mittelfristig soll der Umsatz wieder steigen. "Gemeinsam Zukunft machen" ist die Unternehmensstrategie überschrieben, die seit einem Jahr verfolgt wird. Nachhaltige und intelligente Lösungen stehen im Fokus. Doch erst einmal muss EBM-Papst durch die Saure-Gurken-Zeit. Die Mitarbeiterzahlen werden tendenziell sinken. In dem Familienunternehmen sollen Kündigungen vermieden werden. Im Ausland mussten erste Leiharbeiter gehen.


Neues Bündnis für Arbeit

Das derzeit juristisch umstrittene Bündnis für Arbeit mit 1,5 Stunden mehr Wochenarbeitszeit will EBM-Papst im nächsten Jahr neu auflegen: "Wir werden das so hinkriegen, dass es für uns alle passt", erklärt EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer. Es sei damals auch zur Standortsicherung gedacht gewesen. Jetzt geht es darum, die Interessen des Unternehmens und der Mitarbeiter auszutarieren.

Geißdörfer hofft, dass die Tarifabschlüsse nicht zu hoch ausfallen. Es drohe sonst der Eintritt in eine Lohn-Preis-Spirale. Besser seien Entlastungen von niedrigen und mittleren Einkommen.

Die Vorstöße der IG Metall auch zum Thema Vier-Tage-Woche sieht er kritisch: "Irgendwann wird uns die verfügbare Arbeitszeit ausgehen in Deutschland und deswegen muss man da aufpassen." Er verweist dabei auch auf den demografischen Wandel: "Wenn dann dieser große Bauch der Bevölkerungspyramide, die keine mehr ist, in den Ruhestand rutscht, dann muss ja irgendwer deren Rente bezahlen." Und die Wirtschaft werde auch in Zukunft darauf angewiesen sein, genug Wertschöpfung zu erzielen.

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