Stimme+
Berlin/Stuttgart
Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Nach Schwäche droht der Einbruch am Bau

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

2022 wurden in Deutschland weniger Wohnungen als benötigt fertiggestellt. Jetzt dürfte die Lücke noch größer werden. Unterdessen kommt es in der Region zu einer Stornierungswelle im Wohnungsbau.

Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung von jährlich 400.000 neuen Wohnungen bleibt außer Reichweite.
Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung von jährlich 400.000 neuen Wohnungen bleibt außer Reichweite.  Foto: Bernd Wüstneck

Beim Wohnungsmangel in Deutschland ist vorerst keine Besserung in Sicht: Das ursprüngliche Ziel der Bundesregierung von jährlich 400.000 neuen Wohnungen bleibt trotz eines leichten Anstiegs klar außer Reichweite. 2022 wurden ungeachtet hoher Baupreise, knapper Materialien und gestiegener Zinsen 295.300 Wohnungen fertiggestellt - 0,6 Prozent mehr als 2021, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte.

Ökonomen warnen aber vor trüben Aussichten beim Neubau und sozialen Folgen. Auch wegen der Zuwanderung von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine bleibt der Wohnungsbedarf groß. Dieses Jahr rechnet die Baubranche mit höchstens 250.000 fertiggestellten Wohnungen. Im kommenden Jahr rechnet die Gewerkschaft IG BAU nur noch mit 200.000. Sie fordert ein Sondervermögen für den Wohnungsbau im Umfang von 50 Milliarden Euro.

 


Mehr zum Thema

Wer eine Immobilie kaufen will, muss wieder mit deutlich gestiegenen Zinsen rechnen.
Stimme+
Stuttgart/Region
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Baukrise als Chance für geförderten Wohnraum, auch in der Region


Förderprogramm soll Neubau von Einfamilienhäusern ankurbeln

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) kündigte an, den Neubau von Einfamilienhäusern mit einem neuen Förderprogramm anzukurbeln. Den leichten Anstieg bei der Zahl neugebauter Wohnungen im vergangenen Jahr bewertete sie positiv. "Der Bau bleibt auch in der Krise stabil", sagte Geywitz.

Was die Zahlen nicht berücksichtigen: 50 Prozent der Wohnungsbauunternehmen im Südwesten bewerteten in der Frühjahrsumfrage der Bauwirtschaft Baden-Württemberg ihre Situation als schlecht. Die meisten wollen angesichts des Fachkräftemangels zwar ihre Beschäftigten halten, doch ob sie dazu in der Lage sind, scheint unsicher. Zu Jahresbeginn brachen die Baugenehmigungszahlen für Ein- und Zweifamilienhäuser um ein Drittel ein. Insgesamt gingen die Genehmigungen im Wohnungsbau im ersten Quartal um ein Viertel zurück.

 


Mehr zum Thema

Dem Bäckerhandwerk fehlt der Nachwuchs. Die Zahl der angehenden Bäcker und angehenden Bäckereifachverkäufer ging im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 11 Prozent zurück.
Stimme+
Heilbronn
Hinzugefügt. Zur Merkliste Lesezeichen setzen

Regionales Handwerk beklagt dramatischen Personalmangel


Stornierungswelle im Wohnungsbau

Auch Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken und selbst Bauunternehmer, sagt: "Die Nachfrage bei Neubauten ist dramatisch eingebrochen." Bauvorhaben würden vom Markt genommen, geplante Bauvorhaben reihenweise storniert und begonnene Bauten gestoppt, so Bopp.

Generell dürfte die Zahl der fertiggestellten Wohnungen abnehmen - "vor allem aufgrund der massiv gestiegenen Zinsen", erklärt Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Seit Monaten beobachtet das Ifo-Institut eine Stornierungswelle im Wohnungsbau.

Der Bund hatte im vergangenen Jahr die staatliche Neubauförderung gesenkt und energetische Auflagen erhöht. In Baden-Württemberg schlägt die Bauwirtschaft Alarm, weil die Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau zu knapp bemessen seien.

"Die Aufstockung des Fördervolumens um 36 Millionen Euro auf 463 Millionen Euro in diesem Jahr ist zwar ein positives Signal, kann die enorme Nachfrage aber nicht decken", sagt Holger Braun, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Externer Inhalt

Dieser externe Inhalt wird von einem Drittanbieter bereit gestellt. Aufgrund einer möglichen Datenübermittlung wird dieser Inhalt nicht dargestellt. Mehr Informationen finden Sie hierzu in der Datenschutzerklärung.

Einstellungen anpassen

 
Kommentare öffnen
Nach oben  Nach oben