Nach Wohnbau-Paulus-Pleite: Wohnungskäufern drohen schmerzhafte Verluste
Die Gläubiger des insolventen Bauträgers Paulus-Wohnbau aus Pleidelsheim stehen vor unangenehmen Entscheidungen: Investieren sie noch mehr Geld oder akzeptieren sie größere Verluste?
Nach der Insolvenz der Pleidelsheimer Paulus Wohnbau wird es zumindest für die Käufer von Wohnungen an der Heilbronner Wollhausstraße kein gutes Ende geben. Bei einem Treffen eröffnete die finanzierende Merkur-Privatbank die jetzt zur Entscheidung stehenden Möglichkeiten: Entweder alle Käufer akzeptieren 15 Prozent höhere Kaufpreise, oder die Objekte müssen versteigert werden - was einen noch höheren Schaden zur Folge hätte. Das zumindest war nach Informationen von Teilnehmern der Veranstaltung die Darstellung von Marcus Lingel, Chef und Gesellschafter der Merkur-Bank in München.
Auf Nachfrage unserer Zeitung bat Lingel um Verständnis, dass er mitten in der Verhandlung keine Informationen nach außen geben werde. Es brauche nun einige Zeit, bis sich alle Betroffenen mit ihren Banken und mit ihrem Rechtsbeistand besprochen haben. Sein Bestreben sei es, den Schaden für alle so klein wie möglich zu halten, aber dafür brauche es eine gemeinschaftliche Lösung.
Nach Firmenpleite bei Paulus Wohnungsbau: Suche nach neuen Investoren für Projekt in Wollhausstraße in Heilbronn
Ein Schritt zurück. In der Zusammenkunft hatte Bankchef Lingel offenbar erklärt, er gehe davon aus, dass der Insolvenzverwalter die bestehenden Verträge nicht erfüllen könne. Insolvenzverwalter Holger Leichtlev nahm auf Anfrage unserer Zeitung dazu keine Stellung. Die Kanzlei erklärte allgemein: "Unser Fokus liegt darauf, die Projekte fertigzustellen, wo dies möglich ist." Zum Stand einzelner Projekte könne man derzeit keine Auskunft geben.
Sollte es korrekt sein, dass das Projekt Wollhausstraße nicht unter den bisherigen Bedingungen fertiggestellt werden kann, dann sind die Alternativen offenbar mit größeren Verlusten oder Zugeständnissen verbunden. Bei der Suche nach einem neuen Investor müsse man davon ausgehen, dass die Käufer die Anzahlungen nicht in vollem Umfang zurückbekommen würden. Dazu kämen Nebenkosten etwa für bezahlte Grunderwerbssteuern, die nach mehr als zwei Jahren auch nicht erstattungsfähig wären.
Wohnbau-Projekt könnte noch fertig werden, allerdings mit deutlichem Aufpreis
Lingel warb deshalb für eine andere Variante. Jeder Käufer - in der Regel Privatleute, die die Wohnungen für sich oder Angehörige erworben haben - müsste demnach 15 Prozent Aufschlag auf den Kaufpreis akzeptieren. Auch die Bank würde finanzielle Zugeständnisse machen und das Risiko mitgehen. Eine Gesellschaft aus der Paulus-Gruppe, die nicht in die Insolvenz gegangen ist, soll den Bau und die Wohnungen dann fertigstellen. Das habe den Vorteil, dass auch die bisherigen Handwerker weitermachen könnten und somit eine Gewährleistung möglich sei.
Bei mehreren Käufern kam diese Variante aus einem Grund nicht gut an: Sie fürchten, dass das Projekt mit Paulus nicht zu einem guten Ende gebracht werden kann. Einige sprachen sich deshalb dafür aus, die Verluste zu realisieren und sich auf neue Projekte zu konzentrieren.
Lingel betonte den Angaben zufolge aber auch, dass er selbst ein großes Risiko dabei eingehe, weil er die Wohnungen, die bisher noch nicht verkauft worden sind, erst noch erfolgreich vermarkten müsse. Deshalb liege es auch in seinem Interesse, dass die Einheiten zügig fertig werden, in guter Qualität. So stehen nun allein bei diesem Heilbronner Projekt mehrere Dutzend Käufer ebenso wie die Bank vor der Frage, wie viel gutes Geld sie noch dem schlechten hinterherwerfen.
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