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Mercedes-Benz geht hochprofitabel in eine Zeit der Ungewissheiten

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Bilanz 2022: 20 Milliarden Euro Vorsteuergewinn bei 150 Milliarden Umsatz. Jetzt geht der Autohersteller in den Direktvertrieb, stellt bald sein neues Betriebssystem vor und ist sich doch bewusst, dass nicht alle Probleme ausgeräumt sind.

Selbstbewusst zurückhaltend: Finanzvorstand Harald Wilhelm (l) bei der Bilanzpressekonferenz von Mercedes-Benz neben Vorstandschef Ola Källenius.
Selbstbewusst zurückhaltend: Finanzvorstand Harald Wilhelm (l) bei der Bilanzpressekonferenz von Mercedes-Benz neben Vorstandschef Ola Källenius.  Foto: Christoph Schmidt

Der Premiumfahrzeughersteller Mercedes-Benz hat im vergangenen Jahr nach der Abspaltung der Truck-Sparte auch mit seinen Pkw und Vans abermals einen Gewinn von mehr als 20 Milliarden Euro gemacht. Unternehmenschef Ola Källenius sagte bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart: "Wir haben bewiesen, dass wir resilient sind in einem Umfeld, das sich ständig verändert."

Autos werden teurer

Mercedes hat es geschafft, sich bei fast allen Zahlen positiv weiterzuentwickeln. Ein im Verhältnis bescheidener Zuwachs von fünf Prozent beim Absatz mündete in ein Umsatzplus von zwölf Prozent auf 150 Milliarden Euro. Das liegt unter anderem an den gestiegenen Durchschnittspreisen der verkauften Autos. Seit 2019 sind sie um 43 Prozent nach oben, auf mittlerweile fast 73 000 Euro.

Die Fixkosten sind runter, auch die Belegschaft. Die Umsatzrendite liegt somit bei 14,6 Prozent. Diese Zahlen sind so gut, dass die weiteren Ziele trotz guter Aussichten für das laufende Jahr allesamt darunter gesteckt werden. 2023 soll der Konzernumsatz insgesamt auf Vorjahresniveau liegen, das Ergebnis vor Steuern und Zinsen leicht darunter.

Einmalprämien an ausgesuchte Lieferanten

Es hat im vergangenen Jahr eben vieles überraschend gut funktioniert. Die Entwicklung der Wechselkurse spülte zusätzliches Geld in die Kassen. Und auch wenn in den Lieferketten einige Flaschenhälse bleiben, so lief es zuletzt doch wieder recht gut.

Die Stuttgarter haben mit einigen Herstellern von Chips und Batteriematerialien auch direkt Verträge abgeschlossen sowie Einmalprämien an zentrale Zulieferer bezahlt, um Lieferengpässe zu vermeiden. Was die Halbleiterknappheit angeht, "sind wir noch aufmerksamer geworden", erklärte Källenius.

Die E-Mobilität wächst, auch bei Mercedes. Allerdings verkauft wich der EQS beispielsweise in China nicht so gut wie erhofft. 2022 legte der Absatz der vollelektrischen Modelle insgesamt um 67 Prozent auf fast 150 000 zu, in diesem Jahr soll sich diese Zahl noch einmal verdoppeln.

Luxus zieht auch bei den Vans

Stark sind auch die Vans unterwegs. Während Umsatzrenditen im zweistelligen Bereich bei Premiumfahrzeugen grundsätzlich angestrebt werden, hat Mercedes das im vergangenen Jahr auch bei Sprinter, Vito und Co. erreicht. Auch hier macht sich der Trend zu mehr Luxus bemerkbar, den vor allem Privatkunden wünschen. Es ist die große Linie: "Wir verkaufen mehr Top-End-Fahrzeuge", sagt Finanzvorstand Harald Wilhelm.

Allerdings müssen noch immer Zertifizierungsprobleme gelöst werden, um die S-Klasse vom Hof zu bekommen, die eigentlich längst bei den Händlern oder den Kunden sein sollte. Mercedes hatte vor kurzem als erster Hersteller weltweit in den USA die Freigabe für autonomes Fahren nach Level 3 erhalten, noch vor Tesla. Allerdings nur in Nevada. In anderen Bundesstaaten gestaltet sich das offensichtlich weiterhin schwierig.

Es bleiben also Ungewissheiten. Kritisch betrachtet der Mercedes-Chef weiterhin die EU-7-Norm. "Jeder möchte die Luftqualität verbessern", sagt Källenius. Doch einige Details der Vorgaben seien so streng, dass auch die besten Zulieferer keine technische Lösung dafür haben.

Jetzt soll wieder Schwung ins Geschäft

Der Auftragseingang in Europa habe sich etwas verlangsamt, aber der Bestand reicht offenbar für das erste Halbjahr. In den USA läuft es besser, in China wirkt der Covid-Effekt noch nach. "Wir erwarten aber, dass etwas Schwung in das Geschäft kommt", sagt Wilhelm.

Källenius kündigt außerdem eine "Revolution" an, die das Geschäft von Mercedes neben den anderen Transformationsthemen Elektrifizierung und Digitalisierung grundlegend verändern wird. "Wir werden das Direktvertriebsmodell in einigen europäischen und Überseemärkten einführen."

Dieses Jahr erfolge der große Schritt in Großbritannien und noch 2023 folge dann auch Deutschland. "Wir werden damit vom Groß- zum Einzelhändler." Es werde eine Kundenbeziehung vom Kunden direkt zum Hersteller geben, erklärt Källenius. "Das verändert natürlich das Geschäft."

Aktienrückkauf

Im März beginnt ein auf zwei Jahre angelegter Aktienrückkauf im Umfang von 4 Milliarden Euro. Für die Aktionäre wird eine Dividende von 5,20 Euro vorgeschlagen - nominell nur ein Plus von vier Prozent, doch vor einem Jahr trug Daimler Truck noch 40 Cent zu der Ausschüttung bei. Finanzvorstand Harald Wilhelm erklärte in diesem Zusammenhang auch, dass die chinesischen Großaktionäre BAIC und Geely unter zehn Prozent bleiben werden.

Mit neuer Technik geht es nächste Woche weiter: Am 22. Februar wird das neue MBOS vorgestellt, das selbst entwickelte Betriebssystem für die neuen Fahrzeuge.


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