Mercedes setzt das Machbare um
Mercedes-Benz zeigt auch bei zurückhaltender Perspektive, dass es einen Plan gibt, meint unser Autor. Und es gibt noch einen entscheidenden Vorteil.
Es wäre nicht ganz fair, VW und Mercedes mit Blick auf die Finanzkennzeichen zu vergleichen. Was die allgemeine Strategie angeht, werden die Wolfsburger aber zu·nehmend zerknirscht nach Stuttgart schauen. Dort funktionieren wichtige Vorhaben überraschend viel besser.
Beim autonomen Fahren ist Mercedes plötzlich an der Weltspitze, in der kommenden Woche wird das neue Betriebssystem MBOS vorgestellt. Derweil verabschiedet sich der Volkswagen-Konzern von einem großspurig angekündigten Ziel nach dem anderen.
Weniger Nebengeräusche
Ein weiteres Beispiel ist der Vertrieb. Mercedes entmachtet mit seiem Agenturmodell die Autohändler, setzt damit aber in erster Linie höhere Preise durch. Der Kunde mag dabei der Gelackmeierte sein, einige Händler aber könnten davon sogar profitieren, wenn Rabatte passé sind.
Auf jeden Fall erfolgt die seit längerem angekündigte Umstellung mit deutlich weniger Nebengeräuschen als bei der Konkurrenz. Klar, höhere Preise für eine S-Klasse lassen sich natürlich leichter durchsetzen als für einen VW Arteon - und derzeit auch als für einen Audi A8.
Dennoch: Bei Mercedes wachsen die Bäume nicht in den Himmel - auch das wird überzeugend kommuniziert. Notwendige Schritte kündigen die Stuttgarter allerdings nicht nur an, sondern gehen sie. Es zählt das Machbare. Dabei hilft die Liquidität, die bei VW in den vergangenen Jahren zu einem zu großen Teil im Abgasskandal versickert ist. Dennoch wäre genug übrig geblieben, um Großprojekte umzusetzen. Am Ende macht vielleicht die personelle Kontinuität bei Mercedes den entscheidenden Unterschied.
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