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Millionen-Investition
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Bei Wöhrle in Krautheim steht jetzt die größte Presse ihrer Art

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Der Stanzteilehersteller hat zum 100-Jährigen kräftig investiert. Die Transformation macht der Firma aus Wildberg Hoffnung auf deutlich mehr Geschäft.

Wöhrle möchte auf alle Anforderungen ein passendes Angebot machen können: Die 1000-Tonnen-Presse steht in einer eigens gebauten Halle.
Foto: privat
Wöhrle möchte auf alle Anforderungen ein passendes Angebot machen können: Die 1000-Tonnen-Presse steht in einer eigens gebauten Halle. Foto: privat  Foto: privat

Beim Stanz- und Umformspezialisten Wöhrle in Krautheim steht die erste und bisher einzige ihrer Art: Eine 1000-Tonnen-Presse, für die das Unternehmen aus Wildberg bei Calw gleich eine eigene Halle bauen ließ und dafür neun Millionen Euro hinlegte.

Im Sommer wurde alles zusammen eingeweiht und damit gleich noch die Feier zum 100-jährigen Bestehen nachgeholt, die wegen der Corona-Krise 2021 verschoben werden musste. "Draußen Jahrmarkt wie vor 100 Jahren, abends haben wir drinnen an der neuen Maschine die Zukunft gefeiert", erzählt Geschäftsführer Michael Fahrenbach.

200-Tonnen-Baby

Die Maschine, so betont der Chef, ist das Baby des Krautheimer Werkleiters Ulrich Reustlen. "Und eins, mit dem ich nicht nur neun Monate schwanger war", fügt Reustlen augenzwinkernd an. Gemeinsam mit dem Göppinger Pressen-Hersteller Schuler wurde sie entwickelt und im vergangenen August als 200-Tonnen-Schwertransport angeliefert. Allein das schon ein Abenteuer, wie Reustlen erzählt.

Durch eine "besondere Parametrierung" sei es mit der Presse sogar möglich, die Umformkraft auf 2000 Tonnen zu erhöhen. "Das gibt es sonst nirgends", sagt Reustlen. Besonders komplexe Produkte können so besonders präzise hergestellt werden, meist für die Automobilindustrie.

Es ist einer dieser berüchtigten Hidden Champions. Willy Wöhrle hat 1958 das Werk im Jagsttal in Betrieb genommen. Sein Vater Karl hatte das Unternehmen 1921 bei Schramberg gegründet, zog 1934 dann nach Wildberg. Karl-Herbert Wöhrle führte dann in dritter Generation den Betrieb, bis der Großteil des Unternehmens ab 1999 an ein sogenanntes Family Office verkauft wurde, um die Nachfolge zu gewährleisten.

"Unsere Gesellschafter sind aber weiterhin Vollblutunternehmer, die das Geld nicht aus der Firma ziehen", sagt Fahrenbach. So könne Wöhrle für alle großen Hersteller und Zulieferer weltweit tätig sein.

E-Auto braucht mehr Stanzteile als ein Verbrenner

Anfangs ging es bei Wöhrle vor allem um Unterlegscheiben, heute um Umformteile in allen Variationen. Für die "alte" Verbrennertechnik liefern die Wildberger beispielsweise Getriebeteile wie Mitnehmer- oder Schwungscheiben. Die neue E-Auto-Technik benötige vor allem Teile am Batteriegehäuse, fürs Thermomanagement. "Übrigens haben Verbrenner weniger Stanzteile als Elektrofahrzeuge", sagt Fahrenbach.

Deshalb ist das Unternehmen die Transformation zügig angegangen. Was die Kunden in drei oder vier Jahren benötigten, das wüssten sie selbst heute noch nicht.

Der Umsatz liegt bei rund 60 Millionen Euro. "Die 100 Millionen haben wir uns vorgenommen", sagt Fahrenbach. Darauf ist nun die Planung ausgelegt, die alle drei Werke in Wildberg, Krautheim und in der Slowakei weiter gut auslasten soll - jedes mit seiner Spezialisierung. In der neuen Krautheimer Halle ist zudem noch etwas Platz für Wachstum. 360 Mitarbeiter sind insgesamt beschäftigt. 140 jeweils in Krautheim und Wildberg, 80 in der Slowakei.

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