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Wenn der klassische Weg nicht funktioniert: KI als clevere Hilfe bei der Bewerbersuche

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Der Aufwand, offene Stellen zu besetzen, nimmt zu. Der Kamerahersteller IDS geht neue Wege, um neue Zielgruppen zu erreichen.

Personalchef Frank Flanderka und Sprecherin Silke von Gemmingen bei der Definition der "Persona", die für eine gesuchte Stellenbesetzung infrage kommt.
Personalchef Frank Flanderka und Sprecherin Silke von Gemmingen bei der Definition der "Persona", die für eine gesuchte Stellenbesetzung infrage kommt.  Foto: Christian Gleichauf

Der Bewerberflaute etwas entgegenzusetzen ist inzwischen die große Herausforderung für viele Mittelständler. Der Obersulmer Industriekamerahersteller IDS setzt deshalb unter anderem auf "Active Sourcing", also die aktive Ansprache potenzieller Kandidaten. Lisa Schmelcher ist seit sechs Jahren dafür zuständig und kommt immer dann ins Spiel, wenn der klassische Weg nicht funktioniert.

Immer auf der Suche nach den besten Leuten

Fündig wird sie in den unterschiedlichsten Ecken des Internets. Auf der Suche nach IT-Spezialisten etwa schaut sie auch in Foren und auf Software-Plattformen wie Stack Overflow und Github.

 


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"Teilweise kann man dort auch Profile von den Leuten anschauen, und wenn es zu passen scheint, dann schreibe ich sie auch an", erzählt Schmelcher. Sie ist sozusagen ein interner Headhunter.

Auch die Dienste externer Anwerber werden inzwischen genutzt. Ein professioneller Headhunter verlangt dabei schnell auch fünfstellige Summen. Eine neue Form nutzt IDS nun mit einem Dienstleister aus Niedersachsen, der sogenanntes KI-Recruiting anbietet.

"Der Erfolg bei unserem Testlauf war da", erzählt Personalchef Frank Flanderka. Für die Stelle eines IT-Systemadministrators gab es nach der dreiwöchigen Kampagne drei passende Kandidaten. "Wir konnten die Stelle besetzen."

 


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Der Dienstleister Alquimia selbst erklärt, dass in neun von zehn Fällen innerhalb von 72 Stunden Bewerbungen generiert werden, und das auch für Jobs, für die sich sonst nicht so schnell Interessenten finden.

Vorab wird die "Persona" definiert

Von selbst läuft die KI allerdings nicht, betonen die IDS-Personaler. "Es ist im Vorfeld schon deutlich mehr Arbeit", sagt Flanderka. Gemeinsam mit dem Fachbereich wird eine "Persona" definiert, ein Idealbild eines Kandidaten oder einer Kandidatin.

"Wir schauen, was zwingend erforderlich ist und was schön wäre, wenn...", sagt Lisa Schmelcher. Das dauere mehrere Wochen. Auch die Ansprache potenzieller Kandidaten wird gut vorbereitet. Das Marketing ist mit im Spiel.

Dann startet die Kampagne. Alquimia identifiziert mithilfe der Partner bei Facebook und Instagram Nutzer, die der "Persona" entsprechen. Sie werden über Anzeigen angesprochen und dürfen locker ein paar Fragen beantworten. Von Beginn an stellt sich dabei die IDS vor.

 


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Neue Zielgruppen ansprechen

"Der sprachliche Duktus ist ein anderer als sonst", sagt Silke von Gemmingen, Referentin Unternehmenskommunikation bei der IDS. Schließlich wolle man ja auch Zielgruppen ansprechen, die auf den üblichen Wegen nicht erreicht werden. Umgekehrt dürfe man sich als Arbeitgeber nicht auf eine Weise präsentieren, die falsche Vorstellungen weckt.

Die Angesprochenen können spielerisch ein paar Fragen beantworten. Wer bis zum Ende durchhält und dann auch noch zum gesuchten Profil passt, hat es fast schon geschafft und bekommt unkompliziert ein Interview. "So ganz ohne Lebenslauf funktioniert es allerdings trotzdem nicht", sagt Flanderka. Sonst dauere es einfach zu lang, bis alles abgefragt ist. Und so eine kleine Hürde zeige wohl auch, dass der Kandidat auch wirklich interessiert ist.

Ob es bei den nächsten Runden genauso gut funktioniert wie in der ersten, ist offen. Weiterhin gibt es Kontakt zu Ausbildungsstätten wie Hochschule Heilbronn und TUM, um an junge Absolventen zu kommen. "Wir wissen, dass wir in einer starken Region sind und damit in starker Konkurrenz", sagt Flanderka.

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