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Insolvenz von Paulus Wohnbau hat Folgen auch im Raum Heilbronn

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Der Pleidelsheimer Bauträger könnte auch Handwerker und andere Unternehmen mitreißen. Ungeschoren kommen auch Käufer der projektierten Wohnungen in Heilbronn und Eppingen nicht davon.

Ganz schön angegriffen ist nicht nur das Banner: An der Wollhausstraße in Heilbronn sollten Seniorenwohnungen entstehen. Vorerst wird nicht weitergebaut.
Ganz schön angegriffen ist nicht nur das Banner: An der Wollhausstraße in Heilbronn sollten Seniorenwohnungen entstehen. Vorerst wird nicht weitergebaut.  Foto: Christian Gleichauf

Schon seit einigen Monaten hängt das Werbebanner der Paulus Wohnbau GmbH angesengt an der Heilbronner Wollhausstraße. Jetzt bekommt das wohl auf Vandalismus zurückzuführende Bild symbolische Bedeutung: Paulus Wohnbau ist insolvent und hat ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet.

Gläubiger - darunter viele Wohnungskäufer - werden finanziell in Mitleidenschaft gezogen. Auch das Projekt in Heilbronn ist betroffen. Mit der Schieflage des Bauträgers könnte sogar ein Dominoeffekt ausgelöst werden, befürchtet der Heilbronner Anwalt Erik Silcher, der das Unternehmen vertritt.

 


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Insolvenz von Paulus Wohnbau hat Folgen für Wohnungen in Heilbronn

19 Projekte der Paulus Wohnbau sind von der Insolvenz direkt betroffen, erklärt Silcher im Gespräch mit der Heilbronner Stimme. Für die Hälfte davon sehe es "sehr gut aus", so der Rechtsanwalt. Für die andere Hälfte sei der Ausgang noch ungewiss. "Ich gehe aber nicht davon aus, dass alle Projekte zu Ende gebracht werden können."

Welche Bauten gute Chancen haben, verrät Silcher nicht. Gute Nachrichten gibt es nur für die geplanten Paulus-Wohnungen im zweien Bauabschnitt des Neckarbogens. Sie würden von einer anderen Gesellschaft ausgeführt und seien nicht betroffen.

Aus den "attraktiven Seniorenwohnungen" in Heilbronn wird so schnell nichts

Mit zahlreichen Banken müssen derzeit Gespräche geführt werden. Sie müssen wohl Zugeständnisse machen, damit die Vorhaben fertiggestellt werden können - auch der Bau an der Heilbronner Wollhausstraße/Herbststraße. Dort sollten unter anderem auf dem Gelände der ehemaligen Kilian Verpackungen 53 "attraktive Seniorenwohnungen" entstehen.

Der Komplex sollte im Frühjahr schon fertig sein, hatte sich aber verzögert. Jetzt steht erst einmal weiterhin alles still. "Im September geht es hoffentlich mit den ersten Projekten weiter", sagt Silcher. Das gilt auch für zwei Projekte in Eppingen. 

 


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Mitbetroffen sind auf jeden Fall Käufer von Wohnungen, die wie üblich Anzahlungen geleistet haben. Vor 20 Jahren hätten sie im Falle einer Insolvenz mit dem Schlimmsten rechnen müssen, erklärt Silcher. Inzwischen sind sie durch die sogenannte Freistellungserklärung der Banken zu einem größeren Teil abgesichert. Ohne Verluste werden aber wohl auch sie nicht aus der Beinahe-Pleite hervorgehen. 

Damit hier alles seine Richtigkeit hat, wird der Weiterbetrieb durch Rechtsanwalt Holger Leichtle von der Kanzlei Görg in Stuttgart kontrolliert.

Paulus Wohnbau schon 2021 nicht mehr profitabel

Laut Handelsregister machte die Paulus Wohnbau bereits 2021 einen Verlust von rund 4 Millionen Euro. Das sei allerdings noch nicht damatisch gewesen, weil einige buchhalterische Effekte gewirkt hätten, erläutert Silcher. Mehr als 100 Wohneinheiten habe das Unternehmen in dem Jahr immerhin noch verkauft.

Dann ging es allerdings rapide bergab. 2022 waren es noch 60, in diesem Jahr bisher nur zwei Verkäufe. Dadurch gebe es ein Liquiditätsloch. Viele Millionen Euro werden benötigt, um weiterzumachen.

Kommt jetzt der Dominoeffekt?

Auslöser der Schieflage seien Materialengpässe, die stark gestiegenen Baukosten und die Zurückhaltung der Käufer, auch aufgrund der gestiegenen Zinsen. "Paulus steht nicht alleine mit solchen Problemen", erklärt Erik Silcher. Der promovierte Jurist fürchtet: "Wir werden möglicherweise einen Domino-Effekt sehen." Auch Handwerker und Zulieferer würden nun in Mitleidenschaft gezogen. "Die Insolvenz könnte einige mitreißen."

Anwalt: Kein Zweifel an der Seriosität der Geschäftsführer

Dass viele verschiedene Geldgeber im Spiel sind, sei üblich, erklärt Silcher. "Wenn auf der Alb gebaut wird, dann wird mit den Volksbanken und Sparkassen dort vor Ort finanziert."

An der Seriosität der Geschäftsführung sei nicht zu zweifeln. Neben Daniel Schuster und Mike Schanta ist bis heute Erwin Paulus mitverantwortlich. Paulus war von 1982 bis 1998 Bürgermeister von Pleidelsheim. Gegründet wurde Paulus Wohnbau & Immobilien 1995 durch Paulus" Ehefrau Edith Paulus.

Heute beschäftigt die Gruppe rund 50 Mitarbeiter, bei der insolventen Paulus Wohnbau sind 37 davon angestellt. Sie sind derzeit nicht gekündigt und durch das Insolvenzausfallgeld abgesichert.

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