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Firmen aus der Region auf der Hannover-Messe: Was die Industrie nun braucht - und was nicht

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Kanzler Scholz sorgt bei der Hannover-Messe für Freude am Stand von EBM-Papst. Und der Lauffener Unternehmer Henrik Schunk übernimmt eine Vorreiterrolle beim Projekt Manufacturing X. Ansonsten wird auf der Industriemesse Deutschlands und Europas Rolle in der globalen Wirtschaft diskutiert.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (rechts) lässt sich am Stand von EBM-Papst über die Projekte und Produkte der Hohenloher aufklären.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann (rechts) lässt sich am Stand von EBM-Papst über die Projekte und Produkte der Hohenloher aufklären.  Foto: Gleichauf, Christian

Der Kanzler ist weg, und das Team der "Zukunftshelden" ist sichtlich erleichtert. Melanie Bildhoff, die gerade Olaf Scholz und dem indonesischen Staatspräsidenten Joko Widodo etwas über den neuen Turboverdichter aus dem Hause EBM-Papst erzählen durfte, lacht erleichtert, genau wie ihre Mitstreiter Kim Ziegler und Maximilian Chrzan. "Geschafft!"

Die Azubis haben lange auf diesen besonderen Tag hingearbeitet

Viele Monate hatten sich die 17 Azubis und DHBW-Studenten auf diesen Tag vorbereitet. Sie durften den gesamten Stand für die Hannover Messe gestalten, erhielten Zusagen von Kanzler Scholz (SPD), von Wirtschaftsminister Robert Habeck oder auch von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (beide Grüne). Das Projekt, gepaart mit den Themen Nachhaltigkeit und Effizienz der EBM-Papst-Produkte, trifft bei dieser Hannover Messe einen Nerv.


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Scholz wirbt für Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indonesien

Scholz ist nicht allein gekommen. An seiner Seite ist Joko Widodo, der Staatspräsident des diesjährigen Partnerlandes Indonesien. An Widodo gerichtet hatte Olaf Scholz bei der Eröffnungsfeier bereits erklärt, er erwarte einen "Schub" für die wirtschaftliche Zusammenarbeit der zwei Länder. "Der nächste logische Schritt der darauf folgen muss, ist ein Freihandelsabkommen zwischen Indonesien und der Europäischen Union." Dadurch würde ein gemeinsamer Wirtschaftsraum mit weit mehr als 700 Millionen Menschen entstehen.

Seit 2016 verhandeln die EU und der asiatische Inselstaat bereits. Scholz setze sich dafür ein, dieses Abkommen jetzt "über die Ziellinie" zu bringen. Indonesien werde auch dem offenen "Klimaclub" der G7, der sieben größten Wirtschaftsnationen, in wenigen Tagen beitreten und in wenigen Jahren die viertgrößte Volkswirtschaft Asiens sein.


Mit neuen Partnerschaften und auch weiteren Freihandelsabkommen, über die die EU derzeit verhandelt, möchte Scholz - das deutet er an - auch eine Antwort auf das belastete Verhältnis zu China finden. Eine Entkopplung von einzelnen Märkten wäre Scholz zufolge der falsche Weg. Weltweit würden Länder aber daran arbeiten, ihre riskanten Abhängigkeiten abzubauen. "Es ist ein Gebot der geopolitischen Entwicklungen", sagt der Kanzler.

Keine Geschäfte ist keine Option

Das "Decoupling" von China, das ist auf der Messe immer wieder zu hören, ist keine Option. Nicht einmal in den USA verfolge man diese Strategie noch ernsthaft. Der richtige Ansatz sei De-Risking, heißt es unisono von Politik und Wirtschaft: Das Risiko muss breiter gestreut werden. "Jetzt kein Geschäft mehr mit China zu machen, ich wüsste nicht, wem das helfen soll", sagt der Präsident des Industrieverbands BDI, Siegfried Russwurm.

Vor zwölf Jahren war die Hannover Messe Geburtsort für die Industrie 4.0, die mit Digitalisierung und Vernetzung neue Möglichkeiten eröffnet. Heute ist sie zwar in Teilbereichen Realität, teilweise musste die damalige Vision aber korrigiert werden. Vor allem im Mittelstand sind die Vorbehalte noch immer groß. Um diese zu durchbrechen, will die Industrie nun unter anderem mit der neuen Plattform Manufacturing X eine sichere Vernetzung ermöglichen.

Henrik Schunk (rechts) vom Lauffener Greiftechnikspezialisten Schunk übernimmt den Lenkungskreis Industrie 4.0. Neben ihm Frank Possel-Dölken.
Henrik Schunk (rechts) vom Lauffener Greiftechnikspezialisten Schunk übernimmt den Lenkungskreis Industrie 4.0. Neben ihm Frank Possel-Dölken.  Foto: Gleichauf, Christian

Der Lauffener Unternehmer und VDMA-Vizepräsident Henrik Schunk hat dazu am Montag für zwei Jahre den Vorsitz des Lenkungskreises Industrie 4.0 übernommen - dort wird Manufacturing X nun vorangetrieben.

Schunk wünscht sich einen europäischen Datenbinnenmarkt

"Wir möchten damit einen europäischen Datenbinnenmarkt schaffen", sagt Schunk im Gespräch mit unserer Redaktion. Er hofft dazu auf eine Förderung durch den Bund. 150 Millionen Euro sind vom Bundeswirtschaftsministerium fest vorgesehen. Wenn alles funktioniert, dürfte es bald schon ein Milliardenprojekt werden, erklärt der Leiter der Innovationsabteilung beim Greiftechnikspezialisten Schunk, Martin May.

Die Unterstützung der Politik ist dem Projekt sicher. Bundeswirtschaftsminister Habeck hatte zuletzt auch im Ausland dafür geworben. Die Verbände stehen dahinter. Sowohl der Präsident des Elektro- und Digitalverbands ZVEI, Gunther Kegel, als auch VDMA-Präsident Karl Haeusgen betonten in Hannover, welche Bedeutung diese neue Plattform hat.

Der gesamte Mittelstand soll mitmachen

Die Idee von Manufacturing X ist eine Art dezentrale Cloud, bei der Daten standardisiert gesichert bei den einzelnen Unternehmen liegen und mit anderen geteilt werden. Als Beispiel verweist er auf Sensordaten, die in der Produktion entstehen, und auf die andere Beteiligte zugreifen. 40 bis 50 Unternehmen sind bei Manufacturing X derzeit dabei. "Irgendwann soll der gesamte Mittelstand mitmachen", hofft May. Wenn die Finanzierung steht, dann könnten schon in anderthalb Jahren erste Pilotprojekte vorgestellt werden.

 
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