IHK fürchtet Beginn einer strukturellen Krise
Sparprogramme machen nicht einmal vor der Digitalisierung halt: Die sinkende Investitionsbereitsschaft der Unternehmen macht IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring besonders große Sorgen

Die Konjunktur in Heilbronn-Franken hat sich im zweiten Quartal spürbar verschlechtert, zeigt sich in der aktuellen Umfrage der IHK. Einhergehend mit einer Eintrübung der aktuellen Lage verlieren die Unternehmen in unserer Region zunehmend die Zuversicht, dass auf die Corona-Krise nun ein anhaltender Aufschwung folgt. Die Weltwirtschaft kühlt sich ab, und auch im Inland schwächelt die Nachfrage.
Erschreckende Zahlen, erschreckende Krise
IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring steigt mit einem Zitat des ehemaligen Wirtschaftsweisen Bert Rürup ein: "Was wir erleben, ist kein vorübergehender konjunktureller Abschwung, sondern eine strukturelle Krise." Der Satz gibt den Tenor der Konjunkturumfrage aus dem Juni vor.
Wie jedes Quartal hat die IHK Unternehmen aus Industrie, Bau, Handel und Dienstleistungen gefragt, wie sie ihre aktuelle Lage und die Aussichten beurteilen. Und diesmal waren die Antworten überraschend negativ. "Ich war über die Zahlen auch erschrocken", sagt Döring. Und: "Diese Krise ist erschreckend."
Das zeige sich beispielsweise an den Inlandsinvestitionen. "Da geht es letztlich um die Frage unseres künftigen Wohlstands." Die Saldo-Kurve geht nun deutlich ins Negative, von plus 10 auf minus 10 Prozent.
Fast überall erwarten die Unternehmen sinkende Investitionen: beim Ersatzbedarf, bei Kapazitätserweiterungen, bei Innovationen und sogar bei Digitalisierung und auch bei Umweltschutz und Energieeffizienz. Auch hier sieht Döring Chancen, wenn endlich die bürokratischen Hürden abgebaut würden.
Was die "Beschäftigungserwartung" bedeutet, ist nicht eindeutig
Das Bild in Heilbronn-Franken ist über die Region hinweg recht ausgewogen. Nachdem der Hohenlohekreis zuletzt eine Insel der Glückseligen zu sein schien, wo kein einziges Unternehmen mit einer schlechten Geschäftslage zurechtkommen musste, bewertet nun schon jedes zehnte Unternehmen die aktuelle Situation negativ.
Die Beschäftigungserwartung liegt nur beim Baugewerbe und bei den Dienstleistern noch im positiven Bereich. Industrie, Groß- und Einzelhandel fürchten einen gewissen Abbau. Im Hotel- und Gaststättengewerbe sieht dieser Punkt besonders schlecht aus, obwohl nur 6 Prozent ihre Lage schlecht beurteilen.
"Dahinter spiegelt sich leider alles", sagt Christina Nahr-Ettl, Mitglied der IHK-Geschäftsleitung, "dass man Stellen nicht passgenau besetzt bekommt, wegen des Arbeitskräftemangels oder auch weil man damit rechnet, dass man Stellen abbauen muss". Künftig will die IHK hier genauer nachfragen, um Missverständnisse zu vermeiden.
In einigen Branchen bleibt die Lage trotzdem positiv. Im Kreditgewerbe, im Maschinenbau und im Fahrzeugbau hat sich kein Unternehmen gemeldet, dem es schlecht geht. Wesentlich schlechter sieht es bei der Glasindustrie, im Ernährungsgewerbe und in der Chemischen Industrie aus. Auch die Elektrotechnik hat teilweise zu kämpfen.
Die Stabilität ist noch da
Weltweit erkennen die IHK-Verantwortlichen gewisse positive Signale in den USA und Lateinamerika. Im Inland hoffe man darauf, dass die Inflation nun langsam nachlasse. Beratungsdienstleister, gerade auch im Bereich IT und Kommunikation, sind der Umfrage zufolge noch immer außergewöhnlich gut im Geschäft.
"Wir sind immer noch der Meinung, dass wir großes Potenzial haben, eine große Stabilität", sagt Elke Döring. Gerade bei den Familienunternehmen gebe es eine große Ruhe in der Unternehmensführung.
"Aber dennoch, der Hilferuf ist da und da muss jetzt reagiert werden." Wie es weiter geht, werde sich bei der nächsten Umfrage zeigen, die im Oktober vorgestellt wird.



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