IG Metall und Südwestmetall freuen sich über neue Chancen für den Verbrenner
Vertreter der regionalen Metall- und Elektroindustrie sprechen über die Zukunft der Mobilität und der Arbeitswelt. Energie müsse bezahlbar sein, die Politik solle eine grundsätzliche Debatte über die Zukunft der Arbeit anstoßen, fordern Gewerkschafter Michael Unser und Arbeitgebervertreter Jörg Ernstberger.

In Tarifrunden sind sie Kontrahenten, wenn es um Grundsätzliches in der Metall- und Elektroindustrie geht, liegen sie häufig auf einer Wellenlänge: Michael Unser, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heilbronn/Neckarsulm, und Jörg Ernstberger, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken.
Wissing hat den Weg für E-Fuels freigemacht
So freuen sich beide ausdrücklich darüber, dass das Aus des Verbrennungsmotors dank des Einsatzes von Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) bei der Europäischen Union ab 2035 doch nicht so endgültig ist wie ursprünglich vorgesehen. Nun dürfen auch nach 2035 Verbrennerfahrzeuge zugelassen werden, die mit klimaneutralen Kraftstoffen, sogenannten E-Fuels, betrieben werden.
Nicht nur auf eine Technologie setzen
"Es ist gut, wenn man sich nicht nur auf die Elektromobilität konzentriert, sondern erst einmal in der Breite offen ist für E-Fuels oder Wasserstoff", sagt Gewerkschafter Unser. "Ich glaube nicht, das sich nur eine Technologie durchsetzen wird." Und solange die Rahmenbedingungen für die Elektromobilität, etwa was die Ladesäuleninfrastruktur angeht, noch nicht passten, brauche man für eine Übergangszeit noch Alternativen.
Unser findet, Deutschland baue gerade die besten Verbrenner überhaupt
Unser ist auch der Meinung, dass die deutschen Autobauer derzeit die besten Verbrenner überhaupt bauen, weil sie so effizient und sparsam seien wie nie zuvor. Ernstberger verweist auf die Technologieführerschaft der deutschen Autoindustrie beim Verbrennungsmotor. Der jetzt gefundene Kompromiss mit Brüssel eröffne Deutschland die Möglichkeit, "diese Expertise weiter ausbauen zu können", sagt der Südwestmetall-Geschäftsführer. Wenn es gelinge, klimaneutrale Kraftstoffe zu entwickeln, die auch bezahlbar seien, wäre das ein riesiger Markt.
Vollert fordert Belastungsmoratorium für die Wirtschaft
Sorgen bereiten den Branchenvertretern neben dem Personalmangel die hohen Energiepreise. "Energie muss für Unternehmen und auch im privaten Bereich bezahlbar bleiben", fordert Unser. "Ich sehe sonst das Risiko einer Deindustrialisierung." Hans-Jörg Vollert, Vorsitzender von Südwestmetall in der Region, verlangt von der Politik gar ein Belastungsmoratorium. Die Betriebe könnten in der jetzigen Situation keine weiteren Belastungen vertragen, betont Vollert.
Für Ernstberger heißt die Devise: Mehr arbeiten, nicht weniger
Mit wachsendem Unbehagen verfolgen die Vertreter der regionalen Metall- und Elektroindustrie auch die Diskussionen um kürzere Arbeitszeiten und mehr Work-Life-Balance. Für Ernstberger ist klar, dass angesichts des dramatischen Arbeitskräftemangels nicht nur in der M&E-Branche eher mehr statt weniger gearbeitet werden müsste. Die Ansprüche vor allem jüngerer Bewerber an die Arbeitgeber seien seit der Corona-Pandemie überdreht. "Ich habe manchmal das Gefühl, wir sind zu wenig hungrig, wir sind zu satt", sagt Ernstberger. Andere Länder seien hungriger als Deutschland. Er fordert eine breite gesellschaftliche Debatte, die von der Politik angestoßen werden müsse. "Ich wünsche mir eine Agenda 2030 für die Wirtschaft." Ernstberger vermisst das "große Bild" der Ampel, die sich stattdessen in kleinteiligen Debatten verliere.
Homeoffice droht Belegschaften zu spalten
Auch Gewerkschafter Unser wünscht sich eine Diskussion über die Zukunft der Arbeitswelt. So sorge das Thema Homeoffice immer wieder für Unmut in den Betrieben, weil das für die Mitarbeiter in der Produktion keine Option sei.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare