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Ifo-Chef Fuest: Testen würde sich lohnen

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Wenn in der Pandemie-Bekämpfung nur die Inzidenz zählt, wird Eigeninitiative bestraft, warnt Ifo-Chef Fuest. Deshalb müsse sich die Politik auch an neuen Indikatoren orientieren.

Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts in München.
Foto: dpa
Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts in München. Foto: dpa  Foto: Bernd von Jutrczenka

Als in Berlin die Kanzlerin zur virtuellen Konferenz mit den Ministerpräsidenten zusammensaß, erläuterte der Präsident des Ifo-Instituts, Clemens Fuest, in München die Strategie, die er bevorzugen würde. Schon da vermutete er, dass die Bund-Länder-Runde nicht allzu viele seiner Vorschläge aufgreifen würde.

Umso klarer fiel sein Urteil tags darauf aus: Die Beschlüsse für den Oster-Lockdown verdeutlichten, "dass die Öffnungsstrategie der letzten Wochen gescheitert ist". Mit der Rücknahme der Osterruhe werden nun seine Vorschläge möglicherweise wieder etwas mehr Beachtung finden.

Sinnvoller Einsatz von Instrumenten statt durchgängige Strategie

Fuest steht für die No-Covid-Strategie. Doch allein die Zuspitzung, dass damit das Coronavirus wie auch immer ausgerottet werden soll, provoziert häufig viel Widerspruch. Dabei will er unter dem Schlagwort vor allem Instrumente anbieten, die auch für sich genommen einleuchtender sind als viele Vorschläge, die zuletzt aus der Politik zu vernehmen waren.

 


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Im Zentrum steht ein massiver Einsatz von Schnelltests. Denn nur wenn man frühzeitig weiß, wo sich das Virus ausbreitet, lässt es sich bekämpfen. Und nur wenn man weiß, dass eine Gruppe von Menschen derzeit nicht ansteckend ist, kann man ihnen gewisse Möglichkeiten zur Zusammenkunft wieder zubilligen.

Ansätze wie in Tübingen, das die Geschäfte in der Innenstadt wieder geöffnet hat und von Besuchern Schnelltests verlangt, seien der richtige Weg.

Landräte haben aus nachvollziehbaren Gründen kein Interesse an Tests

Gleichzeitig dürfe es nicht sein, dass höhere Inzidenzen, die auf den verstärkten Einsatz von Tests zurückzuführen sind, zu einer "Bestrafung" führen. "Aus der Perspektive eines Landrats kann ich verstehen, dass er sagt: Wenn ich mehr teste, dann gelte ich plötzlich als Hotspot." Vieles sei da in der Vergangenheit schief gelaufen.

Statt sich an Inzidenzen zu orientieren, brauche es also ein flächendeckendes Screening mit Zufallstests, um das tatsächliche Infektionsgeschehen zu untersuchen. "Wir sind in einer Art Blindflug, da müssen wir raus", sagt Fuest. Dazu müsse man auch Daten auswerten, woher die Getesteten kommen, um Gefahrenherde zu identifizieren.

 


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Nicht die Maßnahmen kosten Wirtschaftsleistung, sondern das Virus

Der VWL-Professor hat gute Argumente für seine These, dass hohe Infektionsraten automatisch schädlich für die Wirtschaft sind, ganz unabhängig davon, ob harte Maßnahmen getroffen werden oder nicht. Es führe kein Weg daran vorbei, Infektionszahlen zu drücken.

Besonders drastische Maßnahmen wie nächtliche Ausgangsbeschränkungen hält Fuest allerdings für überzogen, weil bei geschlossenen Bars abends ohnehin kaum noch jemand auf der Straße zu finden ist. Sehr sinnvoll sei dagegen, geimpften Menschen auch wieder Freiheiten zurückzugeben - wirtschaftlich sei es schädlich, wenn die Geimpften auf Dauer den gleichen Restriktionen unterworfen blieben wie die Ungeimpften.

Ohne Vertrauen funktioniert nichts

Die Schwäche seiner Strategie benennt Fuest übrigens auch: "Wenn die Menschen das Vertrauen verlieren in die Politik und sich überhaupt nicht mehr an diese Regeln halten, dann funktioniert auch das No-Covid-Konzept nicht."

 


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