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Galeria braucht einen Käufer oder ein Wunder – Filiale in Heilbronn gerät unter Druck

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Mit der Pleite der Signa-Holding kommen pikante Details ans Licht: Wurden Mieten erhöht, um Immobilienwerte zu schönen? Das Weihnachtsgeschäft ist jetzt wohl entscheidend für den Fortbestand der Galeria-Filialen. Auch in Heilbronn blickt man in eine ungewisse Zukunft.

von Christian Gleichauf und dpa
Der Galeria Kaufhof an der Fleiner Straße in Heilbronn: Der Warenhauskonzern kommt durch die Insolvenz von Signa-Holding und einer weiteren Gesellschaft in der Schweiz zunehmend unter Druck.
Der Galeria Kaufhof an der Fleiner Straße in Heilbronn: Der Warenhauskonzern kommt durch die Insolvenz von Signa-Holding und einer weiteren Gesellschaft in der Schweiz zunehmend unter Druck.  Foto: Seidel

Galeria Karstadt Kaufhof wollte das weitere Verfahren in Ruhe abwarten. Doch daraus wird wohl nichts. In der Schweiz hat die Signa Retail Selection AG – die an Galeria beteiligt ist – Gläubigerschutz beantragt. Damit sinken die Chancen für die bislang bestehende Möglichkeit, dass sich Galeria aus eigener Kraft über Wasser hält. Es braucht einen Käufer, sonst gehen wohl nach dem Weihnachtsgeschäft die Lichter aus.

Galeria: Mieten erhöht, um Immobilienwerte zu schönen?

Eigentlich hatten der österreichische Immobilieninvestor René Benko und seine Signa-Holding im Frühjahr 2023 zugesagt, Galeria mit 200 Millionen Euro bei der Sanierung zu unterstützen. Bisher, so heißt es, ist noch kein Geld geflossen.


Nach Informationen von Gerrit Heinemann, Handelsexperte an der Hochschule Niederrhein, hatte Signa allerdings nach der Übernahme zahlreicher Galeria-Immobilien vor vier Jahren – auch der in Heilbronn  –  die Miete verdoppelt. Auf rund 200 Millionen Euro pro Jahr beliefen sich die Zahlungen für alle 18 Immobilien zuletzt.

Damit hat Signa womöglich nicht nur einen Großteil der für die Sanierung zugesagten Summe zuvor aus der Warenhauskette gezogen, sondern auch den Wert seiner Immobilien künstlich aufgeblasen. "Das scheint ja ein Teil des Geschäftsmodells von Benko gewesen zu sein", sagt Verdi-Landesfachbereichsleiter Wolfgang Krüger.

Wie geht es am Galeria-Standort Heilbronn weiter?

Die Mietzahlungen könnten auch zur Belastung für einen Käufer werden, der laufende Verträge mit dem Vermieter Signa dann neu verhandeln müsste.

Kurzfristig ist jedoch die Rede davon, dass Mietzahlungen ausgesetzt werden, weil die Hälfte der zugesagten 200 Millionen Euro von Benko ohnehin als Stundung der Miete vorgesehen war.

An Spekulationen, wie es am Standort Heilbronn weitergehen könnte, möchte sich Krüger nicht beteiligen. Vom Betriebsrat gibt es keine Auskunft. Klar scheint, dass ein potenzieller Käufer sich wohl abermals nur die lukrativsten Standorte sichern würde. Allein bei der letzten Sanierungsrunde mussten Dutzende Häuser schließen.

Ob die Aussichten für Galeria in Heilbronn auch diesmal wieder als überwiegend positiv eingeschätzt würden, ist die große Frage, auf die derzeit niemand eine Antwort hat. Ein Galeria-Sprecher äußerte sich am Donnerstag nicht über einen möglichen Verkauf der Warenhauskette. Handelsexperte Heinemann sagt: "Die Aussichten sind düster."

 


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Galeria-Chef will "Vertrauen aufbauen"

Ohne einen erfolgreichen Kauf bleibt wohl nur eine Stabilisierung des Geschäfts in den nächsten Wochen und Monaten aus eigener Kraft – was unter den derzeitigen Voraussetzungen einem Wunder gleichkäme. Gewerkschafter Krüger appelliert dennoch: "Die Konsumenten sollten jetzt Flagge zeigen und jetzt vielleicht mal weniger im Internet kaufen. Das haben die Beschäftigten verdient."

Die Belegschaften sind verunsichert, das weiß auch Galeria-Chef Olivier van den Bossche. Das Wichtigste sei jetzt, Vertrauen aufzubauen. Mit anderen Worten: Er hofft auf ein Wunder.

Städte fordern Mitspracherecht

Der Deutsche Städtetag fordert derweil eine Beteiligung der Städte. "Sollte die Insolvenz der Signa-Holding Auswirkungen auf Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof haben, müssen die betroffenen Städte aktiv in die Gespräche zwischen Gläubigern und Eigentümern, Anteilseignern und Insolvenzverwaltern einbezogen werden", sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy den Zeitungen der Funke-Gruppe.

Darüber hinaus forderte er für Städte Möglichkeiten, sich bei Pleiten betroffene Gebäude zu sichern. "Perspektivisch sollte das Insolvenzrecht so geändert werden, dass die Städte potenziell Zugriff auf zentrale Immobilien bei Insolvenzen bekommen. Dafür müssen aber auch die Eigentümerstrukturen transparent sein."

Nur die Premium-Häuser haben sichere Zukunft

Gelassen in die Zukunft blickt derzeit immerhin der Berliner KaDeWe-Chef: "Wir sind sehr sicher aufgestellt", sagte Michael Peterseim dem "Tagesspiegel". Die Schwierigkeiten des Konzerns hätten auf das Luxuskaufhaus im Berliner Westen keine Auswirkungen. "Das können wir klar ausschließen".

Die Signa-Holding ist nur als Minderheitsgesellschafter am KaDeWe beteiligt. Hauptgesellschafter ist der thailändische Handelskonzern Central Group.

 
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