Explosionsschutzexperte R. Stahl profitiert von Energiekrise – höherer Umsatz, mehr Azubis
Das Geschäft beim Explosionsschutzexperten R. Stahl wird zunehmend profitabel. In der Energiekrise wächst das Unternehmen aus Waldenburg kräftig. Die Zahl der Azubis wurde aufgestockt.

Die allgemeine Konjunktureintrübung kann dem Explosionsschutzexperten R. Stahl momentan wenig anhaben. Nicht nur beim Umsatz gibt es einen Sprung nach vorn. "Es zeigt sich jetzt auch, dass wir ein sehr profitables Geschäftsmodell haben", sagt R.-Stahl-Chef Mathias Hallmann im Gespräch mit unserer Zeitung.
Insgesamt werde die Marge vor Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten in diesem Jahr im zweistelligen Bereich liegen. Und Hallmann deutet an, dass ihm das, was seine persönlichen Planungen angeht, sehr entgegenkommt.
Explosionsschutzexperte R.Stahl macht mehr Umsatz
Zwar spürt auch R. Stahl Rückgänge in einzelnen Segmenten. So ging etwa bei der Chemie der Umsatz zuletzt um 40 bis 50 Prozent runter. Doch insgesamt steigerten die Waldenburger im letzten Quartal den Umsatz um gut 15 Prozent. "Das gibt schon mal die Richtung vor", sagt Hallmann.
Als Zielkorridor hatte er fürs laufende Geschäftsjahr 305 bis 320 Millionen Euro ausgegeben. Es werden wohl eher die 320 Millionen werden, was einem Plus von 17 Prozent entsprechen würde.
Profiteur der Energiekrise – Potenzial beim Wasserstoff
Es ist etwas Genugtuung zu spüren bei Mathias Hallmann. Als er vor knapp sechs Jahren das Ruder übernahm, steckte das Unternehmen in tiefroten Zahlen. Hallmann kündigte einen Sanierungskurs an und stimmte die Belegschaft auch darauf ein, dass R. Stahl am Beginn eines langen Weges stehe. Dass dieser Weg mit Corona dann noch einmal verlängert wurde, gefiel ihm nicht.
Doch dann kam die Energiekrise und damit änderten sich viele Vorzeichen - und die meisten zum Vorteil von R. Stahl: Flüssiggas erlebt einen Boom, neue Atomkraftwerke werden gebaut, in der Öl- und Gasbranche in vielen Ländern wird investiert. Beim Thema Wasserstoff sieht er weiter Potenzial, auch wenn das Geschäft noch klein ist. Momentan müssten da viele sicherheitstechnische Themen noch geregelt werden. Aber: Es geht voran.
Mehr Azubis eingestellt – Gehalt über Tarif
Auf Top-Management-Ebene gab es einige Zugänge - vom Autozulieferer Schaeffler, von Daimler Truck. Holger Angrick trug in der Vergangenheit bei Lidl International Verantwortung. Jetzt managt er das Personalwachstum bei R. Stahl. Um fast drei Prozent wuchs die Belegschaft im vergangenen Jahr auf nun 1724 Mitarbeiter - ohne Azubis. Bei denen wurde von 25 auf 40 aufgestockt.
Gemeinsam mit Rosenberger Ventilatoren und Würth in Künzelsau bietet R. Stahl sogenannte kooperative Studiengänge an - Lehre und Studienabschluss in fünf Jahren. Ein erfolgversprechendes Modell. In der Ausbildung zahlt das Unternehmen zudem 20 Prozent über Tarif.
R. Stahl will Umsatz auf 500 Millionen Euro steigern
"Allein die Ausweitung und die neuen Angebote kosten uns einige Hunderttausend Euro pro Jahr", sagt Hallmann. "Und wir merken, wie wir als Familienunternehmen jetzt punkten können, während andere auf die Bremse stehen", betont Personaler Angrick. Am Ende hofft das Unternehmen auf loyale Mitarbeiter, die den Weg gerne mitgehen.
Dieser Weg soll jetzt zügig nach oben führen, auch was den Umsatz angeht. 400 oder 500 Millionen Euro seien zu schaffen mit den derzeitigen Kapazitäten, erklärt Hallmann. "Unser Geschäft ist nicht sehr kapitalintensiv." Die Rendite könnte also überproportional wachsen.

In drei Jahren steht Wechsel an Unternehmensspitze an
Hallmanns Ziel war, das Unternehmen effizienter aufzustellen. Zweistellige Millionenbeträge wurden etwa in die Einführung einer einheitlichen Unternehmenssoftware gesteckt. Bald läuft weltweit alles auf SAP. "Dann können wir auch genauer analysieren, welche Kunden, welche Industrien sich wie entwickeln", so Hallmann.
Wichtig sei ihm, dass er ein gut bestelltes Geschäft übergeben kann. Sein Vertrag läuft noch bis September 2026. "Mit 63 oder 64 darf auch Schicht sein." Skifahren, Kiten, Rennradfahren - dem Manager aus Karlsruhe fallen noch einige Dinge ein, mit denen er sich irgendwann die Zeit vertreiben kann. "Ich sehe zudem durchaus Potenzial, dass wir hier in unserem neunköpfigen Leitungskreis jemanden finden, der dann an die Spitze rückt."
Aktienkurs von R. Stahl mehr als verdoppelt
Seit Oktober 2022 hat sich der Kurs der Aktie mehr als verdoppelt. Zuletzt blieb die Entwicklung allerdings verhalten. R.-Stahl-CEO Mathias Hallmann ist allein schon aus persönlichem Interesse an einer positiven Veränderung interessiert: Er ist vertraglich verpflichtet, regelmäßig Aktien zu erwerben.
"Aber man darf nicht zu viel in die Kursentwicklung hineininterpretieren. Eine Person allein könnte den Kurs richtig nach oben treiben, indem sie 5000 Aktien kauft." Das wäre momentan für etwa 115.000 Euro möglich, bei einem Kurs von um die 22 Euro. Die Zahl der frei gehandelten Papiere sei eben sehr gering. 40 bis 50 Prozent halten die Gründerfamilien Stahl und Zaiser, 14 Prozent die die RAG-Stiftung, rund zehn Prozent die Investmentaktiengesellschaft für langfristige Investoren (TGV).

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