Transformation bei Autozulieferer: Know-How auch in anderen Branchen gefragt
Beim Zukunftsforum Mobilität des Netzwerks Transformotive im Zweiradmuseum wird deutlich, dass sich nicht jeder Autozulieferer auf den E-Antrieb zu konzentrieren braucht.

Es geht um alles. Das wird an diesem Dienstagvormittag deutlich. Die Transformation der Mobilitätswirtschaft umfasst mehr als den Wechsel des Autoantriebs, mehr als die Digitalisierung von Produktionsprozessen. "Es geht darum, neue Wege zu gehen", sagt Andreas Schumm, Geschäftsführer der regionalen Wirtschaftsfördergesellschaft WHF.
Das Lastenrad aus der Begleitausstellung ist dann doch ein bisschen der Fremdkörper zwischen all den Zweirädern aus dem 20. und vereinzelt sogar dem 19. Jahrhundert. Welche Rolle es in der künftigen Mobilität spielen wird, das beantwortet der kleine Kongress im Neckarsulmer Zweirad- und NSU-Museum nur zum Teil. Es geht erst einmal um Bestandsaufnahme und um mögliche neue Ansätze.
Mobilität der Zukunft: Welche Rolle wird Lastenrad neben Elektro- und Verbrenner-Autos spielen?
Ganz ohne das Thema E-Auto geht es natürlich nicht. Anja Krätschmer, Koordinatorin der insgesamt sechs Transformationsnetzwerke beim Land, macht mit einer Folie Eindruck, die die Lieferströme bei Verbrenner- und bei E-Antrieb grafisch darstellte. Viele kleine Linien aus allen Teilen Deutschlands und Europas hier, wenige große Pfeile aus Fernost da.
"Dazu kommt, dass der Anteil der Autohersteller selbst bei batterieelektrischen Modellen steigt", sagt Krätschmer. Was das in Summe für die kleinen Zulieferer bedeutet, scheint klar.
Transformation der Branche: "Zulieferer müssen nicht im Automotive-Sektor bleiben"

Es gilt also, sich neu aufzustellen. Und das müsse nicht zwingend bedeuten, alles auf E-Mobilität auszurichten. "Die Zulieferer müssen nicht im Automotive-Sektor bleiben", so Krätschmer. Das Know-how lasse sich häufig auch anderswo gewinnbringend einsetzen, ob in der Medizintechnik, im Energiesektor, der Lebensmittel- oder auch in der Konsumgüterbranche.
Ein Themenblock spielt bei den anstehenden Transformationen fast immer eine Rolle, betonen Vithushan Parameswaran und Kai Langbein von der Beratungsfirma MHP aus Ludwigsburg: IT, KI und Daten.
KI und Ladesäulen: Heilbronn-Franken hat sehr gute Voraussetzungen
Für diese Veränderungen sei die Region Heilbronn-Franken, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten eine beeindruckende Entwicklung erlebt habe, gut aufgestellt: eine lebendige Hochschullandschaft, eine Dieter-Schwarz-Stiftung, die das Zukunftsthema KI in die Region bringt. Sogar die Ladeinfrastruktur ist überdurchschnittlich gut ausgebaut. Dazu die vielen Unternehmen. "Es gibt hier ein sehr gutes Fundament", sagt Langbein.
Albert Bolinth vom Logistikunternehmen Adam Serr aus Bad Wimpfen verfolgt die Veranstaltung, auch das Speditionsunternehmen Fritz aus Heilbronn ist dabei. Für sie und die wenigen anderen Unternehmensvertreter, die den Weg nach Neckarsulm gefunden haben, gibt es also auch ein paar positive Nachrichten.
Was sie konkret mitnehmen können, sind vor allem die Vernetzungsangebote und Hinweise von Lisa Richter, Projektleiterin bei der WHF. Zudem gibt es für Unternehmen mit bis zu 3000 Mitarbeitern bis Ende Mai noch die Möglichkeit, Beratungsgutscheine vom Land zu erhalten. Weitere Informationen dazu gibt es hier.
Weitere Daten sind nötig
Klaus Reichert ist einer der Unternehmensberater, die mit den Gutscheinen gebucht werden können. Er beklagt allerdings, zu oft würden Unternehmen sagen: "Wir haben zu viel Tagesgeschäft." So laufe man Gefahr, Opfer des eigenen Erfolgs zu werden.

Karl Wahl nutzt die Chance, auf den Verein Elektromobilität Heilbronn-Franken aufmerksam zu machen. Als leidenschaftlicher E-Motorradfahrer regt er an, dass sich vor allem die Gastronomie um Ladestationen kümmern müsse.
Aufmerksam verfolgen auch die Kommunen und Kreise, was sich tut. Birgit Böhm-Lemcke, Amtsleiterin Mobilität im Hohenlohekreis, hofft auf rege Teilnahme an der Haushaltsumfrage "Mobilität in Deutschland", die derzeit in Hohenlohe stattfindet. In Heilbronn und Neckarsulm läuft eine Umfrage im Rahmen des Forschungsprojekts "Mobilität in Städten", ergänzt Carina Puff von der Stadt Neckarsulm. Die Bestandsaufnahme geht weiter.
Über das Netzwerk Transformotive
Seit 2022 gibt es das Netzwerk Transformotive, ein vom Bund mit rund zehn Millionen Euro gefördertes Netzwerk, das die Transformation der Automobilwirtschaft und weiterer Wirtschaftszweige begleitet. Getragen wird es von den Wirtschaftsfördergesellschaften WFG für den Raum Heilbronn und WHF für die Region Heilbronn-Franken sowie der Initiative Pro Region. Die WHF hat den Part Mobilitätswirtschaft übernommen. Das Projekt läuft bis Mitte 2025.
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