Einbruch am Bau: Handwerkspräsident Bopp vermisst politisches Handeln
Die Auftragslage am Bau sei katastrophal, klagt die Branche. Doch statt gegenzusteuern, habe die Politik die Lage durch falsche Weichenstellung noch verschärft.

Das Handwerk fürchtet einen Kollaps der Baubranche. Am Wochenende hatte Handwerkspräsident Jörg Dittrich Alarm geschlagen. Vor allem die Finanzierungen für Neubauprojekte ist eingebrochen. Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, sieht kurzfristig kaum eine Chance, dass sich die Auftragslage ändert. "Wir selbst sind mit über acht Aufträgen für schlüsselfertige Bauten ins Jahr gestartet, derzeit wird davon gerade einmal einer umgesetzt, vielleicht kommt noch ein zweiter dazu", sagt der Unternehmer aus Widdern.
Förderung nur noch für die besonders teure Variante
Die Politik sei gefordert. Ein großes Problem sei, dass die falsche Weichen gestellt wurden. Die Eigenheimförderung beispielsweise sei auf den strengen KfW-40-Standard reduziert worden. "Dann steigen aber die Baukosten noch einmal um 30 Prozent, da macht die Förderung dann nicht mehr den entscheidenden Unterschied", so Bopp.

"Wir haben darüber und auch über die illusorische Zielmarke von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr schon vor anderthalb Jahren mit Bundesbauministerin Klara Geywitz in Berlin gesprochen." Es sei ein gutes Gespräch gewesen, sagt Bopp. Doch verändert habe sich seitdem nichts. "Es braucht jetzt vernünftige Programme. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass die Politik gar kein Interesse daran hat, etwas zu ändern." Auch beim Heizungsgesetz habe sich das grüne Wirtschaftsministerium von den Argumenten aus dem Handwerk nicht beeindrucken lassen.
Inzwischen sind die Zinsen stark gestiegen, was private und gewerbliche Investoren vor große Probleme stellt. Schließlich sind die Baupreise in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Die Baukonjunktur, die sich schon im vergangenen Jahr abgekühlt hat, ist nun fast zum Stillstand gekommen.
Verschiebung in den Renovierungs- und Sanierungsbereich
Was die Situation in der Region angeht, so hofft Handwerkspräsident Bopp, dass ein Teil der absehbaren Einbrüche durch Renovierungs- und Sanierungsaufträge aufgefangen werden kann. "Viele junge Leute, die 800.000 Euro für den Neubau eines Eigenheims derzeit nicht aufbringen können, kümmern sich jetzt eher um das Elternhaus oder das Haus der Tante - die sich auch mit vier Prozent Zinsen auf Vordermann bringen lassen." Der Markt werde sich also verschieben.
Noch würden die Banken keine ausgesprochen restriktive Linie fahren. Doch das könnte sich mit weiteren Insolvenzen ändern. "Für die Neubaubranche ist die Situation ganz kritisch."
Alle an einen Tisch
Angesichts der Talfahrt in der Bauwirtschaft hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) ein „Aufbruchssignal“ sowie einen Handlungsfahrplan gefordert. Alle Entscheider müssten an einen Tisch. Dazu gehören Pfandbriefbanken und Kreditinstitute, die Wohnungswirtschaft, das Handwerk, die Bauindustrie und die dafür relevanten Ministerien - und hier nicht allein das Bauministerium, sondern auch das Wirtschafts- und das Finanzministerium.
Kommentare öffnen



Stimme.de
Kommentare