Was Unternehmen in der Region von Impfanreizen wie Extraurlaub halten
Wie stehen Unternehmen in der Region zu Überlegungen, zusätzliche Anreize fürs Impfen zu bieten gegenüber? Es gibt viele kreative Ideen - auch in anderen Ländern.
In den USA nehmen Impflinge teilweise automatisch an Lotterien teil. In Ohio, New York oder Kalifornien wurden dafür bereits Millionen ausgeschüttet. Andere Länder bieten Gutscheine, Bargeld oder Naturalien. In Deutschland hält sich die Politik mit Anreizen solcher Art bislang zurück. Unbenommen bliebe es den Unternehmen, den Beschäftigten einen Bonus oder auch einen zusätzlichen Urlaubstag in Aussicht zu stellen, wenn sie sich impfen lassen. Die Reaktionen bei einer Umfrage unserer Redaktion sind überwiegend verhalten.
Schwarz-Gruppe und Würth setzen auf Freiwilligkeit und Eigenverantwortung
Bei der Neckarsulmer Schwarz-Gruppe heißt es zwar, das Impfen sei grundsätzlich ein wichtiger Baustein in der Pandemiebekämpfung. "Daher begrüßen wir es sehr, wenn unsere Mitarbeiter das Impfangebot der Bundesregierung in Anspruch nehmen. Wir weisen jedoch ausdrücklich auf die Freiwilligkeit der Impfung hin." Eine unternehmensweite Impfaktion werde nicht angeboten.
Mitarbeiter des Schraubenhändlers Würth und der Tochterunternehmen in Hohenlohe haben alle ein Impfangebot erhalten und können sich nach wie vor beim Betriebsarzt gegen Corona impfen lassen, teilt Sprecherin Sigrid Schneider mit. Weitere Maßnahmen, um den Anreiz für eine Impfung zu erhöhen, würden nicht ergriffen. "Wir hoffen und bauen auf die Vernunft jedes Einzelnen", heißt es. Denn die Entscheidung treffe man nicht nur für sich alleine, sondern auch für die Gesellschaft – "individuell gesundheitlich bedingte Einzelfälle selbstverständlich ausgeschlossen".
IHK Heilbronn-Franken hält nichts von extra Urlaub oder Bonuszahlungen
Die IHK Heilbronn-Franken und viele ihrer Mitgliedsunternehmen organisieren Impfangebote für Mitarbeiter und zum Teil auch für deren Angehörige. Die Kammer betont aber die Freiwilligkeit. "Anreize für bisher Ungeimpfte – wie beispielsweise einen extra Urlaubstag – halten wir dabei nicht für zielführend, da dies diejenigen, die sich bereits impfen ließen, benachteiligen würde", heißt es hier. "Dasselbe gilt für Bonuszahlungen, zumal niedrigschwellige Impfangebote mittlerweile jedem, der sich impfen lassen möchte, zur Verfügung stehen." Wichtiger sei noch intensivere Aufklärung darüber, wie wichtig eine Impfung gegen Corona für jeden einzelnen, aber auch für die Gesellschaft im Ganzen ist.
Handwerkskammer Heilbronn-Franken weist auf die Rückgabe der Freiheitsrechte hin
"Sicherlich wäre es für unsere Handwerksbetriebe gut, wenn alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft wären. Eine Prämie vom Arbeitgeber für das Impfen halte ich allerdings nicht für den richtigen Weg", sagt Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Bei den Schnelltests seien die Unternehmen quasi gezwungen gewesen, für ihre Mitarbeiter Tests zur Verfügung zu stellen, jedoch waren im Gegenzug die Arbeitnehmer nicht verpflichtet, sich testen zu lassen.
"Ich denke deshalb, dass es keinen Impfzwang geben und es jedem Unternehmer frei gestellt bleiben sollte, ob er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Impfbereitschaft mit Prämien locken möchte. Zu bedenken gebe ich auch, dass eine solche Vorgehensweise sehr ungerecht gegenüber denjenigen wäre, die sich – schon alleine für ihre eigene Gesundheit und/oder aus sozialer Verantwortung heraus – bereits haben impfen lassen. Das beste Argument zur Impfung ist für Bopp die Rückgabe der Freiheitsrechte für vollständig Geimpfte. "Darauf sollte sich die Argumentation von Politik und Gesellschaft konzentrieren."
Südwestmetall betont, Ungeimpfte müssten gegebenenfalls auch die Konsequenzen tragen
Ähnliche Töne kommen vom Arbeitgeberverband Südwestmetall. Der Geschäftsführer der Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken, Jörg Ernstberger, betont: Bei den Impfanreizen "sind viele rechtliche Fragen, unter welchen Voraussetzungen solche Anreize im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis gewährt werden können, nicht abschließend geklärt".
Da Geimpfte und Genesene nach derzeitigem Kenntnisstand aber ein deutlich geringeres Risiko haben, schwer zu erkranken und andere anzustecken, entfällt aus seiner Sicht die Begründung für erneute weitreichende Eingriffe in die Freiheitsrechte. "Ungeimpfte hingegen müssen dann gegebenenfalls auch die Konsequenzen in Form von weiteren Einschränkungen tragen", so Ernstberger, und seien es nur die Tests, die dann selbst bezahlt werden müssen.
Audi und die Kreissparkasse Heilbronn planen keine weiteren Anreize
Audi hat an seinen zwei deutschen Standorten bislang rund 8000 Mitarbeiter geimpft. Die Kampagne läuft auch während der Betriebsruhe, die noch bis 20. August dauert, weiter. Doch gebe es zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Anreize, erklärt eine Sprecherin in Neckarsulm. Auch gebe es bisher "keine Besserstellung oder Erleichterung der Schutzmaßnahmen auf dem Werksgelände für vollständig Geimpfte oder Genesene". Immerhin können die betrieblichen Impfungen hier während der Arbeitszeit in Anspruch genommen werden.
Die Kreissparkasse Heilbronn teilt mit, sie habe sich sehr frühzeitig darum bemüht, Impftermine für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu organisieren. "Mittlerweile haben alle Beschäftigten ein Impfangebot erhalten, das auch rege genutzt wurde." Selbstverständlich verfolge man das Ziel einer hohen Impfquote. "Aktuell haben wir keine Anhaltspunkte für eine mögliche Impfmüdigkeit in unserer Belegschaft. Ein zusätzlicher Urlaubstag ist bei uns kein Thema, weil die Beschäftigten im Rahmen unserer flexiblen Arbeitszeitmodelle großen Gestaltungsspielraum beim Wahrnehmen von Impfterminen haben", teilt die KSK mit.
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