Meinung: Impfverweigerer verhalten sich unsolidarisch
Wir steuern auf einen Herbst mit einer vierten Corona-Welle zu. Schuld an der drohenden Misere sind dieses Mal die Bürgerinnen und Bürger selbst, findet unser Redakteur.
Geschlossene Schulen, Kitas und Universitäten, neue Lockdowns und Einschränkungen, steigende Intensivbettenbelegung in den Kliniken - all dies scheint im Moment weit weg. Die Menschen genießen den Sommer und die Urlaubszeit, für viele ist Corona bereits abgehakt. Doch das ist ein Trugschluss, wie ein Blick auf die seit Wochen steigenden Zahlen in Deutschland und vielen anderen Ländern zeigt. Wir laufen Gefahr, sehenden Auges in einen Herbst mit einer vierten Corona-Welle und den damit verbundenen Restriktionen zu steuern.
Dieses Mal sind die Bürger schuld am Comeback des Virus
Und dieses Mal ist nicht die Politik die Hauptschuldige an der drohenden Misere - gleichwohl sie in der Verantwortung steht, für eine bestmögliche Vorbereitung auf den Herbst zu sorgen. Jetzt sind es die Bürgerinnen und Bürger selbst, die dem Coronavirus wohl ein weiteres Comeback ermöglichen.
Man erinnere sich an den Jahresbeginn: Die Bundesregierung stand zu Recht in der Kritik, weil viel zu wenig des heiß ersehnten Impfstoffes zur Verfügung stand. Impftermine waren begehrt, Hotlines verstopft, Impfzentren überfüllt.
Der Impfstoff ist da, doch die Nachfrage fehlt
Das Versprechen der Regierung lautete: Im Frühjahr, spätestens im Sommer ist so viel Impfstoff da, dass jedem Bürger ein Impfangebot gemacht werden kann. Genauso ist es gekommen. Impfzentren, Arztpraxen und Betriebsärzte haben Vakzin in Hülle und Fülle. Doch die Menschen wollen es nicht mehr haben. Lächerliche 51,5 Prozent der deutschen Bevölkerung waren am vergangenen Freitag vollständig geimpft. Von der angestrebten Herdenimmunität, für die Experten zufolge eine Impfquote von mindestens 80 Prozent nötig ist, sind wir meilenweit entfernt.
Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung gehört zu den radikalen Impfgegnern
Dabei ist es kaum vorstellbar, dass knapp die Hälfte aller Deutschen radikale Impfgegner sind. Sicherlich gibt es die Corona-Leugner, die in der Impfung die Einpflanzung von Chips sehen, um die Bevölkerung gefügig zu machen. Doch das dürfte nur ein sehr kleiner Teil sein, der auch mit besten Argumenten nicht umzustimmen sein wird. Dann gibt es all jene, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Diese Menschen gilt es vor dem tückischen Virus zu schützen. Und zwar dadurch, dass man sich impfen lässt und dazu beiträgt, mit einer möglichst hohen Impfquote dem Virus den Garaus zu machen.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss das Impftempo drastisch erhöht werden. Politik und Gesellschaft müssen alles dafür tun, jene von der Sinnhaftigkeit der Impfung zu überzeugen, die sich bisher aus Bequemlichkeit, Unwissenheit oder Ignoranz nicht für den Piks entschieden haben. Eine allgemeine Impfpflicht ist der falsche Weg, sie sollte aber für bestimmte Berufsgruppen etwa im Gesundheits- und Bildungsbereich als letztes Mittel möglich sein.
Kostenlose Tests müssen abgeschafft werden
Besser als Zwang sind Anreize und der Abbau von Hürden. Wenn der Impfbus direkt zu den Menschen kommt oder der Arbeitgeber für den Impftermin frei gibt, dürften sich viele Unentschlossene für eine Impfung entscheiden. Ein ganz wichtiger Hebel ist die Abschaffung der kostenlosen Tests. Wer als Ungeimpfter seinen Test selbst bezahlen muss, um ins Restaurant, Kino oder Konzert zu kommen, wird sich überlegen, ob er sich nicht doch impfen lässt. Und natürlich wird es so sein, dass Geimpfte oder Genesene insgesamt mehr Freiheiten haben werden als Ungeimpfte. Das hat nichts mit Privilegien zu tun, sondern mit der Ausübung von Grundrechten.
Impfverweigerer handeln unsozial
Auch das Gerede von der Impfpflicht durch die Hintertür läuft ins Leere. Wer sich nicht impfen lässt, gefährdet nicht nur sich, sondern auch andere. Das Coronavirus lässt sich Stand heute nur durch eine hohe Impfquote besiegen. Impfverweigerer verhalten sich unsolidarisch, um nicht zu sagen unsozial.
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