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EBM-Papst will in Heilbronn ein aktiver Player sein

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Klaus Geißdörfer, Chef des Mulfinger Ventilatorenherstellers EBM-Papst, und Gesellschafter Jan Philippiak erläutern im Stimme-Interview, wie sich das Geschäft mit Ventilatoren verändert. Und warum sie im Innovationspark Künstliche Intelligenz in Heilbronn mitmischen wollen.

Zwei, die sich intensiv mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandersetzen: EBM-Papst-Gesellschafter Jan Philippiak (links) und EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer im Gespräch.
Zwei, die sich intensiv mit dem Thema Künstliche Intelligenz auseinandersetzen: EBM-Papst-Gesellschafter Jan Philippiak (links) und EBM-Papst-Chef Klaus Geißdörfer im Gespräch.  Foto: Gleichauf, Christian

EBM-Papst richtet sich neu aus. Gesellschafter Jan Philippiak und Geschäftsführer Klaus Geißdörfer erläutern gemeinsam, wo sie die Chancen für die weitere Entwicklung sehen.

 

Herr Geißdörfer, Sie sind gut ein Jahr im Amt. Wie weit sind Sie gekommen mit dem ersten Paket, das Sie sich vorgenommen haben?

Klaus Geißdörfer: Weiter als ich gedacht hätte. Wir haben natürlich mit dem Krieg und den Lieferketten unvorhergesehene Herausforderungen. Was die Strategie des Unternehmens angeht, stellen wir uns jetzt aber konsequent neu auf. Wenn Sie bei uns durchs Haus laufen, sehen Sie an vielen Stellen unseren Nordstern, der uns jetzt den Weg weist. Es gab zahlreiche Workshops, in denen wir uns über die neuen Ziele und Strukturen ausgetauscht haben. Zuvor habe ich mehr als 100 Gespräche mit Mitarbeitern geführt und ein Gefühl dafür bekommen, wie die Firma tickt.

 


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Und der Nordstern zeigt jetzt einen ganz neuen Weg?

Geißdörfer: Unter anderem verändern wir unser Portfolio, gehen raus aus dem Automotive-Bereich und weg von Elektrogeräten im Haushaltsbereich, der Weißen Ware. Das haben wir zügig umgesetzt und so konnten wir beispielsweise auch notwendige Kapazitäten schaffen für die sprunghaft angestiegene Nachfrage nach Ventilatoren für Wärmepumpen.

 

Sie als Gesellschafter sind auch zufrieden, Herr Philippiak?

Jan Philippiak: Wir spüren, dass Herr Geißdörfer ein umfassendes Verständnis von strategischer Positionierung mitbringt und auch ein umfassendes Verständnis von Künstlicher Intelligenz. Er hat einen hervorragenden Start hingelegt.

 


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Die Themen Digitalisierung und KI sind ein gemeinsames Interesse von Ihnen beiden. Bisher wurde in diesem Zusammenhang immer auf die Tochter Neo in Dortmund verwiesen. Kommt jetzt Heilbronn ins Spiel?

Geißdörfer: Ich bin froh, dass es EBM-Papst Neo gibt. Der Standort Dortmund spielt für uns eine wichtige Rolle und wird bleiben. Zusätzlich werden wir unsere Digitalisierungsaktivitäten weiter verbreitern. Wir waren vor wenigen Tagen gemeinsam mit den Gesellschaftern zu einem Gespräch in Heilbronn mit Professor Gunther Friedl von der TU München. Es gibt konkrete Pläne für ein gemeinsames Projekt. Offen ist nur noch, wann und mit wie vielen Leuten es startet. EBM-Papst Neo wird in diese Aktivitäten voll eingebunden.

Philippiak: Wir werden auch im KI-Innovationspark IPAI ein aktiver Player sein. Wir sondieren derzeit, wie wir uns dort zukünftig engagieren. Unsere Produkte schaffen im Einsatz schließlich Terabytes an Daten. Die sind der Treibstoff für Künstliche Intelligenz.

 

Sie investieren privat in Start-ups, Herr Philippiak. Fügt sich das in die Aktivitäten von EBM-Papst ein?

Philippiak: Die Investitionssphären zwischen EBM-Papst und meinen persönlichen Geschäften sind strikt getrennt. Aber ich teile den optimistischen Blick auf den Bildungscluster, der in Heilbronn entsteht. Zudem engagiere ich mich in mehreren Netzwerken, wo man auch auf potenzielle Partner für EBM-Papst stoßen kann. Wir werden sehen.

 

Aber Sie sind noch sehr vorsichtig...

Geißdörfer: Wir sind zurückhaltend, weil wir über vieles noch nicht konkret sprechen können. Aber KI spielt eine Rolle auf allen Ebenen.

Philippiak: Man sieht aber an uns und anderen Unternehmen in der Region, dass wir zusammenarbeiten wollen und uns für neue Ökosysteme öffnen. Die alten Grenzen lösen sich auf. Es kann nicht mehr jeder für sich allein wirtschaften.

 

Das andere große Thema ist derzeit Nachhaltigkeit. Welche Rolle spielt sie in der neuen Unternehmensstrategie?

Geißdörfer: Die zentrale Rolle. Nachhaltigkeit ist bereits tief in der DNA des Unternehmens verankert, seitdem wir mit dem EC-Ventilator Vorreiter bei effizienter Motorentechnik sind. Trotzdem entstehen noch mehr als 90 Prozent des CO2-Fußabdrucks von Ventilatoren im eigentlichen Betrieb. Hier muss man ansetzen, und da die EC-Technik weitgehend ausgereift ist, geht es um intelligente Nutzung, um Integration in die Cloud. So sind weitere bedeutende Einsparungen möglich.

 

Dann ist der Weg zur CO2-Neutralität aber noch weit...

Philippiak: Wir machen die beste Lufttechnik der Welt und wer bei uns arbeitet, kann wirklich etwas bewegen. Wir jagen den Megatonnen CO2 hinterher, die bei unbedachtem Einsatz von Ventilatoren ausgestoßen werden. Es geht um relevante Größenordnungen, sowohl in Gebäuden als auch etwa bei neuen Server-Farmen.

Da müsste der Anreiz, auf sparsame Technik zu setzen, doch überall riesig sein. Die Nachfrage müsste geradezu explodieren...

Geißdörfer: Tut sie auch. Wir würden noch besser dastehen, wenn wir mehr liefern könnten. Aber warten Sie unsere Bilanzvorstellung ab. Wir wachsen.

 

Zum Gewinn wird Herr Geißdörfer wieder nichts sagen dürfen, oder doch, Herr Philippiak?

Philippiak: Nein, da bleiben wir zurückhaltend.

 

Wie so viele Unternehmen in Hohenlohe. Ebenso ist EBM-Papst nicht in der Tarifbindung. Bleibt auch das so, Herr Philippiak?

Philippiak: Solange - abgesehen von der IG Metall - alle Parteien zufrieden sind, wird es dabei bleiben.

 

Stattdessen gibt es in Ihrem Haus das "Bündnis für Arbeit". Da mussten auch schon Fragen vor dem Arbeitsgericht geklärt werden...

Geißdörfer: Wenn ich mich im Unternehmen umhöre, ist das Feedback, dass das Modell für uns sehr gut passt. Und ich sehe das auch so.

 

Wie viele andere Unternehmen investieren Sie derzeit in den USA. Bleibt Europa auf der Strecke?

Philippiak: EBM-Papst hat die Entscheidung für den Ausbau des US-Standorts vor dem Inflation Reduction Act getroffen, mit dem es auch Subventionen gibt. Wir sehen dort einen wachsenden Markt. Auch im Sinne der Nachhaltigkeit ist es sinnvoll, vor Ort zu produzieren. Aber Europa bleibt es unbenommen, ein ähnliches Programm aufzusetzen und sich unabhängiger vom Rest der Welt zu machen, insbesondere beim Thema Halbleiter.

 

Das heißt, langfristig werden Sie eher auf USA und Europa setzen und weniger in China investieren?

Philippiak: Das Thema China sollten wir losgelöst von aktuellen politischen Debatten betrachten. Es ist und bleibt ein großer Markt für uns. Zugleich können in China oder USA Entscheidungen getroffen werden, die unser Geschäft beeinflussen. Das werden wir genau beobachten.

 

Zu den Personen

Jan Philippiak (51) ist neben Chloë McCracken und Ralf Sturm Gesellschafter und Beiratsmitglied von EBM-Papst. Er hat in Tübingen BWL studiert und Jura in Münster, ist damit Diplomkaufmann und hat den Legum Magister (LL.M.). Er hat bei der Unternehmensberatung Roland Berger, beim Laserspezialisten Trumpf und bei EBM-Papst gearbeitet, bevor er ab 2008 als Investor tätig wurde. Hier ist er international aktiv, zuletzt verstärkt in Deutschland. Philippiak ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Klaus Geißdörfer (49) stammt aus Neustadt/Aisch. Nach seinem Studium des Chemieingenieurwesens an der Universität Erlangen-Nürnberg sammelte er unter anderem bei Siemens erste berufliche Erfahrungen. Ab 2002 war er beim Automobilzulieferer Schaeffler tätig, unter anderem als Mitglied der Geschäftsführung. 2016 wechselte er zu ZF Friedrichshafen in Passau, 2021 war er beim KI-Start-up One Logic Geschäftsführer, bevor er im November 2021 Vorsitzender der Geschäftsführung bei EBM-Papst wurde. Geißdörfer ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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