Continental investiert 14 Millionen Euro bei Hornschuch
Der Autozulieferer steht auch in turbulenter Zeit zu seinem Hohenloher Standort: Eine neue Produktionslinie und eine zukunftssichere Filteranlage sollen Mitarbeitern und Anwohnern zugute kommen.

Der Autozulieferer Continental investiert am Standort Weißbach in seine Oberflächensparte: 14 Millionen Euro sind für Erweiterung und Modernisierung bei Hornschuch vorgesehen. Damit profitiert das 1905 gegründete Hohenloher Unternehmen von der neuen Mutter. Der alte Name allerdings soll nun endgültig weichen.
Schlechte Zahlen im Corona-Jahr
Die Krise in der Automobilindustrie trifft Continental. Der Konzern musste im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 15 Prozent verkraften, der Vorsteuer-Verlust erhöhte sich von 268 Millionen Euro im Jahr 2019 auf 718 Millionen Euro 2020.
Die Einheit in Weißbach, die seit 2017 nicht mehr selbstständige Konrad Hornschuch AG, konnte ihren Umsatz dagegen erhöhen. Genaue Zahlen gibt das Unternehmen für den Standort nicht mehr heraus.
Mitarbeiter sollen von Investition profitieren
In Weißbach beschäftigt Continental derzeit rund 1000 Mitarbeiter. Viele von ihnen werden von den Investitionen profitieren, weil sich durch eine geplante vierte Produktionsanlage auch individuelle Arbeitszeiten verbessern: Vorgesehen ist, dass die Maschinen nach deren Produktionsstart Anfang 2023 nicht mehr über das Wochenende durchlaufen.
Der Standort kann so zu einem Schichtbetrieb ohne Sonntagsarbeit zurückkehren, wie das Unternehmen in einer Mitteilung erläutert. Allein zwölf Millionen Euro investiert Continental für diese vierte Anlage zur Folienherstellung.
Wandgestaltung liegt im Trend
"Damit sichern wir die Zukunftsfähigkeit unseres Werks für Oberflächenmaterialien und geben gleichzeitig unseren Mitarbeitern eine Perspektive", erklärt Hornschuch-Vorstand Dirk Leiß, der bei Continental die Geschäftseinheit Oberflächen leitet. Insgesamt soll die Kapazität des Standorts durch die neue Produktionslinie deutlich steigen.
In Weißbach werden unter anderem Design- und Funktionsfolien für Endverbraucher produziert - etwa für die dekorative Wandgestaltung, die in Corona-Zeiten stark gefragt war. Für den Industriebereich werden haltbare und wetterbeständige Außenfolien für Fensterprofile, Haustüren, Garagen und Fassaden hergestellt. Zudem kommen Folien in Fahrzeuginnenräumen zum Einsatz.
Saubere Luft für die Nachbarn
Weitere zwei Millionen Euro fließen für eine zusätzliche Abluftreinigungsanlage, die auch Anwohner vor Immissionen schützen soll, wie das Unternehmen mitteilt. Hintergrund sind auch schärfere Grenzwerte, die in den nächsten Jahren gelten. Diese Anlage wird voraussichtlich im Herbst 2022 in Betrieb gehen.
"Wir haben sogar noch Reserven für Mengenänderungen oder für eine zusätzliche Maschine", sagt Vorstand Leiß. Bei einem weiteren Ausbau der Produktion ist die Anlage erweiterbar. "Damit ist diese Investition ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft", so Leiß. Die einzige bittere Pille aus Hohenloher Sicht: Der Name Hornschuch soll in der Kommunikation nach außen wie auch intern nicht weiter genutzt werden.
Lichtblick in trübem Umfeld
Continental gab im vergangenen Jahr bekannt, weltweit 30.000 Stellen abbauen zu wollen, davon 13.000 in Deutschland. Der Konzern beschäftigt aktuell mehr als 235.000 Mitarbeiter in 58 Ländern. 2021 feiert das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen.
Bei der Jahrespressekonferenz von Continental am Dienstag in Hannover sagte Vorstandschef Nikolai Setzer: "Operativ haben wir uns 2020 gemäß den Umständen gut behauptet." Unter dem Strich aber habe das Unternehmen weitgehende Rückschläge zu verkraften. Das Nettoergebnis lag bei minus 962 Millionen Euro.
Der Continental-Standort Weißbach ist daher ein Lichtblick in einem insgesamt schwachen Marktumfeld. Im vergangenen Jahr ging die Investitionsquote auf 5,9 Prozent zurück, nach 7,4 Prozent im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Vor diesem Hintergrund ist es bemerkenswert, dass die Mitarbeiterzahl in Weißbach stabil bleibt und zusätzlich Millionen investiert werden.
Das aktuelle Geschäftsjahr ist für Continental aufgrund des Lieferengpasses im Bereich Halbleiter verhalten angelaufen. Dennoch rechnet der Autozulieferer mit einer deutlichen Markterholung gegenüber 2020.
Kommentare öffnen


Stimme.de
Kommentare