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Prominenter Besuch: Bundeskanzler Scholz und EBM-Papst-Azubis tauschen sich auf Hannover-Messe aus

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Zum Auftakt der Hannover-Messe macht der Kanzler klar, wo Deutschland Nachholbedarf hat. Bei seinem Besuch am Stand von EBM-Papst stehen die Auszubildenden im Mittelpunkt - und deren Wunsch, dass man ihnen mehr zutraut.

Bundeskanzler Olaf Scholz und Indonesiens Staatspräsident Joko Widodo (links) informieren sich bei EBM-Papst-Studentin Melanie Bildhoff.
Bundeskanzler Olaf Scholz und Indonesiens Staatspräsident Joko Widodo (links) informieren sich bei EBM-Papst-Studentin Melanie Bildhoff.  Foto: Gleichauf, Christian

Bundeskanzler Olaf Scholz hat auf der Hannover-Messe umrissen, wie er die deutsche Wirtschaft wieder stärken will. Es gelte, die Transformation in Richtung Klimaneutralität in Deutschland anzupacken. "Sie ist der große Treiber für Beschäftigung und Wachstum", sagte Scholz zum Auftakt der weltgrößten Industriemesse am Sonntagabend. Zudem zeigte er sich bei seinem Messerundgang am Montag (17. April 2023) interessiert an Ansätzen, die Unternehmen wie der Mulfinger Ventilatorenbauer EBM-Papst präsentieren.

Neue Deutschland-Geschwindigkeit nötig

Um Deutschland von einigen Fußfesseln zu befreien, brauche es neben Verlässlichkeit der Politik auch als zentrales Element die zuletzt häufiger zitierte neue "Deutschland-Geschwindigkeit", erklärte Scholz bei der Eröffnungsveranstaltung am Sonntagabend vor Vertretern der größten Industrieunternehmen des Landes. "In den vergangenen Jahren ist viel liegengeblieben. Aber das holen wir jetzt auf", kündigte er an.


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Was nun nötig sei, hat Scholz an einigen Beispielen ausrechnen lassen: Vier bis fünf Windräder müssten künftig pro Tag gebaut werden, mehr als 40 Fußballfelder Photovoltaik, 1600 Wärmepumpen installiert und vier Kilometer Übertragungsleitung verlegt werden. "Das wird ein Kraftakt", das weiß auch der Bundeskanzler.

Um nicht trotz voller Auftragsbücher ausgebremst zu werden, braucht es Scholz zufolge genügend Fachkräfte. Berufliche Qualifikation und der Ausbau der Kinderbetreuung seien wichtig, würden aber wohl nicht ausreichen, räumte der Kanzler ein. "Deshalb geht es auch um Arbeitskräfte aus aller Welt, die hier in Deutschland mit anpacken wollen." Weniger Bürokratie und schnellere Verfahren brauche es obendrein - der Applaus für Scholz zeigte, dass die anwesenden Wirtschaftsvertreter das genauso sehen.

Viel internationale Konkurrenz für Deutschland

Verbände wie der BDI und der Maschinenbauverband VDMA wiesen aber auch auf die harte internationale Konkurrenz für die deutsche Wirtschaft hin. "Deutschland und Europa müssen sich im globalen Wettbewerb mehr anstrengen, um mit anderen Weltregionen mithalten zu können", sagte VDMA-Chef Klaus Haeusgen. "Wir dürfen uns nicht auf den Erfolgen von gestern ausruhen."


Am Montagvormittag machte sich Scholz dann ein Bild von dem, was die deutsche Industrie und ihre Partner aus aller Welt zu leisten imstande sind, und wie sie sich der Welt hier präsentieren. Den Stand des Mulfinger Familienunternehmens EBM-Papst etwa, den in diesem Jahr die Azubis und Studenten konzipiert hatten. Die 22-jährige Melanie Bildhoff thematisierte dabei auch den Fachkräftemangel und betonte, wie wichtig es sei, Nachwuchskräften auch in der Ausbildung etwas zuzutrauen.

Respekt von Kretschmann für Azubis

Das wusste am Nachmittag auch der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) zu würdigen, der zweite prominente Politiker am EBM-Stand an diesem Tag. Tobias Runge etwa erklärte, wie ein Luftpolster dafür sorgt, dass sich die Welle des neuen, nachhaltigen Turbo-Kompressors verschleißfrei bewegt. Kretschmann zollte den Azubis für ihre Präsentation ausdrücklich "Respekt".


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Die Hannover-Messe als wichtigste Industrieschau der Welt fiel wegen der Corona-Pandemie 2020 in Präsenzform ganz aus. In den beiden vergangenen Jahren gab es die Messe nur als digitale und verkleinerte Ausgabe. Ein Kernthema sind diesmal Klimaschutz und die effizientere Nutzung von Energie.

Regionale Präsenz auf der Messe

Aus der Region Heilbronn-Franken sind in diesem Jahr einige Unternehmen auf der Hannover-Messe vertreten. Auch die Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, Elke Döring, hatte sich gen Norden aufgemacht und besuchte am Montag zahlreiche regionale Stände. Keine Hoffnung machte sie auf Nachfrage allerdings auf einen neuen Gemeinschaftsstand, wie es ihn viele Jahre für die Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken auf der Hannover-Messe gegeben hatte. "Die Unternehmen wollten entweder individuell vertreten sein oder gar nicht", sagt Döring zur Begründung. Die Nachfrage nach einem Gemeinschaftsstand aus der Region sei einfach nicht da.

 

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