Baugewerbe profitiert nicht in gleichem Maße vom Preissprung in der Branche
Viele Aufträge, steigende Preise, Lieferschwierigkeiten, Fachkräftemangel - und dann wird auch noch die Förderung gestoppt. Die Bauwirtschaft schaut mit gemischten Gefühlen ins laufende Jahr.

Bauen wird auch dieses Jahr noch einmal um rund zehn Prozent teurer werden, vermuten Vertreter der Baubranche im Land. "Das ist natürlich nicht förderlich, um das Ziel zu erreichen, bezahlbaren Wohnraum herzustellen", kommentierte Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, bei der Jahrespressekonferenz am Donnerstag. Er hofft, dass sich die Lage ab dem zweiten Quartal beruhigt.
Alles wird teurer, doch der Umsatz steigt kaum
Trotz eines Preissprungs von fast 15 Prozent im vergangenen Jahr profitierte das Baugewerbe nicht in gleichem Maße beim Umsatz. Der legte im Bauhauptgewerbe nur um 0,8 Prozent auf 12,91 Milliarden Euro zu. Deutlicher ging es beim Auftragseingang nach oben, allerdings sei das Bild hier teilweise von Großprojekten verzerrt.
Gebremst wird das Wachstum zum einen durch die Lieferengpässe, zum anderen durch den Fachkräftemangel. 2200 offene Stellen könnten sofort besetzt werden, erklärte der Hauptgeschäftsführer Thomas Möller. Insgesamt würden in den nächsten Jahren außerdem zehn Prozent der Beschäftigten aus Altersgründen ausscheiden - noch einmal rund 7000 Stellen, die wieder besetzt werden müssen, wie Böll betonte.
Mehr Zuwanderung, mehr Frauen
Die Bauwirtschaft setzt deshalb große Hoffnungen auf das neue Zuwanderungsgesetz, das von der Bundesregierung angekündigt wurde. Zudem gebe es Qualifizierungsprogramme wie das erfolgreiche Berufsstart Bau, das eine Art vorgelagertes Ausbildungshalbjahr ist und nahtlos in eine Ausbildung übergehen kann.
Bei Arbeitskräften aus dem Ausland komme es unter anderem auf ausreichende Sprachkenntnisse an, ohne die jede Prüfung eine große Hürde darstelle. Einen weiteren Pool an potenziellen Bau-Beschäftigten bilden die Frauen. "Die Akzeptanz gegenüber Frauen auf dem Bau hat sich sehr gewandelt", sagte Mathias Waggershauser, Vizepräsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.
Autobahn GmbH vor allem mit sich selbst beschäftigt
Waggershauser blickt allerdings mit Sorge auf die Investitionen im Verkehrsbereich. Er ist selbst mit seinem Unternehmen in Kirchheim unter Teck im Straßenbau tätig und beklagt, dass die im vergangenen Jahr gestartete Autobahn GmbH vor allem mit sich selbst beschäftigt gewesen sei. "Die Umsätze sind um rund 1,2 Prozent zurückgegangen." Zahlreiche Verkehrswege seien weiter sanierungsbedürftig.
Wenn die neue Bundesregierung nun vorhabe, mehr Mittel in die Schiene als in die Straße fließen zu lassen, dann plädiere er dafür, das eine zu tun, ohne das andere zu lassen.
Noch sind die Folgen des Förderstopps kaum absehbar
Angesichts so vieler Hemmnisse scheint das Ziel der Bundesregierung, 400 000 Wohneinheiten im Jahr bauen zu lassen, den Funktionären ohnehin schon ambitioniert. "Es wird durchaus schwieriger werden, unter diesen Voraussetzungen Projekte umzusetzen."
Ausgerechnet jetzt komme dann auch noch die Streichung der KfW-Förderung dazu. "Von heute auf morgen fehlen da 100 000 Euro", so Markus Böll. Bemerkbar machen werde sich das für die Bauwirtschaft frühestens Ende des Jahres, weil es hier um Projekte geht, für die noch keine Unternehmen beauftragt wurden.
Die Hoffnungen liegen nun auf dem Land Baden-Württemberg, dass Regelungen gefunden werden, die es den Betroffenen ermöglichen, noch eine gewisse Förderung zu erhalten. Ein Sondergipfel, der von der baden-württembergischen Bauministerin Nicole Razavi angeregt wurde, könnte hier Klarheit bringen.
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