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Elektrifizierung und Entlassungen
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Autobranche in Heilbronn-Franken kämpft mit Wandel

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Die Transformation ist vor allem bei der Autoproduktion schon seit Jahren ein Thema. Jetzt kommt sie mit Wucht und stellt viele regionale Betriebe vor Probleme.

Bei Läpple Automotive in Heilbronn läuft es dank großer Aufträge von Premiumherstellern sehr gut. Das ist allerdings nicht bei allen Autozulieferern in der  Region der Fall.
Foto: Läpple
Bei Läpple Automotive in Heilbronn läuft es dank großer Aufträge von Premiumherstellern sehr gut. Das ist allerdings nicht bei allen Autozulieferern in der  Region der Fall. Foto: Läpple  Foto: Alternativer Fotograf

Die Transformation in der Automobilbranche ist eine zentrale Herausforderung für die Wirtschaft in der Region Heilbronn-Franken. Die Lage ist unübersichtlich: Es gibt Zulieferer, die gut aufgestellt sind und für das schwierige Jahr 2024 gewappnet scheinen. Doch die sich häufenden negativen Schlagzeilen zeigen, dass auch eine starke Region wie unsere den Umbruch in Zeiten einer Rezession nicht ohne weiteres schafft.

Immerhin hat man sich hier schon früh um das Thema gekümmert. Auf Initiative des Vereins Pro Region war schon im Frühjahr 2020 das Bündnis für Transformation gegründet worden. Es sollte sich als Glücksfall erweisen bei der Bewerbung um Bundesmittel, weil wichtige Vorarbeiten schon geleistet waren.

Mehr als zehn Millionen Euro für Mobilitätsstandort Heilbronn-Franken

Mehr als zehn Millionen Euro gab es dann aus Berlin für das Netzwerk "Transformotive", das bei den Wirtschaftsfördergesellschaften WFG für den Raum Heilbronn und WHF für die Region Heilbronn Franken angesiedelt ist. Die engen Bande werden auch dadurch dokumentiert, dass sich das Bündnis und Transformotive ein Logo teilen.

Nachdem einige Hürden überwunden waren, konnte es im Sommer 2023 mit etwas Verspätung losgehen. Seitdem laufen die Beratungen in den Unternehmen, die sich jetzt mit dem Thema Digitalisierung und Elektrifizierung im Automotive-Bereich auseinandersetzen. Mehr als 100 Unternehmen wurden schon besucht, erzählt WFG-Geschäftsführer Patrick Dufour. "Das läuft, auch wenn wir derzeit in der Öffentlichkeit nicht so sichtbar sind."

Nicht nur bei Audi wurden zuletzt Leiharbeiter entlassen

Beim Stand der Transformation in der Region sieht Dufour ein sehr heterogenes Bild. "Es gibt Unternehmen, die vor der Welle schwimmen, und andere, die schon von der Welle überspült werden." Nicht nur bei Audi - wie von stimme.de berichtet - wurden zuletzt Leiharbeiter entlassen.

Der österreichische Zulieferer Magna etwa schließt seinen erst 2015 eröffneten Standort in Heilbronn - 140 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Mancher Zulieferer und einige Industrieunternehmen stehen derzeit mit dem Rücken zur Wand und müssen nach neuen Geschäftsmodellen und neuen Kunden suchen. "Da schlägt zusätzlich die allgemeine konjunkturelle Lage jetzt durch", so Dufour.

Bei Läpple Automotive in Heilbronn ist Auslastung auf Jahre gesichert

Es gibt aber auch positive Nachrichten aus der Autobranche. Bei Läpple Automotive in Heilbronn, der gerade Fibro Rundtische an den Manager Heiko Asum verkauft hat, ist die Auslastung dank großer Aufträge von Premiumherstellern auf Jahre gesichert. Und am Kolbenschmidt-Standort Neckarsulm stehen die Zeichen auf Wachstum, nachdem die Bereiche Großkolben und Kleinkolben mit neuen, ambitionierten Eigentümern durchstarten können. Der finnische Autozulieferer Valmet hat in Kirchardt ein Batteriewerk in Betrieb genommen, um den Hochlauf der E-Mobilität zu unterstützen.

Transformotive läuft noch bis Mitte 2025. Aber auch danach soll es für das Netzwerk weitergehen. Schließlich soll eine Clusterbildung aktiv begleitet werden. Aus der traditionsreichen Automobilregion soll dann ein Standort der Mobilitätswirtschaft werden, sagt Johanna Häfele, die Transformotive vonseiten der WHF betreut. "Es geht also nicht mehr nur ums Auto, sondern um Mobilitätssysteme."

Bildungscampus, Zulieferer und Audi in Neckarsulm arbeiten zusammen

Die Region Heilbronn-Franken könnte dann auch ihre wachsende Stärke im Bereich Digitalisierung und Künstliche Intelligenz nutzen, um neue Ansätze zu finden. Schon jetzt tut sich rund um dieses Thema einiges. Mit der Automotive Initiative 2025 gibt es einen Verbund aus Bildungs- und Forschungseinrichtungen rund um den Bildungscampus, Zulieferern und Audi am Standort Neckarsulm, die Produktion und Logistik auf die nächste Stufe heben wollen. An der Weiterentwicklung der Fahrzeugsoftware ist das Ferdinand-Steinbeis-Institut beteiligt. An der Hochschule Heilbronn ist autonomes Fahren schon seit vielen Jahren ein Forschungsschwerpunkt.

Grundsätzlich passt hier also schon vieles zusammen. 2024 wird für die regionale Wirtschaft zweifellos ein herausforderndes Jahr, aber keines, das nicht zu meistern wäre.

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