Audi macht Rekordgewinn und legt ambitionierte Ziele vorerst auf Eis
Audi war trotz der Chipkrise im vergangenen Jahr hochprofitabel. Eine Prognose fürs laufende Jahr wurde angesichts des Kriegs in der Ukraine zurückgenommen. Zur Formel 1 lässt der Autobauer die Gerüchteküche brodeln.

Während die Bänder in Neckarsulm und Ingolstadt wegen fehlender Teile aus der Ukraine überwiegend stillstehen, präsentierte der Autohersteller Audi außerordentliche Gewinn- und Umsatzzahlen für das Jahr 2021.
Trotz der Produktionsausfälle im Zuge des Halbleitermangels - eine sechsstellige Zahl an Autos habe nicht produziert werden können - stiegen Umsatz und Ergebnis deutlich. 5,5 Milliarden Euro Gewinn machte die Marke mit den vier Ringen.
Umsatzsprung wohl nicht mehr zu machen
Die eigentlich vorgesehene Prognose für das laufende Jahr wurde wieder kassiert. Vor der russischen Invasion war Finanzvorstand Jürgen Rittersberger noch davon ausgegangen, dass der Umsatz in diesem Jahr um mindestens 17 Prozent steigen würde, der Absatz sollte um mehr als sechs Prozent steigen.
Weiterhin gültig sind die Zielvorgaben für 2030: Dann soll die Umsatzrendite bei über elf Prozent liegen, bei der Marke Lamborghini sogar bei über 25 Prozent. Dafür wird bei Lamborghini auch investiert: bis 2026 1,8 Milliarden Euro. "Unter anderem bringen wir eine vierte Baureihe auf den Markt", verriet Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann. Dabei handle es sich um ein reines Elektromodell.
Ducati mit Rekordabsatz
"Durch Synergien in der Audi-Markengruppe erwarten wir in den nächsten Jahren Einsparungen im dreistelligen Millionenbereich", erklärte Audi-Chef Markus Duesmann. Die Elektro-Plattform PPE kann auch für Premium-Marken wie Bentley genutzt werden. Weitere Angaben zum Neuzugang der Audi-Gruppe wurden nicht gemacht. Bentley wird erst mit dem Geschäftsjahr 2022 konsolidiert.
Außerordentlich positiv entwickelte sich aber das Geschäft der Tochter Ducati. Annähernd 60.000 verkaufte Motorräder waren ein Rekordwert und ein beeindruckendes Plus von 24 Prozent gegenüber 2020.
Der Blick zurück: Im vergangenen Jahr wurden 1,7 Millionen Fahrzeuge ausgeliefert, ein kleines Minus gegenüber dem Vorjahr. Im Jahresverlauf waren deutliche Schwankungen zu verzeichnen. Nach dem ersten Halbjahr war Audi auf Rekordkurs. Im zweiten Halbjahr ging der Absatz um 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr nach unten. Gleichzeitig ging der Umsatz um gut sechs Prozent nach oben, der operative Gewinn wurde mehr als verdoppelt.
Keine Kaufanreize, höhere Marge
Der größte Treiber hinter der erhöhten Profitabilität war die "gute Preisdurchsetzung", wie Vertriebsvorständin Hildegard Wortmann erläuterte. Zudem habe man keine zusätzlichen Kaufanreize mehr schaffen müssen. "Wir verfolgen für Audi grundsätzlich eine Premium-Preis-Strategie. Die werden wir auch fortsetzen", erklärte Wortmann.
Einen wachsenden Anteil am Geschäft hatten die batterieelektrischen Fahrzeuge. Um 57,5 Prozent legten die Verkäufe zu, der Anteil am gesamten Absatz lag damit bei fünf Prozent. 6900 Mal wurde der in Heilbronn gebaute elektrische Supersportler E-Tron GT verkauft. Allein damit dürfte ein Umsatz von mehr als einer dreiviertel Milliarde Euro erzielt worden sein.
Und es bleibt aber dabei: Erst ab Mitte des Jahrzehnts werden in Neckarsulm nach und nach reinelektrische Fahrzeuge produziert, wie Audi-Chef Markus Duesmann betonte.
Nachfolger für R8 und TT?
Angesprochen auf mögliche Nachfolger für R8 und TT erklärte Entwicklungsvorstand Oliver Hoffmann, Audi müsse und werde wieder überraschen. Auch sportliche Fahrzeuge würden künftig vollelektrisch sein. Mehr ließ er sich nicht entlocken, auch nicht zu dem "Gerücht", dass Audi einen Wiedereinstieg in die Formel 1 plane.
Audi steht zur Ukraine
Bei der virtuell abgehaltenen Jahrespressekonferenz zeigte sich der gesamte Audi-Vorstand von den Vorgängen in der Ukraine bestürzt. Immerhin wird dort noch in manchen Werken der insgesamt 18 Zulieferer produziert. Keinesfalls will Audi die Lieferkette verlagern, die Aufträge würden nicht abgezogen. Stattdessen werde die Fertigung von Kabelbäumen "dupliziert", wie Beschaffungsvorstand Dirk Große-Loheide erklärte. In Rumänien sei eine neue Produktion bereits angelaufen. Woche für Woche sollen neue Fertigungen hochgefahren werden. Noch immer treffen sich in Wolfsburg täglich mehr als 100 Vertreter aus dem VW-Konzern und von Zulieferern, um Lösungen zu finden.
Darüber hinaus hat Audi eine Spende von einer Million Euro auf den Weg gebracht, Audi-Mitarbeiter haben zusätzlich mehr als eine Million Euro gespendet.
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