Warum es bei EBM-Papst kein Impf-Pilotprojekt geben wird
EBM-Papst bot sich als Pilotunternehmen fürs betriebliche Impfen an und bekommt nun die Absage von der Landesregierung. Die IHK Heilbronn-Franken findet dafür klare Worte. Währenddessen bereitet Bayern seine Test-Kampagne in Unternehmen vor.

Die Landesregierung hat das Angebot des Mulfinger Ventilatorenbauers EBM-Papst, mit einem vorbereiteten Konzept als Pilotunternehmen die Impfung im Betrieb zu testen, abgelehnt. Derzeit bestehe dazu "keine Notwendigkeit", heißt es in Antwortschreiben an EBM-Papst-Chef Stefan Brandl. Der will es nicht dabei bewenden lassen.
Früh gezeigt, dass man Verantwortung übernimmt
Vor einem Monat hatte Brandl Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Vorschlag unterbreitet. "Das Konzept ist erstellt und unsere Betriebsärzte und Betriebssanitäter stünden in Kooperation mit dem Deutschen Roten Kreuz bereit", hatte er damals geschrieben.
Seit über einem Jahr schon hat der Mulfinger Ventilatoren- und Motorenbauer in vorbildlicher Weise gezeigt, wie man mit regelmäßigen Tests und einem funktionierenden Hygienekonzept eine Ausbreitung des tückischen Virus im Unternehmen verhindern kann. In den vergangenen Wochen waren etwa 15 Mitarbeiter positiv getestet worden, doch alle blieben Einzelfälle.
Staatsministerium: Derzeit nicht planbar
Die Antwort aus dem Staatsministerium, war jedoch eindeutig: Die Versorgung mit Impfstoffen sei nicht planbar, zudem müssten noch offene Fragen geklärt werden, so heißt es in dem Schreiben. Vor diesem Hintergrund sehe die Landesregierung keine Notwendigkeit, "die Impfung in den Betrieben mit einem Modellprojekt zu erproben".
Stefan Brandl hatte, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion einräumt, bereits mit einer Absage gerechnet. Dass die Antwort aber zum großen Teil "das übliche Geplänkel" enthalte und im übrigen ein Standardschreiben sei, habe ihn doch enttäuscht. "Ich werde darauf noch einmal antworten", kündigt Brandl an.
Brandl vermisst die Strategie nach einem Jahr Pandemie
Es gehe ihm darum, seine Erwartungshaltung zu formulieren: "Wir brauchen eine klare Strategie, wenn wir irgendwann in das Thema einsteigen wollen. Momentan gibt es keine Strategie, da hangelt man sich offensichtlich von Tag zu Tag." In den ersten Monaten der Pandemie habe er dafür noch Verständnis gehabt, doch jetzt nicht mehr.
Offene Fragen gebe es noch zuhauf. Dabei sei die vom Ministerium erwähnte Kostenübernahme das geringste Problem, wie EBM-Papst-Sprecher Hauke Hannig sagt. "Wir gehen davon aus, dass wir den Impfstoff zur Verfügung gestellt bekommen, die übrigen Kosten würden wir schon übernehmen." Auch die Haftungsfrage könne wohl wie bei einer Grippeimpfung geregelt werden. Damit hat EBM-Papst Erfahrung.
Anleitung für kleinere Unternehmen wäre hilfreich
Es gehe doch darum, eine Art Gebrauchsanleitung vor allem für die kleinen wie größeren Mittelständler zu erarbeiten. Wie viele Helfer, wie viele Impfkabinen und Spritzen werden benötigt? Wie viel Zeit und Platz sollte man einplanen?
Auch in der Kommunikation könne man noch Erfahrung sammeln, denn Mitarbeiter hätten teils auch Ängste, da sei Aufklärung gefragt, wie Hannig betont. Und natürlich dürfe man nicht eine ganze Abteilung an einem Tag impfen, weil immer das Risiko besteht, dass sich einige danach nicht wohl fühlen. So etwas könne man vorab bei Pilotprojekten durchspielen.
In Bayern sollen zehn Firmen vorangehen
Das hat Bayern offenbar erkannt. In einer Kabinettssitzung am Mittwoch hatte die Landesregierung in München beschlossen, noch im April Modellprojekte in zehn größeren Unternehmen auf den Weg zu bringen.
"Derzeit werden die Voraussetzungen sowie geeignete Unternehmen zusammen mit dem Verband der Bayerischen Wirtschaft evaluiert", erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Ein konkreter Impfbeginn stehe noch nicht fest.
Sozialministerium in Stuttgart verweist auf Impfgipfel
Das in Baden-Württemberg zuständige Sozialministerium begrüßt auf Stimme-Nachfrage das Engagement der Unternehmen, die sich hier einbringen wollen. Wie es weitergeht, soll auf einem Landesimpfgipfel besprochen werden, zu dem Minister Manne Lucha am Freitag, 16. April, einlädt. Das Ministerium wiederholt aber auch: Derzeit gebe es nicht genügend Impfdosen für ein Pilotprojekt.
Kritik von der IHK
Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, kritisiert die zaghafte Haltung des Landes: „Gerade jetzt, wo die Infektionszahlen steigen und die Impfkampagne – leider noch viel zu langsam – an Fahrt aufnimmt, sollte jede Initiative aus der Wirtschaft um diesem Zustand Abhilfe zu schaffen, wahrgenommen werden.“ Leider zeige sich hier wieder einmal, wie weit die Politik sich von der Lebensrealität entfernt hat, wie sie „in überbordender Bürokratie verharrt“ und so wertvolle Zeit verstreichen lasse. „Zeit, die die Wirtschaft nicht mehr hat“, wie Döring betont.
Audi ist vielleicht in Bayern mit dabei
Der Autobauer Audi hatte vor einigen Wochen ebenfalls schon erklärt, das Unternehmen sei bereit für eine eigene Impfkampagne in den Werken, sowohl in Ingolstadt als auch in Neckarsulm. "Wir haben die Bereitschaft signalisiert, dass wir impfbereit sind", erklärte eine Unternehmenssprecherin. Eine offizielle Rückmeldung aus Stuttgart hat es bis dato noch nicht gegeben. Man stehe aber immer in engem Austausch. Dafür könnte es in Bayern mit einem Pilotprojekt klappen. Dort arbeiten das Gesundheitsministerium und der Verband der bayerischen Wirtschaft gemeinsam an dem Thema. Ob Audi dabei zum Zuge kommt, sei offen, erklärt die Sprecherin.


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