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3G am Arbeitsplatz wirft bei Unternehmen Fragen auf

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Jeder muss kontrolliert werden, sehr viele getestet. Der erste Tag ist überstanden, doch es besteht offenkundig Klärungsbedarf.

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Foto: dpa  Foto: Matthias Balk

Die Unternehmen in der Region haben den ersten Tag mit der 3G-Regel am Arbeitsplatz gut gemeistert, wie eine Umfrage zeigt. Allerdings gibt es viele offene Fragen.

IHK Heilbronn-Franken

Die IHK Heilbronn-Franken macht ihren Unmut über die Regelung deutlich. "Die ab heute gültige 3G-Regelung am Arbeitsplatz wirft bei unseren Mitgliedsunternehmen sehr viele Fragen auf und sorgt für eine große Verunsicherung", teilt die Kammer mit. Viele Unternehmen stünden vor der Frage, wie sie ihrer Kontrollpflicht nachkommen sollen - auch, weil eine elektronische Nachweisbarkeit der Impfung gefordert wird und der Impfpass nicht ausreiche.

Weitere Fragen seien, welche Tests gültig sind und wer sie durchführen darf. "Wir können sagen, dass Tests, die unter Aufsicht in den Unternehmen durchgeführt werden, nach wie vor Gültigkeit im Rahmen der 3G-Regelung besitzen", so die IHK. Unklar sei auch, wie mit Arbeitnehmern umgegangen werden soll, die den 3G-Regeln nicht entsprechen.

"Insgesamt wird leider wieder einmal klar, dass politische Entscheidungen auf dem Rücken der Wirtschaft ausgetragen werden", schreibt die Kammer. Die Politik habe es wieder einmal versäumt, klare und funktionell umsetzbare Regelungen zu erlassen. "Stattdessen werden die Betriebe mit der Auslegung der Verordnungen sträflich allein gelassen."

Handwerkskammer

Ralf Schnörr, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, sagt: "Die neuen Regeln werden von vielen Betrieben unterstützt. Der Beratungsbedarf ist allerdings hoch."


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EBM-Papst

EBM-Papst hat das Testen und Kontrollieren dezentral organisiert. "Wir machen das auf Gruppen- oder Teamleiterebene, sodass jeder etwa für zehn Personen zuständig ist", erklärt Hauke Hannig, Sprecher des Ventilatorenherstellers aus Mulfingen. Die Schnelltests finden außerhalb der Arbeitszeit statt. Das sei ein wichtiges Signal an die Geimpften.

Schon in den vergangenen Wochen hat die betriebsinterne Impfkampagne wieder Fahrt aufgenommen. "Neben Booster-Impfungen sehen wir auch zunehmend wieder Erstimpfungen", so Hannig. So wurden vor anderthalb Wochen in Mulfingen 126 Mitarbeiter geimpft, 76 davon zum ersten Mal. Insgesamt erhielten rund 1500 Personen an den deutschen Standorten den Piks.

Ziehl-Abegg

Beim Künzelsauer Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg müssen sich die Mitarbeiter bald selbst um die Tests kümmern. "Die nächsten zwei Wochen noch wird in den Fachbereichen unter Aufsicht getestet", erläutert Personalleiterin Jenny Wacker. Danach gibt es zentrale Stationen, wo nur noch zwei Tests pro Woche auf Kosten des Arbeitgebers gemacht werden. Man setze damit die Vorgaben um. "Aber der Ton wird rauer", so Wacker.

Was passiert, wenn extern keine Testkapazitäten mehr vorhanden sind, müsse man abwarten. "Grundsätzlich ist die Regel so, dass Ungeimpfte ohne Test nach Hause geschickt werden, ohne Lohnfortzahlung", sagt Wacker. Gleichzeitig versuche man, die Hürden fürs Impfen so niedrig wie möglich zu halten. Es werden betriebliche Impfungen angeboten. Zudem ist der von Ziehl-Abegg zur Verfügung gestellte Impfbus wieder unterwegs. Den Anteil der Ungeimpften im gewerblichen Bereich schätzt Wacker übrigens auf 40 Prozent.

Spedition Rüdinger

Bei der Krautheimer Spedition Rüdinger berichtet geschäftsführender Gesellschafter Roland Rüdinger: "Wir begannen mit den Tests gestern ab 17 Uhr für die Mitarbeiter, die heute sehr früh weg mussten. Heute war auf unserem Betriebsgelände die Teststation ab 6 Uhr im Einsatz. Es war reger Betrieb." Viele Mitarbeiter mussten sich testen lassen, obwohl sie geimpft sind - weil die Impfung erst wenige Tage zurückliegt.

"Für alle Mitarbeiter, die auf unserem Speditionsgelände arbeiten, funktioniert das ganz gut, ebenfalls für unsere Nahverkehrsfahrer", berichtet Rüdinger. "Wie das mit den Fernverkehrsfahrern funktionieren soll, die mehrere Tage unterwegs sind, diskutieren wir noch." Teilweise könnten sich die Betroffenen an den Be- oder Entladestellen testen. "Schön wäre es, wenn es an den Autobahnraststätten Testzentren gäbe. Dort gäbe es geeignete Parkplätze."

Läpple

Bei der Heilbronner Läpple-Gruppe erfolgte die Abfrage zum Status aller Mitarbeitenden über die jeweils direkte Führungskraft. "Für alle ohne dauerhaften Nachweis gibt es an unseren Standorten die Möglichkeit zur kostenlosen, täglichen Testung", teilt eine Sprecherin mit. Auch immunisierte Mitarbeitende sind angehalten, sich zusätzlich zwei Mal pro Woche zu testen.

Konz & Schäfer

Beim Untergruppenbacher Fliesen-Fachbetrieb Konz & Schaefer hat man das Problem elegant gelöst. "Unsere Mitarbeiter wurden alle bei unserem Betriebsarzt geimpft, somit haben wir das Thema nicht", sagt Geschäftsführer Sven Blümel. Zudem testen sich alle Mitarbeiter zwei Mal pro Woche.

Würth-Gruppe

Während bei manch kleinerer Firma in absehbarer Zeit die Testkits knapp werden dürften, hat Würth offenbar vorgesorgt. Der Schraubenhändler aus Künzelsau bietet seinen ungeimpften Mitarbeitern an, sich täglich vor Arbeitsbeginn testen zu lassen. Über die gesetzliche Vorgabe hinaus fordert das Unternehmen auch von seinen geimpften und genesenen Mitarbeitern, sich zweimal pro Woche zu testen. Das gilt auch im Außendienst. Nichtgeimpfte müssen auch dort täglich einen Schnelltest unter Aufsicht vornehmen. Die Testergebnisse werden dann per Fotodokumentation an die Vorgesetzten geschickt.

 

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