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Der bittere Blick der Heilbronner Schilling-Beschäftigten nach Wien

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Das Heilbronner Werk soll Ende Mai schließen und wird jetzt noch einmal in der Tarifrunde bestreikt. Verhandlungen über den Sozialplan laufen. Die Runde macht derzeit ein Artikel über die Führungsriege des Mutterkonzerns Mayr-Melnhof.

Ein letzter Solidaritätsgruß an die Papier-Branche: Streik beim Verpackungswerk MM Schilling, das im Mai geschlossen werden soll.
Foto: Christian Gleichauf
Ein letzter Solidaritätsgruß an die Papier-Branche: Streik beim Verpackungswerk MM Schilling, das im Mai geschlossen werden soll. Foto: Christian Gleichauf  Foto: Gleichauf, Christian

Zum 31. Mai soll das Verpackungswerk Schilling in Heilbronn durch die österreichische Konzernmutter Mayr-Melnhof Packaging geschlossen werden. Dieser Termin stand in der ersten Verhandlungsrunde über einen Sozialplan und Abfindungen und bei der Betriebsversammlung am vergangenen Mittwoch im Raum. "Die Kollegen sind jetzt gespannt, was das für sie finanziell bedeutet", sagt Betriebsratschef Serkan Ince gegenüber unserer Redaktion. Unterdessen fand am Freitag im Rahmen der bundesweiten Tarifrunde ein ganztägiger Streik statt.

Keine schnelle Einigung erwartet

Bei den Verhandlungen über den Sozialplan habe Mayr-Melnhof bisher kein Angebot unterbreitet, erklärt Ince. In der nächsten Runde am 7. März geht es nun darum, wie der Sozialplan ausgestaltet wird. Mitarbeiter mit Kindern oder mit einem gewissen Behinderungsgrad sollten besonders berücksichtigt werden, sagt Ince. "Ich rechne aber nicht mit einer schnellen Einigung."

 


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Momentan stelle sich die Arbeitgeberseite auf den Standpunkt, dass der Arbeitsmarkt offen sei. "Aber wenn die Leute 10, 20 oder 25 Jahre hier waren, dann haben sie sich ein angemessenes Gehalt erarbeitet. Jetzt müssen sie häufig in befristeten Arbeitsverhältnissen wieder neu anfangen", sagt Ince. Das müsse bei der Aushandlung der Abfindungen berücksichtigt werden. Und dafür habe der Konzern auch das Geld.

Eine Elchjagd für Experten

Gesprächsthema im Betrieb in dieser Woche war auch ein Artikel, der in der österreichischen Wochenzeitung "Falter" erschien. Es geht um ein "Expertenseminar", zu dem Mayr-Melnhof-Chef Peter Oswald kurz vor seinem 60. Geburtstag Ende Oktober 2022 eigene Führungskräfte und Geschäftspartner nach Schweden eingeladen hatte.

Mit dem Privatjet ging es von Wien aus auf eine exklusive Ferienanlage. Die Gruppe, zu der unter anderem auch der Einkaufs-Verantwortliche von Nestlé gehörte, ließ sich dann mit dem Hubschrauber zur Elchjagd bringen. Acht der mächtigen Tiere wurden erlegt und womöglich ebenfalls mit Hubschraubern aus dem Wald geflogen. Auf "Aktionärskosten", wie der "Falter" schreibt.

Entsprach das alles einer "üblichen Bewirtung", wie es im Verhaltenskodex von Mayr-Melnhof steht? Ein Nestlé-Manager, der bei dem Ausflug mit an Bord war, arbeitet jedenfalls seit Kurzem nicht mehr für den Nahrungsmittelkonzern, schreibt der Schweizer "Tagesanzeiger".

 


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Streiken für die Kollegen in der Branche

Von Schilling-Beschäftigten werden die Enthüllungen auch am Rande des Streiks am Freitag bitter-bissig kommentiert. Von 6 bis 6 Uhr am Samstag steht hier die Produktion. Es geht um 10,5 Prozent mehr Lohn in der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie. "Das hat mit der Schließung nichts zu tun, das sind zwei Paar Stiefel", sagt der zuständige Gewerkschaftssekretär Andreas Kirchgeßner. Von einer Tariferhöhung profitieren würden die Schilling-Beschäftigten dann wohl allenfalls noch über ein höheres Arbeitslosengeld.

 

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