Heilbronn will mit Abstimm-Aschern Zigarettenmüll den Kampf ansagen
In Heilbronn werden Raucher bald zum Abstimm-Ascher gebeten: Der Jugendgemeinderat bringt mit dem sogenannten Kippster ein Pilotprojekt auf den Weg, um Zigarettenmüll zu vermeiden. Stuttgart hat bereits 16 Stück im Stadtgebiet im Einsatz.

Er heißt Kippster, wartet in drei verschiedenen Farben auf (gelb, orange oder grau) und soll auf den Boden geworfenen Zigarettenkippen den Kampf ansagen: Nachdem sich der Heilbronner Jugendgemeinderat erstmals im September des vergangenen Jahres für eine Anschaffung des sogenannten Zigarettenabstimmkastens stark gemacht hatte, kommt nun Bewegung in die Sache.
In den nächsten Wochen - einen genauen Startpunkt gibt es noch nicht - sollen zwei Kippster für je drei Monate als Pilotprojekt in Heilbronn aufgestellt werden. Zum einen auf dem Aussichtspunkt am Wartberg und zum anderen an der Bushaltestelle am Marktplatz. Das kündigte Ralph Böhringer vom Betriebsamt in der jüngsten Sitzung des Jugendgemeinderats an.
Rund 1000 Euro werden für das Projekt zur Verfügung gestellt. Alle Mülleimer in Heilbronn seien zwar mit Aschenbechern ausgestattet, diese würden aber nicht immer genutzt. "Die einfachste Möglichkeit, eine Kippe zu entsorgen ist, sie auf den Boden zu schnipsen", bedauerte Ralph Böhringer. Dieser Problematik entgegensteuern soll der Kippenmülleimer.
Rauchen, abstimmen, Müll vermeiden
Das Besondere: Der Kippster besteht aus zwei Glaszylindern mit Antwortmöglichkeiten. Durch den Einwurf eines Zigarettenstummels in eines von zwei Fächern kann so über verschiedene Fragen abgestimmt werden. Der spielerische und informative Aspekt solle natürlich nicht zum Rauchen animieren, so Böhringer, sondern dazu, die Zigarettenstummel nicht mehr in der Umwelt zu entsorgen.
Am Anfang sei es sinnvoll, einfache Fragen zu stellen wie beispielsweise "Messi oder Ronaldo?" Oder: "Bist du glücklich?", war sich der Jugendgemeinderat einig. Mit Fragen zur Stadtpolitik wolle man nicht starten, fand auch Ralph Böhringer. Auf lange Sicht sei es aber sinnvoll, den regionalen Bezug zu spannen und sich so ein Stimmungsbild zu bestimmten Themen einzuholen. Wie der Großteil des Jugendgemeinderats zeigte sich auch Vorsitzender Maximilan von der Herberg von dem Pilotprojekt sehr angetan. "Vor allem für den Umweltschutz ist es eine super Sache. Ich denke, dass der Kippenmülleimer gut angenommen wird."
Im Stuttgarter Stadtgebiet gibt es bereits 16 Kippster

Hergestellt werden die Kippster von der Stuttgarter Firma Metallbau Rainer Freese. Die Idee stammt ursprünglich aus England. Aber das dortige Modell gefiel Firmeninhaber Rainer Freese nicht, wie er sagt. So entwickelte Metallbau Freese einen Prototypen, ehe dieser auch in Kleinserie gebaut wurde.
Im Stuttgarter Stadtgebiet sind insgesamt 16 Kippster zu finden. "Sie werden in Patenschaft durch Bürger, Jugendrat, Vereine und Schulen betrieben", sagt Pressesprecherin Marie Kraft. "Die Polizeihochschule untersuchte 2017/18 das Kippenaufkommen und kam zu dem Ergebnis, dass tatsächlich deutlich weniger Kippen im Umkreis der Kippster weggeworfen werden." Derzeit arbeite man auch an weiteren Fragen zum Abstimmen sowie an neuen Aufstellorten.
Bundesweites Interesse an Abstimm-Aschern
Bundesweit gibt es mittlerweile rund 300 Kippster, vor allem an der Ost- und Nordseeküste. Auch die Schweiz oder Österreich wurden laut Rainer Freese beliefert. Seit Juli wird der Kippster 2.0 verkauft. Dieses Modell wird auch in Heilbronn aufgestellt.



Stimme.de
Kommentare