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Gutes Hören wirkt sich auf alle Bereiche des Lebens aus

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440 Besucher sind zur 51. Abendvorlesung unter dem Titel "Gut hören - in jedem Alter" unter der Pyramide in der Kreissparkasse Heilbronn gekommen. Annette Limberger sprach über tanzende Haarzellen, moderne Hörgeräte und persönliche Anekdoten.

Annette Limberger im Interview mit Stimme-Redakteur Thomas Zimmermann bei der 51. Abendvorlesung "Gut hören − in jedem Alter". Thematisiert wurden das Ohr, Hörgeräte und Vorsorge.
Foto: Andreas Veigel
Annette Limberger im Interview mit Stimme-Redakteur Thomas Zimmermann bei der 51. Abendvorlesung "Gut hören − in jedem Alter". Thematisiert wurden das Ohr, Hörgeräte und Vorsorge. Foto: Andreas Veigel  Foto: Veigel, Andreas

Es war ein Abend über tanzende Haarzellen, glitzernde Hörgeräte und mit persönlichen Anekdoten: Professorin Annette Limberger, die unter anderem die Abteilung Phoniatrie/Pädaudiologie an den SLK-Kliniken in Heilbronn leitet, sprach in ihrem informativen und zugleich unterhaltsamen Vortrag zur 51. Abendvorlesung in der Reihe "Medizin hautnah" zum Thema "Gut hören - in jedem Alter". Das Interesse war groß: 440 Besucher sind unter die Pyramide in die Kreissparkasse Heilbronn gekommen, damit war die Veranstaltung ausgebucht.


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Gutes Hören ist für alle Altersklassen wichtig

Nicht nur für Babys sei gutes Hören essenziell, damit sie sprechen lernen und sich geistig normal entwickeln können, auch für Menschen im Alter, betonte Annette Limberger. Wer gut hört, könne an der Gesellschaft teilhaben, Altersdepressionen oder sozialen Rückzug vorbeugen und etwas für seine geistige Fitness tun, denn: "Eine rechtzeitige Versorgung von Schwerhörigkeit beugt einem kognitiven Abbau wie Altersdemenz vor."

Eine zentrale Rolle für ein gutes Hörvermögen spielen die sogenannten Haarzellen im Innenohr. Die äußeren sind die eigentlichen Tonaufnehmer, die den Schall verstärken oder abdämpfen. Je nachdem, ob es zu laut oder leise ist, können sich diese zusammenziehen oder ausdehnen und das im wahrsten Sinne des Wortes, wie Limberger anhand eines Videos demonstrierte: Obwohl sie isoliert in einer Petrischale lag, bewegte sich die Haarzelle zu "Rock around the Clock" auf und ab, als würde sie zur Rockmusik tanzen.


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"Der Discobesuch hat die eine oder andere Haarzelle gekostet"

Während eine Schwerhörigkeit bei Kindern meist angeboren ist, liegt die Ursache bei Erwachsenen eher "in der Summe aller Einwirkungen im Laufe des Lebens auf das Ohr" und tritt mit höherem Lebensalter auf. "Der Discobesuch hat die eine oder andere Haarzelle gekostet", sagte Limberger mit einem Augenzwinkern. Das Problem: "Man merkt nicht sofort etwas, sondern erst 20 Jahre später." An Silvester oder im Stadion auf einen Hörschutz zurückzugreifen, sei daher alles andere als verkehrt. Aber auch Explosionen, laute Knalle, Entzündungen oder chronischer Lärm, beispielsweise bei der Arbeit, können zur Schwerhörigkeit oder gar Taubheit führen.

Das Tragen von Hörgeräten nicht hinauszögern

Von vorgefertigten Hinter-dem-Ohr-Hörsystemen (HdO) ist Annette Limberger kein Fan, daraus machte die Oberärztin und Fachärztin für Phoniatrie und Pädaudiologie keinen Hehl. "Sie sitzen nie, wie sie sollen. Individuell angepasste sind die besten." Mit dem in der Gesellschaft verbreiteten Vorurteil, sein Gehör zu trainieren, indem man das Tragen eines Geräts hinauszögert, räumte die Oberärztin auf. Das genaue Gegenteil sei der Fall: Das Hörvermögen verschlechtere sich und Synapsen gingen verloren. Die gute Nachricht: Sobald der Betroffene ein Hörgerät trägt, würden die verloren gegangenen Verknüpfungen wieder hergestellt.

Moderne Hörsysteme seien heutzutage nicht nur effektiv, können beispielsweise Störgeräusche reduzieren oder lästiges Pfeifen unterdrücken, sondern sehen auch gut aus: Mittlerweile gibt es sie in allen erdenklichen Farben und Mustern, damit sie vor allem auch Kindern ein wenig Freude bereiten. Limberger erinnerte sich an eine junge Patientin zurück, die ein goldglitzerndes Modell trug. Ihre persönliche Wahl - sollte sie mal eins brauchen - würde vermutlich auf Pink oder Rot fallen, sagte die Oberärztin und sorgte für ein Schmunzeln im Publikum.

Normalerweise werden Hörgeräte von der Krankenkasse bezahlt, außer man greift auf ein Modell mit Zusatzausstattungen wie einer Anknüpfung ans Handy zurück, informierte die Professorin. Dann müsse man bis zu 3000 Euro aus eigener Tasche dazuzahlen. Wichtig war Annette Limberger ebenfalls zu betonen, dass "teuer nicht gleich besser" sei.


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Künftige Hörgeräte werden "die Audiowelt revolutionieren"

Seit diesem Jahr sei es zudem möglich, sich mit seinem Hörgerät über Bluetooth zu verbinden und sich so beispielsweise am Bahnhof Informationen zu seinem Zug zu holen. Hörgeräte in der Zukunft werden "die Audiowelt revolutionieren", versprach Annette Limberger. Wenn die Geräte beispielsweise mit der Cloud verbunden sind, könnte eine Meldung aufs Ohr kommen, wenn es an der Haustüre klingelt oder die Waschmaschine fertig ist. "Sie werden verstärkt zu einem Gebrauchsgegenstand für den Alltag und werden Menschen beim eigenständigen Leben helfen."

Die Zukunft werde in dieser Hinsicht noch vieles bereithalten, zum Beispiel sei nicht ausgeschlossen, dass Hörgeräte den Herzschlag oder Blutzucker messen könnten und bei Bedarf an die Tablette erinnern. Wenn solche Geräte nicht mehr helfen, komme meist das Cochlea-Implantat zum Einsatz, das in die Hörschnecke implantiert wird.

Auf Nachfrage von Stimme-Redakteur Thomas Zimmermann, ob es wie Karotten für die Augen auch ein Lebensmittel für ein gutes Hörvermögen gibt, empfahl Limberger Mineralien wie Kalium, Magnesium und Calcium, etwa durch den Verzehr von Milch, Joghurt oder Bananen.

 
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