Warum das Gehör von Kindern so wichtig ist
Neugeborene werden schon kurz nach der Geburt auf Schwerhörigkeit getestet. Annette Limberger stellte bei der 51. Abendvorlesung zwei Möglichkeiten vor und appellierte an die Verantwortung von Eltern und Kinderärzten.
Um sprechen zu lernen, müssen Babys gut hören können. Aber nicht nur für die Sprache, auch für eine normale, geistige Entwicklung und die spätere Teilhabe an der Gesellschaft ist Hören essentiell. Schon am Tag der Geburt wird deswegen bei Babys untersucht, ob eine Hörstörung vorliegt, erklärte Annette Limberger bei der 51. Abendvorlesung zum Thema "Gut hören - in jedem Alter".
Zwei Möglichkeiten für ein Neugeborenen-Hörscreening
Zwei Möglichkeiten gibt es für ein sogenanntes Neugeborenen-Hörscreening. Zum einen die Otoakustische Emission, die bei gesunden "Wonneproppen" zum Zug kommt und bei der geschaut wird, ob die Haarzellen - die schallempfangenden Sinneszellen in der Gehörschnecke - zucken. Und zum anderen die automatisierte Hirnstammaudiometrie, bei der die Reaktion des Gehirns auf den Sondenton gemessen wird. Annette Limberger machte aber auch deutlich, dass diese Untersuchungen nur Momentaufnahmen seien und Hörstörungen auch erst später im Laufe der Jahre auftreten könnten, beispielsweise wenn sie angeboren sind.
Verantwortung liegt auch bei Eltern und Kinderärzten
Deswegen liege es in der Verantwortung von allen, sowohl Eltern als auch Kinderärzten, den Nachwuchs zu beobachten. Die Krux: Ein Teil der Kinder sei hochintelligent und könne Hörstörungen über die Augen kompensieren. Spätestens, wenn das Kind ein Jahr alt sei und nicht sprechen könne, sollte man danach schauen lassen.
Wie klingt die Sprachmelodie meines Babys? Brabbelt es oder tanzt zur Musik?, seien Fragen, die helfen könnten.
Schwerwiegende Folgen
Welche schwerwiegenden Folgen eine zu spät diagnostizierte Schwerhörigkeit haben kann, machte Limberger an einem Beispiel deutlich. Erst kürzlich sei ein achtjähriges Mädchen bei ihr in der Sprechstunde gewesen, bei der die Oberärztin eine mittelgradige Schwerhörigkeit auf beiden Ohren diagnostizierte. Wegen der späten Entdeckung sei sie auf einer Lernhilfeschule gelandet. "So etwas darf nicht mehr passieren." Wenn bis zum siebten Lebensjahr eine Schwerhörigkeit nicht erkannt werde, sei es zu spät, sprechen zu lernen. Bei ein bis drei pro 1000 Neugeborenen findet sich eine permanente Schwerhörigkeit, 60 Prozent davon seien genetisch bedingt.
Kommentare öffnen

Stimme.de
Kommentare