Für manchen heißt es jetzt: Kleineres Häuschen bauen
Der KfW-Förderstopp wirbelt langfristige Planungen von Bauherren durcheinander. Das Geld fehlt und die Aussicht, wie es weitergeht. Auch Sanierungsprojekte kommen jetzt unter Druck.

Dass bei der KfW-Förderbank die Anträge zuletzt "körbeweise" reingeschleppt wurden, wie man lesen kann, und sich auf 20 Milliarden Antragsvolumen seit November summierten, verdeutlicht den Handlungsdruck, dem sich die Regierung ausgesetzt sah.
Es wurde gehandelt: Es folgte ein sofortiger Förderstopp für energieeffizientes Bauen und Sanieren insgesamt. "Damit hat man absolut nicht rechnen können", sagt Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Die Konsequenzen sind noch kaum abzusehen.
Ausgangslage: Eine Ankündigung und ihre Folgen
Im November schon ließ das von Robert Habeck geführte Wirtschaftsministerium verkünden, dass die Förderung des Effizienzhausstandards KfW55 ab Februar 2022 entfällt. Die Folge war, dass viele Bauherren noch vor dem Stichtag 31. Januar ihre Anträge einreichen wollten und dies zigtausendfach auch taten.
Schließlich ging es neben den günstigen Darlehen auch um einen Tilgungszuschuss von bis zu 26.250 Euro je Wohneinheit. KfW55 bedeutet, dass der Primärenergiebedarf des Gebäudes 55 Prozent eines sogenannten Referenzgebäudes beträgt.
Dass es nach der Ankündigung, die KfW55-Förderung auslaufen zu lassen, einen Run geben würde, das hatte der Heilbronner Handwerkspräsident Bopp erwartet. "Das konnte nicht gut gehen."
Allerdings widerspricht er der Darstellung des Wirtschaftsministers, dass Neubauten heute ohnehin nach diesem Standard errichtet würden. "Das stimmt einfach nicht." Noch immer würden viele Häuser als Effizienzhaus 70 gebaut.
Dann geht alles ganz schnell
Am Montag, 24. Januar, gaben Wirtschaftsministerium und KfW dann bekannt, dass nicht nur das KfW55-Programm, sondern jegliche Bundesförderung für effiziente Gebäude sofort gestoppt werden. Wie bereits eingereichte Anträge behandelt werden, blieb ausdrücklich offen.
Betroffen sind also nicht nur jene, die sich im absehbaren Endspurt noch eine Förderung sichern wollten, sondern viele Eigenheimbesitzer und Bauherren, die überhaupt nicht damit gerechnet hatten. "Ein Bauherr, mit dem ich gerade zu tun hatte, muss sich jetzt überlegen, kleiner zu bauen", erzählt Ulrich Bopp, der ein Bauunternehmen in Widdern betreibt.
Das sei dann eine mögliche Konsequenz, wenn die geplante Finanzierung so plötzlich infrage gestellt wird: "Entweder die Leute bauen nicht mehr in der geplanten Größe, oder sie wechseln auf den etwas schlechteren KfW70-Standard."
Auch bei Sanierungen regiert die Unsicherheit
"Mir hat es die Füße weggezogen, als ich das gehört habe", erzählt Jens Petzold, Chef des Heilbronner Malerbetriebs Hornung. Er habe seinen 50-Mann-Betrieb vor sieben, acht Jahren auf die energetische Sanierung von Altbauten spezialisiert, übernimmt für Hausbesitzer oft das komplette Programm vom neuen Dach über die Fassadendämmung bis zum Austausch der Fenster.
"Bei so einer Gesamtsanierung geht es schnell um 200.000 bis 400.000 Euro. Wenn dann 20 bis 30 Prozent fehlen, weil die Zuschüsse wegfallen, dann wissen die Leute einfach nicht, wie sie das stemmen sollen", so der 55-Jährige.
Auch für ihn selbst seien die Konsequenzen sehr konkret: "Ich habe Angebote für 2,5 Millionen Euro draußen, die jetzt alle erstmal nicht kommen." Der Imageschaden für die Regierung und ihre Klimaziele sei riesig, sagt Petzold. Jetzt müsse schnell eine neue Regelung her.
Was das Land jetzt vorhat und wo es die Grenzen sieht
Die baden-württembergische Bauministerin Nicole Razavi sieht ebenfalls Klärungsbedarf, wie sie gegenüber unserer Zeitung mitteilt. "Die Bundesregierung muss jetzt so schnell wie möglich sagen, wie es mit der KfW-Förderung weitergeht, um die Unsicherheit zu beenden und den Schaden für den Wohnungsbau in Deutschland so gering wie nur möglich zu halten." Als Vorsitzende der Bauministerkonferenz will sie "zeitnah" zu einer bereits geplanten Sonderkonferenz einladen.
Klar sei auch, dass das Land nicht umfassend einspringen und "KfW-Bank spielen" könne, heißt es aus Razavis Ministerium. Einzig für den Sozialwohnungsbau, wo es schon bisher eine zusätzliche Förderung durch das Land gebe, sei eine gewisse Kompensation vorgesehen - allerdings erst ab 1. Februar. Dann soll es 18.000 Euro pro Wohneinheit und 20.000 Euro für selbstgenutzten Wohnraum geben. Diese Förderung ist an bestimmte Einkommensgrenzen geknüpft. Gerade junge Familien könnten davon aber profitieren.
Die Bundesregierung hält sich bedeckt - denkt aber laut nach
Von der Bundesregierung gab es bislang noch keine konkreten Aussagen, wie es weitergeht. Wirtschaftsminister Habeck hat allerdings klargemacht, dass die meisten Bauherren keine Förderung mehr erhalten werden. Gegenüber der Bauwirtschaft wurde signalisiert, dass es möglicherweise bald ein neues Förderprogramm für KfW40-Bauten geben wird.
Für KfW55-Häuser dürfte es in Härtefallregelungen wohl nur noch auf einen vergünstigten Kredit hinauslaufen. Das Wirtschaftsministerium will aber offenbar künftig einen Schwerpunkt auf Sanierungen legen.
Zu der wegfallenden Förderung kommt auf Bauherren in Baden-Württemberg nun noch eine weitere Belastung zu. Nachdem seit Anfang des Jahres auf gewerblichen Neubauten Photovoltaikanlagen installiert werden müssen, gilt die PV-Pflicht ab Mai auch für neu zu bauende private Wohngebäude. Für den Stichtag gilt der Eingang des Bauantrags. Zum Januar 2023 gilt die Vorgabe dann auch bei umfassenden Dachsanierungen von Bestandsgebäuden.
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Stimme.de
Kommentare
Raphael Benner am 30.01.2022 20:10 Uhr
Der größenwahnsinnige Habeck kassiert ohne Ankündigung ein Gesetz und bringt tausende Bauherren in Finanzierungsnot..
Sehr her, was ihr gewählt habt.