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Digitalisierung

Einführung des E-Rezepts macht Probleme: Umsetzung im ohnehin "stressigen Praxisalltag"

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Seit Anfang des Jahres sollen Arztpraxen Rezepte digital ausstellen. Bei der Umsetzung hakt es noch an einigen Stellen. Das sind die Gründe dafür.

Elektronische Rezepte sollen nach jahrelangen Verzögerungen 2024 den Durchbruch schaffen und zum Standard für Millionen Patientinnen und Patienten werden.
Elektronische Rezepte sollen nach jahrelangen Verzögerungen 2024 den Durchbruch schaffen und zum Standard für Millionen Patientinnen und Patienten werden.  Foto: Fabian Sommer/dpa

Am 1. Januar 2024 wurde das E-Rezept bundesweit eingeführt. Ärzte sind seitdem dazu verpflichtet, das E-Rezept zu nutzen, wenn sie verschreibungspflichtige Medikamente verordnen. Doch wie so oft bei Projekten der Digitalisierung, läuft die Umsetzung nicht überall reibungslos. Woran liegt das?

Einführung des E-Rezepts: Vor allem technische Probleme sind Ursache

Bei den SLK-Kliniken wird das E-Rezept "nahezu flächendeckend" verwendet, auch die Einführung verlief laut der SLK-Pressesprecherin reibungslos. Doch das ist nicht überall der Fall. Gründe für die Probleme sieht die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) in technischen Problemen und dass "die Praxisverwaltungssysteme noch nicht soweit sind". 

Um die Einführung des E-Rezepts für Ärzte zu erleichtern, gibt es Informationsseiten der Kassenärztlichen Vereinigungen und virtuelle Schulungen. "Die KVBW hat auf Ihrer Website außerdem ein eLearning Programm zum E-Rezept zur Verfügung gestellt. Dieses ist nicht nur für die Mitglieder, sondern öffentlich zugänglich und richtet sich zum Beispiel auch an Medizinische Fachangestellte", erklärt der Pressesprecher des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg auf Nachfrage.

Das Programm sei umfangreich und es könnten "alle Prozesse rund um das E-Rezept nachvollzogen und durchgespielt werden". Das setzt allerdings voraus, dass Praxen überhaupt über die technischen Voraussetzungen verfügen, das E-Rezept einzuführen. 

Umstellung von Papier- auf E-Rezept: So läuft es in der Region

Die Praxis von Doktor Michael-Erich Kolb in Heilbronn erlebte einen reibungslosen Start bei der Einführung von des E-Rezepts. Die geltende Vorschrift kam jedoch für das Praxisteam überraschend. „Wir wurden erst am 31. Dezember 2023 darüber informiert, dass das E-Rezept im neuen Jahr verpflichtend ist“, berichtet eine Angestellte der Praxis. Trotz der anfänglichen Überraschung konnte die Situation durch das interne System gut bewältigt werden, sodass E-Rezepte problemlos ausgestellt werden konnten.

Etwas mehr Zeit hatte die Praxis der Allgemeinmedizinerin Doktor Liselotte Hoffmann in Heilbronn. Sie war bereits seit November über die Verpflichtung zum E-Rezept informiert. Auf den Websites der KVBW und der Ärztekammer wurde dies frühzeitig angekündigt. Daher rät die Praxis von Doktor Hoffmann anderen Ärzten und Patienten Folgendes: „Ein regelmäßiges Lesen der Nachrichten auf diesen Portalen ist bei solchen Themen sehr hilfreich.“

Das Medizinische Versorgungszentrum Hohenlohe in Forchtenberg setzt das E-Rezept teilweise ein. Die Hausärztliche Gemeinschaftspraxis im Gesundheitszentrum Eppingen wollte zur Einführung des E-Rezepts keine Auskunft geben.

Umsetzung führt zu Frustration: Ausweichen auf Papierrezept

Der Pressesprecher des Ministeriums räumt ein, dass die technischen Umsetzungsschwierigkeiten im "ohnehin stressigen Praxisalltag zu Frustration" führen könnten, weshalb dann doch oft auf das Papierrezept ausgewichen werde. Die Einführung des E-Rezepts ist allerdings verpflichtend: Was bedeutet das für Ärzte?

Hier verweist der Pressesprecher auf das verabschiedete und bald in Kraft tretende Digitalgesetz. Damit seien "Honorarkürzungen für Leistungserbringer vorgesehen, die nicht nachweisen können, dass sie zur Ausstellung und Übermittlung von E-Rezepten in der Lage sind". Die Kürzung erfolge pauschal um ein Prozent der Vergütung für vertragsärztliche Leistungen. 

Nach Angaben des Ministeriums verfügen 95 Prozent der Praxen in Baden-Württemberg grundsätzlich über die notwendige technische Ausstattung zur Ausstellung und Übermittlung von E-Rezepten. Das zeigen Abrechnungsdaten, die allerdings nicht zeigen, wie hoch der Anteil der ausgestellten E-Rezepte im Vergleich zu den Papierrezepten ist. 

 

 

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