Holpriger Start beim E-Rezept – "Dann müssen wir alles neu machen"
Ärzte sind seit 1. Januar verpflichtet, Medikamente über ein elektronisches Rezept zu verordnen. Doch das System ist fehleranfällig, wie zwei Neckarsulmer Mediziner berichten.
Das E-Rezept ist seit 1. Januar verpflichtend in deutschen Arztpraxen. Das heißt: Ärzte müssen Verordnungen für verschreibungspflichtige Arzneimittel elektronisch ausstellen statt auf den gewohnten rosafarbenen Formularzetteln.
Das E-Rezept soll dann auf einem zentralen Server gespeichert werden, die Apotheke wird beim Einstecken der Versichertenkarte in das Lesegerät autorisiert, es von dort abzurufen. Alternativ können Ärzte den Patienten einen Papierausdruck des Barcodes mitgeben oder diese können das Rezept über eine spezielle App einlösen.
Kritik am E-Rezept: Kommunikation über Telematik-Infrastruktur ist langsam
Soweit die Theorie, doch in der praktischen Anwendung funktioniert der Prozess noch nicht richtig, beklagen Ärzte aus der Region. Der Neckarsulmer Hausarzt Tobias Neuwirth sagt, die Kommunikation über das digitale Netzwerk für das Gesundheitswesen, die sogenannte Telematik-Infrastruktur, laufe schleppend und sei fehleranfällig. Während er für ein analoges Rezept wenige Sekunden brauche, seien es für das neue E-Rezept zwischen 30 Sekunden und 2 Minuten. Im eng getakteten Praxisalltag sei das nicht darstellbar.
Ähnliche Erfahrungen hat der Neckarsulmer Zahnarzt Peter Fuchs gemacht. Die Handhabung sei vielfach sehr komplex und störanfällig. Wenn ein Medikament durch ein anderes ersetzt werden müsse, zum Beispiel weil es in der Apotheke nicht vorrätig sei, reiche es nicht mehr, dazu kurz zu telefonieren. „Dann müssen wir alles nochmal neu machen.“ Das koste viel zu viel Zeit.
Häufig hänge auch die Verbindung zur Telematik-Infrastruktur, dann müssten sie doch wieder auf das alte Papierrezept zurückgreifen. „Wir haben keine andere Wahl.“ Fuchs sagt, grundsätzlich sei er ein großer Freund der Digitalisierung, aber das System sei viel zu komplex aufgesetzt.
Einführung E-Rezept: Krankenkassen sehen keine Probleme
Die gesetzlichen Krankenkassen beobachteten dagegen in den vergangenen Monaten „einen steilen, problemfreien Hochlauf“ mit zwölf Millionen ausgestellten E-Rezepten, wie es von Seiten des Spitzenverbands kurz vor der Umstellung hieß. Eigentlich bestand die Pflicht für die Ausstellung digitaler Rezepte schon ab Anfang 2022. Doch ein Start auf breiter Front verzögerte sich mehrfach auch wegen Technikproblemen.
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