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So werden Schüler in Weinsberg aufs Berufsleben vorbereitet

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Schnupperpraktika waren während der Pandemie-Hochphasen nicht möglich. Doch gerade sie sind in der Berufsorientierung wichtig. Was getan wird, um Schüler fit für die berufliche Zukunft zu machen, zeigen die Angebote am Weinsberger Bildungszentrum.

Regelmäßig bekommen die Schüler des Justinus-Kerner-Gymnasiums Besuch von Berufsberater Jürgen Haas von der Agentur für Arbeit.
Foto:Christiana Kunz
Regelmäßig bekommen die Schüler des Justinus-Kerner-Gymnasiums Besuch von Berufsberater Jürgen Haas von der Agentur für Arbeit. Foto:Christiana Kunz  Foto: Kunz, Christiana

Schüler hatten unter den Beschränkungen der Pandemie besonders zu leiden: kein Präsenzunterricht, kaum Kontakte - und auch keine Betriebspraktika, um herauszufinden, wie es nach dem Abschluss weitergehen soll. Und dies vor dem Hintergrund, dass die Fülle an Möglichkeiten groß ist. Deshalb hat das Kultusministerium in Stuttgart jetzt die Initiative "BO durchstarten" ins Leben gerufen. Ziel ist es, Aktivitäten zur beruflichen Orientierung ("BO") ins Blickfeld zu rücken und zu verstärken. Anlass für Jürgen Kovács vom Justinus-Kerner-Gymnasium in Weinsberg, zu zeigen, was seine Schule in Sachen Berufsvorbereitung unternimmt.

 


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Eine neue Zertifizierung

Es ist beileibe kein Alleinstellungsmerkmal. Aber es zeigt doch, dass sich das JKG Mühe gibt, seine Schüler fit für die berufliche Zukunft zu machen. Stolz berichtet Schulleiter Kovács von der jüngsten Zertifizierung: Das JKG trägt neuerdings das "BoriS"-Siegel des baden-württembergischen Industrie- und Handelskammertags. Wie 459 andere Schulen im Land wird damit auch dem Weinsberger Gymnasium mit seinen rund 730 Schülern bescheinigt, dass dort Berufsorientierung in besonderer Weise verankert ist.

Was geht über das Normalmaß hinaus - also über das, was im Bildungsplan vorgeschrieben ist? Etwa, dass in Klasse zehn nicht nur, wie in anderen Gymnasien ebenso, das fünftägige Betriebspraktikum Bogy Pflicht ist. Zusätzlich muss ein Sozialpraktikum absolviert werden. Zumindest in der Theorie. Erstmals 2020 hätten die Schüler in eine soziale Einrichtung reinschnuppern sollen. Doch dann kam Corona. Dieses Jahr sollte es endlich klappen.

Praxis-Erfahrung lässt sich nicht ausgleichen

Apropos Bogy: "Die Praktika sind wegen Corona komplett weggefallen", bedauert Lehrer Steffen Gassert, der am Weinsberger Gymnasium für Berufsorientierung zuständig ist. "Auch in diesem Jahr waren die Unternehmen zum Teil noch zurückhaltend", weiß er. Dennoch hätten fast alle Schüler einen Platz gefunden. Einige Bereiche der Berufsorientierung haben während der Pandemie-Hochphasen über Online-Angebote "ganz gut abgefangen" werden können, findet Gassert. "Aber Praxis-Erfahrung lässt sich online nicht ausgleichen", betont Kovács.

Betriebe ermutigen, ihre Türen zu öffnen: Auch aus diesem Grund hat das Land "BO durchstarten" initiiert. Gassert hat beobachtet, dass etliche Schüler versuchen, Berufsluft zu schnuppern, auch unabhängig von den vorgeschriebenen Praktika. Weil die Praxis so wichtig ist, sei das JKG kulant, wenn es darum gehe, Beurlaubungen zu erteilen, so Oberstudiendirektor Kovács.

 


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Eine außergewöhnliche Kooperation

Der JKG-Chef hebt als weitere Besonderheit die "außergewöhnliche Kooperation" mit dem Obersulmer Technologie-Unternehmen IDS und mit der Hochschule Heilbronn hervor. Alles andere als alltäglich sei zudem die Berufsinfoveranstaltung des Rotary-Clubs für das JKG und das Heilbronner Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium. " Berufspraktiker informieren über ihre Arbeit." Führungskräfte hautnah erleben und direkt ansprechen - das könne man bei diesem Termin.

"Super, Ihr Engagement in diesem Bereich", lobt CDU-Landtagsabgeordnete Isabell Huber. Sie informiert sich im Rahmen der "BO durchstarten"-Offensive über das Portfolio der Schule. Huber kennt sich aus am JKG. 2007 machte die heute 34-Jährige hier ihr Abitur.

Der Berufsberater kommt oft vorbei

"Viel öfter als ursprünglich gedacht" schaut im Gymnasium der Berufsberater von der Bundesagentur für Arbeit vorbei, sagt Gassert. Vor allem die Jahrgangsstufe 1 habe Gesprächsbedarf. Die Zwölftklässler eher weniger. Im Idealfall hat über die Jahre die Berufsorientierung gefruchtet, und die Abschlussschüler wissen, was sie mit ihrem Abitur anfangen wollen. "Mindestens 80 Prozent" der 72 jungen Menschen, die 2022 Abi gemacht haben, wissen, wie es weitergeht, sagt Kovács - auch wenn sie womöglich nicht sofort an eine Hochschule gehen oder eine Ausbildung beginnen.

Immer mehr fangen nicht sofort an

Denn diesen Trend hat Kovács beobachtet: "Immer mehr fangen nicht sofort an." Etliche Schüler schalten zum Beispiel ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) vor. Weitgehend unverändert sei über die Jahre der Anteil derer geblieben, die studieren. Etwa 80 Prozent entscheiden sich laut Kovács dafür.

Ein großes Bedürfnis, miteinander zu sprechen

Die andere weiterführende Schule am Rossäcker-Bildungszentrum in Weinsberg, die Weibertreuschule, ist in Sachen Berufsorientierung ebenfalls rege - auch ohne Zertifizierung. In der Hand von Schulchefin Rita Eichmann lag im Frühjahr die Organisation der Job-Informationsbörse für Schüler der weiterführenden Schulen aus Weinsberg, Wüstenrot und Obersulm. An über 30 Stationen konnten sich die jungen Menschen bei Firmen aus der Region über Berufsbilder verschiedener Branchen informieren. Nach zwei Jahren ohne die Möglichkeit, ein Praktikum zu machen oder eines anzubieten, habe man gemerkt: "Es gab ein großes Bedürfnis, miteinander zu sprechen" - sowohl bei den Vertretern der Firmen als auch bei den Schülern. Letzteren hätten die Praktika sehr gefehlt für ihre Entscheidung, wie es weitergeht, sagt Rita Eichmann.

Eine große Hilfe

In Kooperation mit der AIM werden Bewerbungstrainings angeboten, erläutert die Rektorin. Im Zuge einer Kooperation mit der Handwerkskammer lernen vorwiegend die Hauptschüler verschiedene handwerkliche Berufe kennen. Eine große Hilfe für ihre Haupt- und Werkrealschüler seien die Berufseinstiegsbegleiter - das sind externe Fachleute, die den jungen Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Die Schulchefin bedauert es deshalb, dass sich das Land zumindest in diesem Jahr aus der Finanzierung verabschiedet hat. Für nächstes Jahr sei noch offen, ob sich das Land an der Mischfinanzierung beteiligt.

Von den Realschülern, die in diesem Schuljahr ihren Abschluss an der Weibertreuschule gemacht haben, beginnen laut Eichmann 25 eine Ausbildung, 22 gehen in weiterführende Schulen. Vier sind noch unentschlossen. Bei den Haupt- und Werkrealschülern sieht es so aus: Zwölf gehen in eine Ausbildung, 22 machen an einer Schule weiter, bei fünf ist noch offen, wie es weitergeht.

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